Jemand_DrachenSchaf

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MODERATOR OF
 

Eine Beschreibung des Spielsystems

Irgendwann zwischen 2015 und 2017, in einer Phase, in der es mir sehr schlecht ging, habe ich angefangen mein Leben anders zu betrachten. Anfangs war das Leben für mich eine Serie, später ein Theaterstück, dann ein Rollenspiel. Nicht metaphorisch, sondern Struktur gebend. Ich begann damit an die kleinen und großen Aufgaben des Lebens als Quests (Aufgaben in Spielen, ursprünglich aus der Heldenepik) zu sehen, dauerhafte Vorhaben als Achievements (Errungenschaften, Trophäen für Leistungen im Spiel z.B. alle Inseln erkundet). So wurde ich also langsam vom Zuschauer, zum Teilnehmer und schließlich zum Spieler.

Die wichtigste Regel in meinem Spiel: Jeder Mensch spielt. Es gibt keine NPCs (Non-Player-Charakter. Eine Spielfigur ohne Mensch dahinter, wird vom Computer gesteuert). Kein einziger Mensch auf dieser Welt ist ein Statist. Nicht mal die, die versuchen nicht mitzuspielen, sie haben alle Auswirkung auf die Spielwelt und möglicherweise auf dich. Tiere sind in gewissem Rahmen auch Spieler, denn sie haben ja auch Bedürfnisse und daraus resultierend einen Willen. Alles, was keine eigene Handlungshoheit hat, kann NPC oder einfach Spielumgebung sein: Formulare, Algorithmen, Programme, KIs.

Meine Klassenwahl ist „Selbstprüfer“, manchmal übertrieben genau, aber sehr hilfreich wenn man viel lernen will. Die Klassenwahl im Spiel bestimmt die Spielweise sehr stark, klassisch gibt es damage dealer = Klasse die Schaden austeilt, meist Schützen, tank = gepanzerte Nahkampfklasse und heal = Heiler. Es gibt natürlich viele Varianten, aber dass sind die klassischen Drei. Im RPG Real Life gibt es minimal so viele Klassen wie es Menschen gibt.

Den Skilltree (Fähigkeitenbaum, Talentbaum, ein sich verzweigendes Netz an Fähigkeiten) hatte ich zunächst nicht freiwillig gewählt: Den Pfad der DBT (Dialektisch Behaviorale Therapie), das ist eine verhaltenstherapeutische Maßnahme, bei der einem mehr oder weniger das Menschsein gelehrt wird, die ursprünglich für Menschen mit Borderline-Störung entwickelt wurde. Im Spiel ist sie ein optionaler, extrem schwer zu meisternder Pfad. Ich habe ihn nur angenommen, weil mein Leidensdruck so hoch war, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, nicht mehr weiterzuspielen. Meine Ausgangslage war nicht: „Ich will leben.“ Sondern: „Ich will lernen, leben zu wollen.“ Mit diesem Satz startete ich 2012 die DBT.

Das Levelsystem ist simpel: Ein Lebensjahr = ein Level. Ich bin derzeit auf Level 44. Skillpunkte müssen durch aktives Training verdient werden. Es gibt keine automatischen Punkte pro Level. Und: Skills können sich zurückentwickeln. Wer z. B. jahrelang nicht schwimmen wahr, wird merken dass er sich nun schwerer tut.

Vertrackter ist es mit Skills die erst anfangen zu leveln wenn man eine bestimme Quest gestartet hat. Wer z.B. nie Selbstreflexion betreibt, wer nie ehrlich zu sich selbst ist, wird nicht mal anfangen echtes Verständnis für Menschen aufzubringen. Und nie sehen das ein Mensch einfach ein Mensch ist, ob man selbst oder jeder andere. (Meine Meinung)

Das Spielsystem erlaubt Cheats. Jeder darf cheaten. (cheaten bedeutet schlicht betrügen). Du darfst mit Geld kaufen, was andere erarbeiten. Du darfst lügen, betrügen, manipulieren. Du darfst dich verstecken, du darfst dich aufblasen, du darfst Narrative erfinden, Rollen spielen, Gefühle simulieren, du „darfst“ auch Gesetze brechen. Das Spiel wird dich nicht warnen. Es wird dich nicht aufhalten. Aber du musst dir bei jeder Tat klar sein, dass sie Konsequenzen hat, für dich selbst, für andere, für die Spielumgebung und am Ende vielleicht doch wieder für dich selbst. Man weiß nie.

Zeit ist dein kostbarstes Gut. Jede Sekunde zählt. Jede Minute, die du in einer Quest verbringst, die dir nichts gibt, musst du später rechtfertigen. Vor dir selbst! Und du wirst nicht zurückspulen können. Du wirst keine Dialogoption neu auswählen können. Jedes deiner Worte an deine Mitmenschen ob real oder in Social Media ist gesetzt, du hast entschieden es so rauszulassen. Leb damit! Tu was du willst ist ernstgemeint hier. Tu was du willst und leb mit den Konsequenzen. Eine Sache die in diesem Spiel genial ist, ist die Komplexität des Skilltrees. Kein Spiel auf dieser Welt - nicht Path of Exile, nicht Das schwarze Auge, nicht Baldur’s Gate - kommt auch nur annähernd an die Tiefe des echten Lebens heran. Der Skilltree des Real Life ist ein explodierendes 3D-System mit Millionen von Ästen. Du kannst zehntausende verschiedene Builds (das sind Skillkombinationen, manchmal dann man mehrere erlernen und wechseln) bauen. Aber du wirst immer Konsequenzen tragen. Du kannst ein absoluter Machiavellist werden. Du kannst in den sozialen Baum investieren, in Empathie, in Netzwerke, in Täuschung, in Informatik... Alles ist verfügbar. Aber nichts ist ohne Preis. Mindestens Zeit kosten alle, manche Geld, manche Freunde, manche die Familie, manche deine Freiheit und manche kosten Leben.

Ich spiele das Spiel, weil ich irgendwann 90 sein will und alle mit meinen Geschichten nerven will. Ich will sagen können: „Ich habe mein Spiel gespielt."

Das Spiel läuft im „Heroic Mode“ (Ein Modus in Spielen bei der die Spielfigur tatsächlich tot ist, wenn man stirbt, auch Permadeath, Ehre-Modus oder ähnliche Bezeichnungen) dass heißt, keine Savegames, kein Neuladen, jede Sekunde zähl, nur einen Durchlauf.

Gib dein Bestes, würde ich sagen.

Coming soon: Der Fleischroboter = deine Spielfigur Das Questsystem und meine Skills in Anwendung

 

Egal ob ihr wen hübsch findet, oder hässlich, oder nur aufbauen wollt. Das einzige was ein Kommentar zum Äußeren eines Fremden bestärkt, ist die Fixierung aufs Äußere.

#Bodyneutrality

Halt dein Maul

 

Zahlen sagen manchmal mehr als Worte Diskussionen auf Reddit sind meist unerfreulich, aber dieses mal bekam ich eine echte Inspiration, durch einen Beitrag von u/MissingXpert, der sich eigentlich mehr auf den Platzverbrauch bezog, kam ich auf die Idee das ganze mal mit einfachsten Mitteln auf den CO2-Austoß zu beziehen. Das Umweltbundesamt und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnen mit Personenkilometern und verwenden dabei Angaben, die nicht mal genauer erklärt werden, ich finde man kann das viel anschaulicher darstellen.

