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Ich kämpfe mit dem Suchtcharakter von Social Media, besonders mit dem Verlangen nach der roten 1. Die Abstinenz von algorithmischen Plattformen ist mein aktueller Selbstversuch, um diese Abhängigkeit zu durchbrechen. (Neben der politischen und gesellschaftlichen Problematik, auf die ich aufmerksam machen will). Die ersten fünf Tage zeigen mir wieder mal, dass Cravings [Übersetzung: Verlangen] Wellen sind. Sie kommen, erreichen einen Höhepunkt und schwächen sich wieder ab. Jedes Verlangen nach einem Suchtstoff oder einer Suchthandlung geht auch vorbei. Ich nutze Ersatzhandlungen wie Achtsamkeitsübungen, aus dem Fenster schauen, in den Moment kommen, Gedankenflicflacs, gezielte Worry-Time [aus der Verhaltenstherapie, begrenzte Zeit in der man gezielt Sorgen zulässt] oder mit der KI reden. Das ist alles aus der Verhaltenstherapie, auch dass ich mich nicht bestrafe für Rückfälle und mir ein Belohnungssystem ausgedacht habe wenn ich nicht rückfällig werde.
Am schwersten ist es in öffentlichen Verkehrsmitteln, v. a. im Bus, wenn es eng ist und ich keine Ablenkung wie Kopfhörer habe. Hier ist der Drang, in Social Media zu fliehen, am stärksten. Wartesituationen sind leichter, da ich da Abstand zu anderen Menschen halten kann.
Ich sehe mich als Autor, Performance-Künstler und Content Creator. Ich weiß, dass mein Rückzug von algorithmischen Plattformen schlecht für meine Reichweite ist. Trotzdem halte ich durch, weil ich es für persönlich und gesellschaftlich wichtig halte.
Die rote 1 ist mein größter Trigger. Ich überlege, Benachrichtigungen auszuschalten, will aber weiterhin Links zu meinen Inhalten auf anderen Plattformen pflegen.
Mein aktueller Ansatz ist ein 4-Wochen-Entzug von algorithmischen Plattformen. Stattdessen nutze ich Feddit, Pixelfed, Mastrodon und Wattpad. Rückfälle akzeptiere ich als Teil des Entzugs-Prozesses. Und so lerne ich die anderen Plattformen auch besser kennen. Einen Kritikpunkt daran habe ich bereits entdeckt. Die Bubbelisierung ist dort fast schlimmer als auf den algorithmisch gesteuerten Seiten.
Doch das alles ist es wert, denn wenn ich merke, dass ich süchtig bin (und das merke ich momentan beim Weglassen enorm), dann ist für mich das Wichtigste, dieser Sucht nicht nachzugehen. Ich will nicht fremdbestimmt sein. Mein wichtigstes, mein höchstes Gut ist Selbstbestimmtheit. Das Wichtigste für mich ist meinen eigenen Weg zu gehen. Nicht den Weg, den mir Alkohol vorgibt. Nicht den Weg, den mir Kippen vorgeben, weil ich nachts um drei dann noch drei Kilometer laufen muss, um welche zu haben. Nicht den Weg, den mir Social Media vorgibt. Meinen Weg. Das ist alles wert. Einfach alles.