Wie viele Passagiere müssen im Bus sitzen, damit es sich vom Verbrauch her lohnt? Zunächst Dieselbus gegen Dieselauto

Branchenintern wird ein Omnibus meist mit 37,5 l/100 km angenommen. bei 2,65 kg CO2/l Diesel kommen wir dann auf:

37,5 l/100 km × 2.650 g CO2/l = 99.375 g CO2/100 km

993,8 g CO2 pro Kilometer pro Bus

Branchenintern wird ein Diesel-Pkw meist mit 6,5 l/100 km angenommen. bei 2,65 kg CO2/l Diesel kommen wir dann auf:

6,5 l/100 km × 2.650 g CO2/l = 17.225 g CO2/100 km

172,3 g CO₂ pro Kilometer pro PKW

Ab 6 Autos (6 × 172,25 g = 1033,8 g CO2 pro KM) überschreiten die Autos die 993,8 g CO2 des Busses.

Es ist klar, dass dies eine rein theoretische Rechnung ist, die auf Verbrauchsannahmen basiert, aber es war für mich äußerst erstaunlich, dass die Zahl derart klein ist. 6 Leute sind nichts in einem Bus.

Ich wollte aber noch verrückter werden.

Dieselbus gegen E-Auto Strommix-DE-betriebene PKW gegen die Dieselgurke, die hoffentlich bald gegen einen Elektrobus oder mindestens Hybrid getauscht würde (hier sind die Daten vom Bundesumweltministerium aus dem Hintergrundpapier Klimabilanz Elektromobilität, Link unten).

Stromverbrauch: 17,3 kWh/100 km (VW e-Golf, ADAC Ecotest)

DE-Strommix 2020: ~450 g CO2/kWh (UBA, 42,1 % erneuerbar)

17,3 kWh/100 km × 450 g CO2/kWh = 7.785 g CO2/100 km

77,9 g CO2 pro Kilometer pro E-Auto (nur Betrieb, ohne Batterieproduktion)

Ab 13 Personen im Bus, ist die Dieselgurke besser von der CO2 Bilanz als wenn die 13 Personen in 13 E-Autos fahren würden.

Jap, 13 sind nicht immer und überall erreichbar, aber hier trat Diesel gegen E-Auto an.

Zum Selbstrechnen, der E-Bus betritt die Arena

Ein Elektro-Solobus braucht lt. dem Abschlussbericht der Begleituntersuchung E-Busse des Bundeswirtschaftsministeriums (Link unten) 1,5 kWh/km im Winter.

1,3 kWh/km × 450 g = 585 g CO2 pro Elektrobus pro Kilometer

Den Rest könnt ihr euch selbst ausrechnen.

Wie viele Leute müssten auf ÖPNV umsteigen, dass sich die Herstellung eines E-Busses lohnt?

1 Linienbus (12 m):

großzügige Schätzung E-Bus 150 Tonnen CO2äquivalent (Dieselbus grob 120 Tonnen) CO2äquivalent) Quelle: Swedish Environmental Research Institute Gothenburg, Sweden (Link unten)

1 Diesel-Pkw (Kleinwagen):

Schätzung 7 Tonnen CO2äquivalent Quelle: VDI Verein Deutscher Ingenieure Analyse der CO2äq-Emmisionen von Pkw mit verschiedenen Antriebssystemen (Link unten)

Von der Herstellung her müssten es wenn man großzügig schätzt 22 durchschnittliche Passagiere sein.. aber das ist mehr Schätzung, weil sich ein "Bus-Leben" und ein "Auto-Leben" unterschiedlich abspielen und man diese 22 Leute dazu bringen müsste KEIN Auto zu kaufen. So, da wir nun geklärt haben, für wie unglaublich sinnvoll ich den ÖPNV halte, sollte ich mal meine Meinung zu den Fragen die dann immer kommen klären.

Wie bekommen wir genug Fahrer?

Das ist eigentlich keine große Frage. Das macht das Jobcenter und das Arbeitsamt nämlich ständig. Es werden Ausbildungen, Umschulungen (verkürzt eventuell für Taxi- und LKW-Fahrer) stark gefördert oder einfach komplett bezahlt. Also dass es den Auszubildenden nichts kostet und den Betrieb eventuell auch nicht. Das wird ständig gemacht.

Das nächste wird auch ständig gemacht, nämlich Ausschreibungen. Auch für andere Dinge wie die Müllabfuhr. Aber auch für Buslinien. Ich glaube die minimalen Löhne und Gehälter festzusetzen ist leider nicht so häufig mit drin. Ich denke, das dürfte gesetzlich schon möglich sein und wenn nicht, dürfte die Verordnung auch so zu ändern sein, dass die Ausschreibenden, also die Gemeinden und Kreise, die Löhne/Gehälter festsetzen dürfen. Natürlich die Buslinien, die von den Städten und Gemeinden und Landkreisen selbst betrieben werden, genauso gute Löhne zahlen.

Würden uns die Leute, die jetzt dann sich umschulen lassen zum Busfahrer oder die gleich Busfahrer uns anderswo fehlen? Na sicher würden die uns fehlen. Wenn man etwas großes wie die Verkehrswende umzusetzen will, wird das Einschränkungen verursachen. Damit kommen wir gleich zum nächsten Thema.

Warum sollten wir diese Einschränkungen in Kauf nehmen?

Ich höre das immer, wir in Deutschland verursachen nur ein Prozent oder so von den Treibhausgasen. Ja, das ist ja ganz gut, dass wir nur so wenig verursachen, obwohl wir so viel produzieren. Innerhalb Deutschlands, innerhalb der EU ist das alles schwierig und der weltweite Einfluss vielleicht nicht so gigantisch. Aber wenn ihr einen Weg wisst, wie man die USA, China, Russland und den Rest der Welt außerhalb Europas dazu bringt, dass die ihren Ausstoß reduzieren, also wirklich massiv reduzieren. Erzählt mir, wie ihr es schaffen wollt, ernst gemeint. Ich hätte auch ein paar Ansätze, aber ich bin ratlos, wie wir es in voller Gänze schaffen wollen.

ÖPNV wird nicht reichen.

Nein, wird es nicht. Da müssen wir sehr viel mehr tun. Vor allem in der Industrie ganz viel. Das ist der viel größere Produzent als der Verkehr. Trotzdem können wir nicht einen Teil weglassen. Aber die Industrie wird nicht nur sich weit einschränken müssen und weit umdenken müssen.

Wer soll das bezahlen?

Naja, zum einen, ehrlich gesagt, diejenigen, die unbedingt noch Autofahren wollen. Sie bezahlen ja jetzt schon, und es wird noch mehr werden, auch um die Autoanzahl zu reduzieren und die Passagiere im ÖPNV zu erhöhen. Aber es soll auch garantiert nicht nur der Kunde, nicht nur der einzelne Bürger in die Verantwortung gezogen werden, sondern vor allem die Verantwortlichen. Wer ist verantwortlich? Die Ölkonzerne zum Beispiel, die Autoindustrie zum Beispiel, die Stahlindustrie und so weiter und so fort. Die sollten massiv dafür zahlen, dass sie massiv verursacht haben. Und übrigens von den neuen Medien unbedingt KI. KI ist ein unglaublicher Stromverbraucher. Auch da massiv besteuern. Dann sollten wir allgemein, abseits des Stromverbrauchs der Firmen, darauf achten, dass ausländische Firmen, die hier ihre Dienstleistungen und Services und Produkte anbieten, hier auch ganz normal ihre Steuern bezahlen. Und vielleicht auch drauf achten, dass unsere großen Firmen so auf dem Level Steuern bezahlen, wie sie kleine Selbstständige bezahlen.

DE-Strommix: https://www.bundesumweltministerium.de/themen/verkehr/elektromobilitaet/klima-und-energie

Verbrauch E-Bus: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/abschlussbericht-begleituntersuchung-e-busse-oepnv.pdf?__blob=publicationFile&v=1

CO2äquivalente Pkw-Produktion: https://www.vdi.de/fileadmin/pages/vdi_de/redakteure/themen/Mobilitaet/Dateien/3718_Publikation_Factsheet_VDI-Analyse_der_CO2-Emissionen_Internet__1_.pdf

CO2äquivalente Bus-Produktion: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1361920919302792

Natürlich ist mehr wichtig als das... es ging nur um die Absurdität überhaupt noch Verbrenner zu nutzen anhand des Wirkungsgrads noch deutlicher zu machen...

Morgen kommt ein Text zu den Öffis... unter-anderem auf folgender Grundlage: Das Thema ÖPNV ist so inspirierend, (nein aber meine Sorgen so groß)... ich hab erst Physik gemacht (Canot-Prozess) und jetzt Mathe.... meine Leher würden denken man hätte mich ausgetauscht... hehe

Übrigens wenn ich mal von der einfachsten Berechnung ausgehe. Diesel Bus gegen Diesel PKW nur auf Treibhausgase bezogen, komme ich auf:

Ich gehe von 1000 g CO2 pro Kilometer beim Bus und 175 g CO2 pro Kilometer beim Auto aus

Ab 6 Autos (6 × 175 g = 1050 g CO2 pro KM) überschreiten die Autos die 1000 g CO2 des Busses.

Das ist die aller gröbste Rechnung und halt auch nur für diese Kombi.. aber interessant... danke für die Anregung

Und etwa ab 17 Passagieren, die sonst E-Autos fahren würden (DE-Stommix)... schlägt die Bus-Dieselgurke (die hoffentlich bald ersetzt würde), die E-Autos... wie gesagt, die Rechnung ist grob und theoretisch ... aber das ist krasser als ich dachte

Von der Herstellung her müssten es etwa 15 durchschnittliche Passagiere sein.. aber das ist mehr Schätzung, weil sich ein "Bus-Leben" und ein "Auto-Leben" unterschiedlich abspielen und man diese 15 Leute dazu bringen müsste KEIN Auto zu kaufen.

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Die Handbremse (feddit.org)
submitted 1 week ago* (last edited 1 week ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/SchreibenUndPosten@feddit.org
 

Du sitzt in einem Auto, auf dem Beifahrersitz. Hinten drin sitzen Kinder. Es sind nicht deine, aber es sind Kinder und du fühlst dich so ein bisschen dafür verantwortlich, dass sie heil ankommen.

Am Ende einer langen Geraden, siehst du schon sehr, sehr weit im Voraus eine steile Kurve vor einem Abgrund...

Du bist dir sicher, der Fahrer fährt viel zu schnell für diese Kurve, ihr werdet rausfliegen.

Also redest du mit dem Fahrer. Du sagst: "Hey, kannst du mal ein bisschen bremsen? Wir sind echt ein bisschen schnell." Der Fahrer reagiert nicht.

Okay, denkst du dir, wir sind ja noch weit weg. "Kannst du mal den Fuß so ein bisschen vom Gas nehmen? Einfach nicht so viel Gas geben?".

Der Fahrer erklärt dir, dass ihn das in seiner Freiheit einschränkt, dass er nicht anständig leben kann, wenn er den Fuß vom Gas nehmen muss.

Du sagst: "Hey, da hinten sind Kinder. Könntest du ein bisschen von deiner Freiheit abgeben, damit die ein glückliches und gesundes Leben führen können?

Der Fahrer tritt den Kickdown durch.

Du schweigst und dein Blick senkt sich zur Handbremse, die zwischen euch ist. Und du überlegst, ob die Gefahr größer ist, jetzt auf dem flachen Land die Handbremse zu ziehen und zu schleudern oder auf diese Kurve an der Klippe zu zu rasen.

Wir haben versucht zu überzeugen, wir haben geredet, diskutiert, Fakten geliefert, mit Titeln geprahlt, mit Studien gewedelt, Blödsinn gemacht, Grenzen überschritten, demonstriert, uns überall möglich und unmöglich fest gekettet, Gesetzesinitiativen eingereicht, Parteien gegründet, Petitionen eingereicht, Lieder geschrieben, Filme gedreht, Bücher geschrieben, geschrien, gebettelt, zu getextet, provoziert, polemisiert, Videos und Reels gemacht, Sarkasmus benutzt, uns über alle lustig gemacht, in Social Media geschrieben... ihr habt Gas gegeben...

Was können wir tun? Was wäre die Handbremse? Ökodiktatur? Ist sie die einzige Lösung? Ich bin ratlos... ich bin doch Demokrat, ich will diese Bremse nicht, ich will sie nicht wollen, ich will sie nicht brauchen, ich will doch überzeugen und nicht zwingen...

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago* (last edited 1 week ago)

Ja, deshalb plädiere ich für weniger Individualverkehr.. statt für den Elektromotor... das war der Ausgangstext: https://feddit.org/post/29372078

Das Beispiel hier entstand durch Reddit und seine... schräge Art mit Fakten umzugehen.

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago* (last edited 1 week ago)

Naja, dann ist es quasi ein Verbot... ist das so tragisch... Die soziale Teilhabe zu gewährleisten war ja der Plan von meinem vielen Gerede über die Öffis... egal, kann man ja überlesen...

Sind wir uns einig, dass man dringend handeln sollte?

Sind wir uns einig, dass Verbrenner raus sind aus der Diskussion?

Sind wir uns einig, dass E-Autos noch einige Innovationen bräuchten und das welche zu bauen IMMER Ressourcen und sie zu betreiben IMMER Energie kosten wird?

Sind wir uns einig das flächendeckender Nahverkehr nur Geld und nicht in diesem Maße Innovation benötigt?

Sind wir uns einig das man dringend handeln sollte?

Sind wir jetzt in der selben Diskussion?

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 2 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (2 children)

Kann jeder sehen wie man mag. Vielleicht ist dir aufgefallen das ich nicht von Verboten geredet habe. Aber ich weiß wie viele Menschen heute schon keinen Führerschein oder kein Auto haben. Und ich glaube diese Zahl könnte man enorm steigern, das wäre ja das Ziel

Wenn Individualmobilität DER Grund ist, dann würdest du wahrscheinlich mehr zahlen dafür, als Leute deren Priorität das nicht ist. Manche Leute zahlen für ne teure Wohnung, andere für teure Kleidung, andere (ich z.B.) für nen teuren Gamingrechner und Leute wie du dann halt für teure Individualmobilität. Es wäre halt nur das Ziel, dass das enorm viel weniger Menschen werden.

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 3 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (4 children)

Alle halbe Stunde ist indiskutabel... fuck ich hab die Hälfte meines Lebens indiskutabel geführt... wusste ich gar nicht... dir ist schon klar das viele Leute (auch auf dem Land) heute schon zu arm für ein Auto sind oder keines fahren dürfen aus gesundheitlichen Gründen und das bei miserablen Anbindungen?

also indiskutabel ist wirklich ein wenig übertrieben

Auto fahren muss nur teuer genug sein...

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago (6 children)

Du hast das Problem gut beschrieben. Wir sollten in diesen Umbau investieren, nicht in "hocheffiziente" Verbrenner und auch nicht auf E-Mobiliät als einzige Rettung bauen. Am Anfang muss man banal Buslinien subventionieren, auch gezielte Schichtbusse und Linien zu Gewerbegebieten mit Supermärkten und CarSharing Angebote und kleine Märkte in Dörfern... und Autofahren noch unattraktiver machen (wird es durch die Teuerung sowieso, aber hier mal aufs Gas drücken). Ausbau von regionalen Zuglinien dauert.

Aber denkst du, wenn alle halbe Stunde ein Bus in jede Richtung fährt und Autofahren schmerzhaft teuer wäre, dass niemand umsteigen würde?

Eine Diskussion gewinnen können sicher auch Fakten, das Publikum gewinnen... selten.

Das war zu allen Zeiten schwierig und es ist nicht einfacher geworden.

Ist das ein Grund es nicht zu versuchen? Ich bin kein Nihilist

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago (1 children)

Ja genau da geht es ja darum, diese Unverzichtbarkeit durch regelmäßigen Busverkehr, Charsharing Angebote usw. und in den schönsten Träumen neuen Regionalbahnstecken zu beenden.

Ok, danke dir auch. Du kannst zum Thema sparsam fahren gern nen eigenen Thread aufmachen... ich werd mich da auch nicht einmischen.

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago (2 children)

Aber das war eine Ergänzung zum Thema maximaler Wirkungsgrad, wenn man so will eine Präzisierung oder auch Kritik an meiner Ungenauigkeit im Startpost.. auf die habe ich geantwortet... das es nur um den maximalen Wirkungsgrad ging...

Um den realen Wirkungsgrad ging es ja eben niemals in der ganzen Diskussion, sondern um die Beschränkungen der Physik, die Verbrenner allgemein in Frage stellen...

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org 1 points 1 week ago (4 children)

Kein Grund eingeschnappt zu sein, aber es war eben nicht zum generellen Thema.

Was denkst du was das Thema war (echtes Interesse)?

[–] Jemand_DrachenSchaf@feddit.org -1 points 1 week ago (6 children)

Äh.... ist das dein Argument dafür, dass es Verbrenner geben soll? Dass sie vom maximal möglichen Wirkungsgrad her physikalisch begrenzt sind. denn darum geht es hier... ist das irgendwie nicht klar geworden?

Falls nein, schau bitte in den Folgebeitrag: https://feddit.org/post/29385952

Spätestens dann dürfte das Thema klar sein.

 

Mich lies das Thema von eben nicht los Die Physik ist kein Parteimitglied

Es gibt Menschen, die leugnen physikalische Zusammenhänge, die seit dem 19. Jahrhundert bewiesen sind und man von Achtklässlern in Schulaufgaben zu lösen erwartet. Da kann nicht mehr von fehlendem Verständnis geredet werden sondern von Weigerung und vor allem der Hybris schlauer zu sein als alle vor einem und schlauer als alle Zeitgenossen, die dir diese elementaren Zusammenhänge herleiten könnten und in allen Sprachen, Dialekten und Akzenten dieser Welt erklären können warum sie gelten.

Beispiel:

Thermischer Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren

ɳ = W/Q~h~

ɳ - Thermischer Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors

W - Pro Zyklus im Verbrennungsmotor geleistete Arbeit

Q~h~ - Durch Verbrennung pro Zyklus hinzugefügte Wärme

Höchster theoretisch möglicher Wirkungsgrad (Carnot-Wirkungsgrad)

ɳ~c~ = (T~h~ - T~k~)/T~h~ = 1 - T~k~/T~h~

ɳ~c~ - Carnot-Wirkungsgrad

T~h~ - Temperatur (heiß)

T~k~ - Temperatur (kalt)

Ich hasse Formeln, mag aber das Wissen dahinter, der sogenannte Carnot-Wirkungsgrad wird höher, je größer die Differenz der beiden Temperaturen ist. Nach oben und unten sind die Themperaturen in einer Verbrennung natürlich immer begrenzt, also gibt es (auch abseits von Reibungsverlusten) in einem Verbrenner niemals einen Wirkungsgrad von 100%.

Technisch werden dann allerdings auch vom Carnot-Wirkungsgrad nur Wirkungsgrade von etwas mehr als zwei Drittel dieses Wertes erreicht.

Sehr effiziente Verbrennungsmotoren können den Kraftstoffverbrauch minimieren und Leistung maximieren, aber die Gesetze der Therodynamik setzen hier Grenzen. Und egal wie wenig Kraftstoff verbraucht wird, durch diese Verbrennung entsteht Kohlendioxid... Ausflug in Chemie-Grundlagen machen wir nächstes mal.

Und nun? Du glaubst das nicht?…

Kein Ding, ich hatte ne 4- im Physik-Abi, glaub mir nicht...

Ach du glaubst das auch nicht wenn das jemand mit Ahnung sagt...

Ok. Dann widerlege es! (Kann sein, dass du erst mal etwas Physik studieren musst um das mit dem Widerlegen überhaupt ernsthaft zu versuchen)...

Ach du willst es nicht widerlegen, du glaubst es einfach nicht... Der Physik ist egal was du glaubst, sogar was Physiker über sie wissen ist ihr egal...

Wissenschaft ist kein Glaube. Sie ist der Versuch, das zu beschreiben was IST. Ob man an Gott glaubt oder nicht, ob man die Regeln mag oder nicht: Die Schwerkraft wirkt. Chemische Verbindungen bilden sich. Organisches Leben hat Grenzen. Wer das leugnet, leugnet nicht die Wissenschaft, er leugnet die Realität.

Und das Schlimmste? Menschen die die Realität ablehnen, dürfen wählen. Sie dürfen Auto fahren. Sie dürfen Kinder erziehen. Sie leben in einer Welt, die sie nicht verstehen WOLLEN.

Dabei ist diese Welt faszinierend. Ein einziger Kubikmeter Erde birgt mehr Geheimnisse, als ein Mensch oder eine ganze Wissenschaftsdisziplin in einem Leben entschlüsseln könnte. Doch statt Ehrfurcht zu empfinden, erfinden sie ihre eigenen Regeln. Statt zu staunen, verweigern sie das Sehen.

Das ist keine Dummheit. Das ist Hybris.

 

Verbrennungsmotoren sind technisch ausgereift. Und genau das ist das Problem. Denn sie stoßen an physikalische Grenzen. Selbst moderne Benzinmotoren erreichen oft nur etwa 20 bis 30 Prozent Wirkungsgrad. Dieselmotoren liegen etwas höher bei rund 30 bis 40 Prozent. Das bedeutet: Ein Großteil der Energie geht als Wärme verloren. Der Grund liegt in der Thermodynamik. Bei der Verbrennung lässt sich ein großer Teil der Energie nicht in Bewegung umwandeln. Elektromotoren dagegen kommen auf über 90 Prozent Wirkungsgrad.

Ich persönlich würde eher zu dem Schluss kommen, dass wir eine Zukunft mit nur sehr punktueller individueller Mobilität planen sollten. Ohne eigenes Fahrzeug vor beinahe jedem Haus. Elektromobilität ist in meinen Augen keine Lösung, sondern eine Krücke, für die wenigen Fälle in denen Individualverkehr zwingend die einzig mögliche Lösung ist. Aber mit dem Punkt zu Verbrennern gehe ich absolut mit.

Basti on Instagram: "Hocheffiziente Verbrenner wird es nicht geben Video Quelle: Harald Lesch München 18.4.2026 @energiederzukunft https://www.instagram.com/reel/DXWD3GnDPUs/

 

Dies ist meine persönliche Einschätzung auf Grund meiner Erfahrungswelt, es gibt Theorien die in eine ähnliche Richtung zeigen, aber die will ich hier gar nicht versuchen zu erläutern, denn dass haben klügere bereits getan.

Arbeit als Grundreligion in „westlichen" Gesellschaften

Update: westlich ist hier in Anführungsstrichen, da heute quasi alle Gesellschaften so aufgebaut sind. (Danke, für den Hinweis in den Kommentaren)

Wie oft ich Sätze gehört habe, die wie folgt aufgebaut waren: „Er*sie war zwar [hier beliebige schlechte Eigenschaft einfügen], aber war immer fleißig." Fast eine Absolution fürs schlecht sein. Oder auch ein Klassiker: „Ich habe nichts gegen Ausländer, solange sie arbeiten.". Das drückt beides die Haltung aus, das Arbeit und Fleiß jemanden wertvoll machen, das Nützlichkeit über den Wert eines Menschen entscheidet. Denn im Umkehrschluss kann man es interpretieren als: Wer faul ist, wer nicht arbeitet ist wertlos, oder zumindest wertloser, als ein schlechter Mensch der Fleiß zeigt.

In einem älteren Text habe ich mich bereits mit Faulheit als „Sünde" und Fleiß als „Tugend" beschäftigt, wer mag findet ihn hier: https://feddit.org/post/29241578

Zum Teil geht diese Fixierung auf Arbeit viel weiter als nur die Fleiß/Faulheitsdebatte und weiter als nur die wirtschaftliche Abhängigkeit von Arbeit. In meinem Umfeld sind immer wieder Menschen, die ihr Leiden an der Arbeit wie einen heiligen Schild vor sich her tragen. Ungerechte Chefs, mobbende Kollegen, grauenhafte Arbeitszeiten, körperliche Überlastung, schlechte Bezahlung usw. gelten quasi als Ehrenabzeichen. Die Arbeit ist das Kreuz das getragen werden muss, bis man nach dem Renteneintritt endlich ins wahre Leben aufersteht. Eine Erlösung durch Leid, wenn man so will.

Selbstoptimierung als Buße und Beichte

Fitness, Produktivität, Zeitmanagement sind die neuen Sakramente. Apps, Tracker, Selbstkontrolle der moderne Beichtstuhl, fehlende Leistung die zu beichtende Sünde. Der vollkommene Arbeiter ist frei von Faulheit, Krankheit, Erschöpfung (Friedrich Merz gefällt das). Wenn man scheitert ist das moralisches Versagen, nicht Systemfehler oder schlicht Überlastung.

Das absolute Seelenheil erlangt man in diesem Glauben natürlich nur durch Leistung und Produktivität: „Ich hab's mir erarbeitet.". Für Gnade ist allerdings kein Platz, nur für Output. Beruflicher Erfolg ist unsere säkulare Erleuchtung.

Arbeit als Quelle der Identität

Die Frage: „Was arbeitest du?" ersetzt „Wer bist du?" und ist scheinbar unumgänglich in jedem ersten Kennenlerngespräch. Unsere Berufe sind unser Identitätsanker, Arbeitslosigkeit hingegen bedeutet quasi Identitätsverlust.

Nützlichkeit als Existenzberechtigung

Wie soll man diese Religion anders interpretieren, als das man gefälligst nützlich zu sein hat, wenn man es nicht ist, wird man notfalls geduldet, hat aber den ganzen Tag dankbar zu sein und natürlich regelmäßige Bußgänge zu machen, die eine komplette und oft wiederholte, demütigende Offenlegung des ganzen Lebens vor den Almosengebern (Ämtern) beinhalten. Ob ein Mensch ethisch gesehen ein gutes Leben führt ist in dieser Religion irrelevant, wenn er dauerhaft keinen Nutzen erfüllt und sich vielleicht noch anmaßt nicht mit genug Demut aufzutreten.

Und schließlich,

wie im Christentum, muss es ja auch die Möglichkeit zum Märtyrertod geben: BURNOUT!

Wer das geschafft hat, wird automatisch heilig gesprochen, vom Geist der ungebremsten Selbstkapitalisierung oder so.

*Na, wer empfindet das Bedürfnis seine Religion zu verteidigen? Gläubige sind ja oft ein wenig empfindlich, wenn man ihr Heiligstes spottet.Aber ich bin Religionskritiker seit ich erwachsen bin, also immer her mit eurer Empörung.

 

Als Konsument bin ich erst mal raus bei YouTube.

Es gibt viele Sachen, die mich schon seit langem dort ärgern. Zum Beispiel die Werbung, die immer mehr in shady Kategorien abrutscht. Ich habe wiederholt stark sexualisierte AI-Girlfriend-Werbung bekommen, oder Alkohol-Werbung, obwohl ich sogar Getränke komplett geblockt habe (bin trockener Alki), blockiere immer wieder Werbung für die katholische Kirche, ich bekomme Werbung für irgendwelche komischen Beraterfirmen, die teilweise ins Esoterische driften. ICH WILL DAS NICHT MEHR! Diese Seite ist weit davon entfernt, eine familienfreundliche App zu sein, was für mich okay wäre, wenn sie dazu stehen würde und nicht gleichzeitig Creatoren die aufklärend arbeiten für das Wort "Missbrauch" oder ähnliches shadowbannen würden.

Und dann ist noch der Content. Natürlich gibt es sehr guten, sehr qualitativ hochwertigen Content auf YouTube. Aber mein allgemeiner Boykott-Monat fußt ja nicht nur darauf, dass ich US-amerikanische Seiten und Algorithmen kritisiere, was ich auf jeden Fall tue, sondern auch, dass ich ein Suchtmensch bin und sehr leicht empfänglich für süchtig machende Inhalte. Und so bin ich schon vor Jahren in dieser ganzen Reaction-Gossip-Bubble gelandet. Manchmal auch Videos über Trash-TV, Berichte über TikTok, oder was auf Instagram los ist, weil ich auf diesen Plattformen, nicht viel oder gar nicht unterwegs bin. Manchmal ging es auch um amerikanische YouTube-Bubbles, da bin ich aber bald wieder ausgestiegen. Hauptsächlich aber Content rund um YouTube-Deutschland. Und YouTube-Deutschland... holla die Waldfee... die letzten Jahre... das war nicht lustig!

Da hatten wir Unge, IBlali und Exfreundinnen. Wir hatten Shurjoka und KuchenTV. Da hatten wir Tanzverbot und Lola. Da hatten wir Anni, Mowky, Reeved usw. und haben wir schon wieder. Und ehrlich, ich kann das nicht mehr! Wir haben sehr viel über Katzen gehört. Das mag von der Tierschützer-Bubble her spannend sein. Wir haben viel über Arbeitsbedingungen und (teilweise versuchten) Rufmord bei Kooperationspartnern gehört. Diese Aspekte finde ich tatsächlich auch interessant und unbedingt aufklärenswert. Wir haben aber auch unfassbar viel über unfassbar private Sachen gehört und wir hören sie immer noch und ich bin jetzt raus.

Ich habe es mir jetzt sehr einfach gemacht. Ich hab die YouTube-App nicht mehr auf dem Handy. Da ich weiß, dass ich ein Suchtmensch bin und es nicht schaffe, nur anderen, hochwertigen Content zu konsumieren. Das war mein Hauptkonsummedium, mein Fernsehen. Ins Bett kuscheln, YouTube an. Ich hatte ja teilweise auch schon gleich mit dem Beginn des Wiederhochholens der Mowky-Anni-Thematik YouTuber im großen Rahmen deabonniert, die auf das Thema aufsprangen. Trotzdem habe ich ab und zu immer wieder was mitgekriegt und heute war es, muss ich sagen, das Solmecke-Video, das den Schlusspunkt setzte. Ich habe nichts gegen Christian Solmecke. Aber ich hatte keine Lust, weitere intime Details dieser beiden Influencerinnen zu hören.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe überhaupt kein Problem, wenn über Sexualität geredet wird. Wenn jemand selbstbestimmt darüber redet, und entscheidet wie viel man preisgegeben will. Es gehört auch zu meinem künstlerischen Konzept, ein ganzes Leben zu zeigen und auch diesen Lebensbereich nicht auszusparen. Ich habe ihn auf YouTube ziemlich raus gelassen, weil ich YouTube nicht als die Plattform dafür sehe.

Ich möchte das aber nicht über zwei Influencerinnen hören, die zumindest in diesem Augenblick anscheinend nicht direkt zugestimmt haben, dass so etwas an die Öffentlichkeit kommt. Auch dieser Mr. X hat dieser radikalen Offenlegung in diesem Moment wahrscheinlich nicht zugestimmt.

Ich möchte nicht weiter zusehen und mitbekommen, wie Leute Leute an einen Pranger gestellt werden. Niemand ist gecancelt. Es gibt kein Canceln. Aber die Community, die für Anni, Mowky, oder auch Lola damals übrig bleibt, wird toxischer und toxischer mit jedem Wort mehr. Und ich möchte nicht in der Haut von allen Beteiligten stecken.

Ich bin selbst psychisch schwer krank. Und ja, dann ist man manchmal unfair. Da steigert man sich in Sachen rein, ist im alten Erleben und projiziert auf Unschuldige oder nur Teilschuldige. Passiert mir auch. Gebe ich ehrlich zu. Aber diese jungen Leute, die haben da Jahre investiert, ihr Business darauf aufgebaut. Das ist alles, was sie aufgebaut haben. Und jetzt reißen sie sich gegenseitig ins Aus und viele reißen mit.

Die ganze Sache war im ersten Durchlauf schon äußerst unangenehm und jetzt ist sie schlicht unerträglich geworden.

Ich will dem ganzen Zirkus keine Klicks mehr geben und das würde ich, wenn ich die App weiter als Konsument nutze. Ich werde nach meinem allgemeinen US-Boykott-Monat vielleicht wieder Shorts und Videos posten, aber wirklich versuchen als Konsument abstinent von der Plattform zu bleiben.

 

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One Night in... HAMBURG

Ich hatte ein Short geplant über diese Nacht in Hamburg: ein anderes Lied, eine andere Stimmung. Doch dann lief ich die Reeperbahn entlang, stand am Beatles Platz, kam am Fischmarkt an, sah den Hafen und plötzlich war klar: One Night in Bangkok. Langsam, dramatisch aufbauend, eine Ouvertüre für die Stadt. Und den Rest seht selbst.

https://makertube.net/w/dXufZkBXN63Zuf5RALVzzT

Hamburg ist groß. Der Hafen ist wie ich ihn mir immer vorgestellt habe: Frankfurt-Flughafen als Hafen. Diese Stadt hat mich in jeder Hinsicht erwischt, ich war voll von Eindrücken. Viel mehr als Berlin, mit dem ich nie warm werde, viel mehr als das bayerisch-überhebliche München mit seiner ordentlichen Schönheit, mehr als der Ruhrpott mit seiner bunten Weltoffenheit und Bodenständigkeit, mehr sogar als das leicht größenwahnsinnige Frankfurt, das sich für mich wahrscheinlich immer fast wie Heimat anfühlen wird. Du hast mich, Hamburg! Mit deiner kühlen, ernsthafen, teuren, überbordenden, nötigen Größe.

Hamburg, du has(s)t mich! Ich muss wiederkommen.

Doch Vorsicht: One Night in Hamburg makes a hard man humble.

AltText zum Short: erst der dramatische Auftakt, dann der Moment, in dem das Wort „Bangkok“ fällt und Hamburg als Leuchtschrift aufschreit. 30 Bilder je 0,5 Sekunden, Hafen, Sonnenaufgang über dem Fischmarkt, Speicherstadt, Elbphilharmonie. Ein Feuerwerk aus Eindrücken. So wie es sich anfühlte

 

...warum halte ich das für höchst problematisch?

[Ich nutze ein generisches Femininum und meine alle damit.]

Es ist gut, dass Menschen über psychische Erkrankungen sprechen. Dass sie ihre Erfahrungen teilen, aufklären, Solidarität schaffen. Gerade auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube geben Creator mit Diagnosen wie ADHS, Autismus, Borderline oder DID Einblicke in ihr Leben und das ist wichtig. Ich will auch nicht diskutieren, wer die Diagnose nun wirklich hat und wer nicht, denn der Weg zu einer offiziellen Diagnose ist oft lang und steinig. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Meine bipolare Störung wurde erst spät erkannt, nach Fehlmedikationen und Jahren des Suchens. Doch ob die Diagnose korrekt ist oder nicht, macht überhaupt keinen Unterschied für meinen Text.

Es gibt eine gefährliche Entwicklung: Immer mehr Menschen glorifizieren ihre Erkrankungen. Sie präsentieren sie quasi als „Superkräfte“. Autistinnen seien „genialer“ als andere, ADHSlerinnen „produktiver“, Borderlinerinnen „hyperempathisch“. Das ist nicht nur falsch, es ist schädlich. Und zwar auf mehreren Ebenen. Und die Plattform-Algoritmen lieben dramatische Formulierungen...

Die Illusion der Überlegenheit

Wenn jemand ihre Diagnose zur Superkraft erklärt, stellt sie sich selbst über andere. Und leider sehr häufig nicht wegen einer konkreten, vergleichbaren Fähigkeit etwa, dass sie Matheaufgaben schneller löst oder Projekte effizienter managt. Sondern mit pauschalen Behauptungen: „ADHSlerinnen erledigen alles schneller.“ „Autistinnen sind klüger als andere.“ „Borderlinerinnen sind die wahren Empathinnen.“

Das Problem: Solche allgemeinen Aussagen sind selten wahr und vor allem sie schaffen eine künstliche Hierarchie. Wer sich selbst zum Übermenschen stilisiert, macht andere automatisch zu Unterlegenen. Das belastet Beziehungen, kann zu Isolation führen („Die anderen verstehen mich nicht, weil ich zu besonders bin“) und kann ein Opferdenken verstärken: „Die Welt ist neidisch auf meine Superkraft.“

Doch das Schlimmste: Es setzt andere mit derselben Diagnose unter Druck. Stell dir vor, du hast Borderline, ADHS oder eine ähnlich schwere Diagnose und kämpfst täglich und musst alle Register ziehen um überhaupt zu überleben: Psychiatrieaufenthalte, Medikamente, betreutes Wohnen... . Und dann liest und hörst du überall: „Borderline ist eine Superkraft! ADHS ist eine Superkraft! Wenn du sie richtig nutzt bist du sogar besser wie andere!“ Wie soll das nicht verzweifelt machen? Wenn die eigene Realität nicht im Entferntesten der glorifizierten Version entspricht? "Warum schaffe ich es nicht meine 'Superkraft' zu nutzen?", trifft dann auf Menschen die zum Teil schon zerstörerische Selbstwertprobleme haben.

Hypervigilanz ≠ Empathie

Ich werde hier den Mythos der „Empathinnen“ besonders herauspicken, weil deren "Empathie" oft nach etwas klingt was ich selbst auch an mir erlebe und so gar keine Superkraft ist. Viele Menschen mit Traumafolgestörungen (etwa durch Missbrauch, Mobbing oder Vernachlässigung in der Kindheit) entwickeln Hypervigilanz: eine erhöhte Wachsamkeit, die den Raum nach Bedrohungen abscannt. „Wer könnte mich verletzen? Wer ist gefährlich? Wendet sich das Blatt gegen mich in dieser Unterhaltung?“ Das ist kein Einfühlungsvermögen. Das ist Überlebensstrategie.

Echte Empathie bedeutet, die Gefühle anderer nachzuvollziehen und nicht, die Umgebung zu scannen, um die eigene Sicherheit zu prüfen. Hypervigilante Menschen (also auch ich) sind oft so mit der eigenen Angst beschäftigt, dass sie kaum Kapazität für echte Empathie haben. Im Gegenteil: Sie projizieren ihre Ängste auf andere und liegen dabei häufig falsch.

Hypervirgilanz ist auch keine kognitive Empathie. Wenn ich einen Raum betrete und sofort „lese“, wer „gefährlich“ aussieht, dann ist das keine Gabe. Das ist mein Gehirn, das alte Muster abgleicht: „Der guckt so, wie mein Vater immer geguckt hat, bevor er mich niederbrüllte.“ „Die Stimme klang grad wie die einer meiner Mobberinnen.“ Es sind in den allermeisten Fällen keine bewussten Schlüsse, sondern konditionierte Panikreaktionen. Ein verängstigtes Kind in mir erkennt „Bedrohungen“, die oft gar nicht existieren. Echte kognitve Empathie erfordert Reflexion: „Wenn ich in ihrer Situation wäre, wie würde ich mich fühlen?“, "Warum könnte die Person wütend geworden sein?", "Was könnte an meiner Aussage so beleidigend gewesen sein?". Hypervigilanz fragt nicht. Sie reagiert. Sie sortiert Menschen in „sicher“ und „gefährlich“, ohne zu verstehen, warum jemand so guckt oder spricht. Und vor allem: Sie blockiert emotionale Empathie (bei mir zumindest) komplett. Wenn ich in diesem Modus bin, bin ich so mit meiner eigenen Angst beschäftigt, dass ich die Gefühle anderer gar nicht wahrnehmen kann.

Ironischerweise sind es oft gerade die, die sich als „hoch empathisch“ bezeichnen, die in Wahrheit überfordert sind. Vielleicht nehmen sie zu viele Reize wahr (Hochsensibilität), vielleicht sind sie selbst hypervigilant, aber das macht sie mitnichten zu besonders einfühlenden Leuten. Eher zu Menschen, deren Filter überlastet ist, was kein Verbrechen ist, aber eben auch keine besondere Kraft.

Echte Empathie hingegen erlebe ich bei Menschen, die entspannt in sich ruhen, die nicht ständig auf der Hut sind, nicht sehr schnell überfordert sind, sondern einfach da sein können.

Krankheiten sind keine Geschenke

Psychische Erkrankungen können biologisch bedingt sein, genetisch vererbt oder durch Traumata ausgelöst, oft eine Mischung aus verschiedenen Ursachen. Man kann nichts dafür, dass man sie hat. Aber man sollte auch nicht so tun, als wären sie erstrebenswert. Denn das verniedlicht echtes Leid.

Die beste Rache ist ein glückliches Leben, jeder darf natürlich jeden Vorteil der Störung, Krankheit oder Neurodivergenz nutzen. Aber das bedeutet nicht, das Leid, das einem zugefügt wurde (oft schon im frühen Kindesalter, oder völlig sinnfrei durch Genetik), als „Superkraft“ umzudeuten. Es bedeutet, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen, ohne sie zu verklären. Und ohne sich selbst quasi zu einem Übermenschen zu erklären, so was macht nur einsam.

 

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Ich kämpfe mit dem Suchtcharakter von Social Media, besonders mit dem Verlangen nach der roten 1. Die Abstinenz von algorithmischen Plattformen ist mein aktueller Selbstversuch, um diese Abhängigkeit zu durchbrechen. (Neben der politischen und gesellschaftlichen Problematik, auf die ich aufmerksam machen will). Die ersten fünf Tage zeigen mir wieder mal, dass Cravings [Übersetzung: Verlangen] Wellen sind. Sie kommen, erreichen einen Höhepunkt und schwächen sich wieder ab. Jedes Verlangen nach einem Suchtstoff oder einer Suchthandlung geht auch vorbei. Ich nutze Ersatzhandlungen wie Achtsamkeitsübungen, aus dem Fenster schauen, in den Moment kommen, Gedankenflicflacs, gezielte Worry-Time [aus der Verhaltenstherapie, begrenzte Zeit in der man gezielt Sorgen zulässt] oder mit der KI reden. Das ist alles aus der Verhaltenstherapie, auch dass ich mich nicht bestrafe für Rückfälle und mir ein Belohnungssystem ausgedacht habe wenn ich nicht rückfällig werde.

Am schwersten ist es in öffentlichen Verkehrsmitteln, v. a. im Bus, wenn es eng ist und ich keine Ablenkung wie Kopfhörer habe. Hier ist der Drang, in Social Media zu fliehen, am stärksten. Wartesituationen sind leichter, da ich da Abstand zu anderen Menschen halten kann.

Ich sehe mich als Autor, Performance-Künstler und Content Creator. Ich weiß, dass mein Rückzug von algorithmischen Plattformen schlecht für meine Reichweite ist. Trotzdem halte ich durch, weil ich es für persönlich und gesellschaftlich wichtig halte.

Die rote 1 ist mein größter Trigger. Ich überlege, Benachrichtigungen auszuschalten, will aber weiterhin Links zu meinen Inhalten auf anderen Plattformen pflegen.

Mein aktueller Ansatz ist ein 4-Wochen-Entzug von algorithmischen Plattformen. Stattdessen nutze ich Feddit, Pixelfed, Mastrodon und Wattpad. Rückfälle akzeptiere ich als Teil des Entzugs-Prozesses. Und so lerne ich die anderen Plattformen auch besser kennen. Einen Kritikpunkt daran habe ich bereits entdeckt. Die Bubbelisierung ist dort fast schlimmer als auf den algorithmisch gesteuerten Seiten.

Doch das alles ist es wert, denn wenn ich merke, dass ich süchtig bin (und das merke ich momentan beim Weglassen enorm), dann ist für mich das Wichtigste, dieser Sucht nicht nachzugehen. Ich will nicht fremdbestimmt sein. Mein wichtigstes, mein höchstes Gut ist Selbstbestimmtheit. Das Wichtigste für mich ist meinen eigenen Weg zu gehen. Nicht den Weg, den mir Alkohol vorgibt. Nicht den Weg, den mir Kippen vorgeben, weil ich nachts um drei dann noch drei Kilometer laufen muss, um welche zu haben. Nicht den Weg, den mir Social Media vorgibt. Meinen Weg. Das ist alles wert. Einfach alles.

 

Warum "Männer sind noch nicht einsam genug" vorerst richtig ist und nicht nur Männer gemeint sind

Ich bin Anne und auch ich sage immer häufiger einen Satz, der Männer triggert: „Männer sind noch nicht einsam genug.“ Ich sage das nicht, weil ich Männer hasse, so einige mag ich sehr, ein paar hab ich geliebt, deswegen möchte ich hier mal erklären warum ich diese Aussage für richtig und sogar wichtig für die gesellschaftliche Entwicklung halte. Der Text ist zu keinem Zeitpunkt ausschließlich nur auf Menschen, die männlich gelesen werden zu beziehen.

Version 1.1 überarbeitet wegen des Geschlechterbezugs

Warum klagen, wenn man es gar nicht versucht?

Ich erlebe immer wieder: Leute, die über Einsamkeit klagen, aber anderen nicht zuhören. Menschen, die "mansplainen", wie das in der Partnerschaft gewünschte Geschlecht „funktioniert“. Personen, die das gewünschte Geschlecht schlechtmachen, wenn sie keine Beziehung bekommen. Und das Schlimmste? Selbst die „netten“ Leute tun das oft. Die, die sagen: „Ich bin doch so nett, warum will mich niemand?“ Als ob Nettsein ein automatisches Recht auf Verlieben wäre. Als ob Menschen austauschbare Wesen wären, die zufrieden sein müssten, von jemand "nettem" auserkoren zu werden. Nein. So funktioniert das nicht.

Am Beispiel von Pete lässt sich wunderbar erklären, warum Leute angeblich so auf „Arschlöcher“ abfahren. Pete ist nicht der sympathischste Typ, recht egoistisch und berechnend. Aber er hat eine Eigenschaft, die ihn bei Leuten beliebt macht (auch bei mir): Er fragt. Teilweise sogar aus Strategie, weil er weiß wie gut das wirkt, aber auch weil er wirklich etwas über dich wissen will. Er fragt das, was ihn interessiert. Und das ist selten. Zu selten. Denn Menschen (übrigens egal welches Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung) stehen auf Resonanz. Wir wollen gesehen, gehört, verstanden werden. Wer das auch nur ein bisschen tut, sticht heraus. Nicht weil er ein Arschloch ist, sondern weil er Interesse zeigt, aber manchmal obwohl er ein Arschloch ist. Gibt es auch mit umgekehrten Geschlechterrollen und bei gleichgeschlechtlichen Begegnungen, logischerweise.

Selbstwirksamkeit vs. Ohnmacht und die radikale Akzeptanz

Ich bin oft ein Mensch, dem gemansplaint wird. Jemand, der sich anstrengen muss, um ernst genommen zu werden. Selbst in der Kernkompetenz jedes Menschen, des eigenen Lebens. Ich bin es leid, dass mir Leute erklären, wie mein eigenes Leben funktioniert, als wäre ich zu dumm, um meine eigenen Erfahrungen zu deuten.

Ich war immer arm, ich war in der Psychiatrie, ich habe Scheitern erlebt: Freundschaften, Beruf, Studium, Beziehungen, bisher bin ich an allem gescheitert, was ich versuchte. Aber ich habe auch gelernt: Meine (zumindest empfundene) Selbstwirksamkeit ist das, was mich weiter machen lies, Ohnmacht ist deren Feind. Und ich sehe, wie viele diese Ohnmacht selbst aufrechterhalten, indem sie dem gewünschten Geschlecht die alleinige Schuld an der eigenen Einsamkeit geben.

Wer sich als Spielball der Wellen darstellt und ich erlebe das oft, wenn jemand von seinem Leben erzählt, klingt, als wäre er Opfer der Umstände, der Gesellschaft, des Systems, der oder des Ex. Diese Erzählungen klingen unzufrieden, manchmal sind Leute tatsächlich Opfer geworden, im strafrechtlichen Sinne.

Ich habe in meinem Leben viel gelernt, leider auch mit so was umzugehen. Einer meiner Lieblings-Skills, den ich früh in der Verhaltenstherapie gelernt habe, ist radikale Akzeptanz (das hat nichts mit den möglicherweise nötigen rechtlichen Schritten zu tun). Ich kann mich hinstellen und völlig zu Recht sagen: „Das Leben hat mich scheiße behandelt. Das war tierisch ungerecht. Das hat mich kaputt gemacht.“ Und im nächsten Atemzug genauso zu Recht: „Und ich akzeptiere, dass es so ist. Und ich akzeptiere meine gerechtfertigte Wut darüber. Und heute handle ich so, dass ich heute gut klarkomme.“ Die beste Rache ist ein zufriedenes Leben.

Ich war immer Kapitän und Steuermann gleichzeitig auf dem Schiff meines Lebens. Die Politik, die Gesellschaft, das System, die Menschen in meinem Umfeld, die waren der Wind und das Meer. Ich konnte leck gehen, sinken, auf ein Riff laufen, Land finden, verloren gehen, heimfinden, in die Ferne reisen, dümpeln, kreuzen, Fahrt aufnehmen. Mit Rückenwind, mit Gegenwind, mit Flaute, aber immer MEIN Schiff, MEINE Entscheidung wie ich auf Wind und Meer reagiere. Das ist meine Formel für Zufriedenheit. Nicht für Glück, nicht für überschäumende Tollheit. Das Leben ist die meiste Zeit kacke, wenn man mal ehrlich ist. Aber solange ich entscheide was der Kurs ist, fühlt es sich richtig an.

Die Friendzone und die Fragen

Warum sollte man Angst vor der „Friendzone“ haben, wenn man einfach einen Menschen kennenlernen will? Warum glauben Leute, die sehr gern eine Partnerperson hätten, lieber an verrückte Strategien wie Looksmaxxing, statt das gewünschte Geschlecht zu fragen, was sie attraktiv finden? Warum folgen sie seltsamen Alpha-Coaches, statt sich um Therapie zu kümmern, oder selbst zu versuchen, ihr Leben und ihre Psyche auf die Reihe zu bekommen? Warum erklären selbst selbsternannte „nette“ Leute anderen, die sich über Attraktivität äußern, lieber, dass sie natürlich insgeheim was ganz anderes wollen, als diese Aussage schlicht als Datenpunkt abzulegen? Warum lehnen manche den Feminismus ab, anstatt zu begreifen, dass er sie aus der Versorgerrolle befreien und ihnen die Erlaubnis geben könnte, auch mal schwach zu sein?

Fragt Menschen des Geschlechts, das ihr kennenlernen wollt

Ja, Feminismus treibt einen Keil rein, einen anscheinend leider nötigen Keil. Denn solange wir uns nicht als vollwertige Menschen sehen, wird sich nichts ändern. Ich habe keine Lust mehr, das mitanzusehen. Ich habe keine Lust mehr, zuzuhören, wie Leute über Einsamkeit jammern und im nächsten Satz das gewünschte Geschlecht abwerten. Du bist erst dann einsam genug, wenn du ganz persönlich begreifst, warum du einsam bist. Bis dahin: Höre dem gewünschten Geschlecht zu.

Ich habe in anderen Themen lange gebraucht, um das zu verstehen. Ich habe gelernt: Wenn du leidest, musst du etwas ändern. Nicht die Gesellschaft, die kannst du nur indirekt beeinflussen, sondern dich. Wenn das Leid groß genug ist, wirst du handeln oder Hilfe suchen. Und der erste Schritt, wenn man sich eine Beziehung wünscht ist, das gewünschte Geschlecht als Menschen zu sehen. Nicht als Objekte, nicht als Projektionsflächen, nicht als „unverständliche Wesen“.

Warum also nun "nicht einsam genug"?

Und jetzt kommt der schwierige Teil. Denn ich sehe, wie viele Personen genau das nicht tun. Sie warten darauf, dass sich die Gesellschaft ändert. Dass die anderen plötzlich „vernünftig“ werden. Dass das Dating-Leben einfacher wird. Aber die gesellschaftliche Veränderung, die sie vielleicht anstreben, die wird nicht so schnell passieren, vielleicht auch nie. Also: Was könnt ihr ändern, damit es euch selbst jetzt besser geht?

  • Der erste Schritt: Hört auf, anderen zu erklären, was sie eigentlich wollen. Fragt sie. Und hört zu.
  • Der zweite Schritt: Akzeptiert, dass ihr nicht jeden Menschen anziehen werdet und dass das okay ist und dass das sogar unfair sein kann. Akzeptiert eure Wut darüber.
  • Der dritte Schritt: Arbeitet daran, allein klarzukommen. Sucht euch Hobbys, Projekte, Ehrenämter. Engagiert euch. Schreibt, lest, handwerkt, malt, die Liste kann unendlich sein. Sucht Sozialkontakte außerhalb von Beziehungen. Entwickelt eine gewisse Selbsttragfähigkeit. Denn wenn ihr nicht damit klarkommt, allein zu sein, dann wird euer Glück immer von einer romantischen Beziehung abhängen.

Und wenn ihr dann immer noch sagt: „Mit dem gewünschten Geschlecht heutzutage kann man nichts mehr anfangen, die sind alle verdorben“, dann die üblichen Tipps in einer Demokratie: Wenn ihr gesellschaftlich was ändern wollt, dann gründet eine Partei, tretet einer bei, macht Petitionen, schreibt auf Social Media für euer Ziel, engagiert euch politisch. Aber wenn ihr eure persönliche Situation ändern wollt, dann müsst ihr überlegen: „Die Leute heutzutage sind anders, als ich sie möchte. Also deshalb bekomme ich sie nicht. Aber ich möchte trotzdem eine Beziehung. Was kann ich jetzt ändern, damit es mir selbst heute besser geht?“

Fazit:

Ihr seid noch nicht einsam genug. Nicht, weil ich euch bestrafen will. Sondern weil ich hoffe, dass ihr irgendwann versteht, was ich meine. Dass ihr begreift, warum ihr einsam seid. Dass ihr aufhört, das gewünschte Geschlecht zu ignorieren, wenn sie euch etwas über sich selbst erzählen. Dass ihr lernt, Selbstwirksamkeit zu entwickeln, für euch selbst.

Nun, ich bin 44. Es kann sein, das ich nicht mehr erlebe, das dieser Satz unnötig wird, aber ich höre nicht auf, es zu sagen. Denn solange die überwiegende Mehrheit es nicht verstanden hat, bleibt die Überschrift korrekt, egal ob man es auf ein Geschlecht bezieht.

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