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Das sind bei Licht betrachtet lächerlich geringe Entfernungen, die man ~~ganz~~ (edit) oft noch recht mühelos auch ohne Auto zurücklegen kann.
Ich zum Bespiel fahre ca alle vier Wochen im ICE die Strecke München-Berlin, um meine Eltern oder andere Verwandte zu besuchen. Das sind 590 Kilometer, bei 12 Reisen im Jahr schon etwas über 13000 Kilometer. Vielleicht auch mal nur 11000.
Zur Arbeit fahre ich an 250 Tagen im Jahr, meist mit dem Rad, sonst - vor allem bei sehr schlechtem Wetter - mit der S-Bahn. (Ich bevorzuge das Rad, weil es gesünder ist, es ist aber von Tür zu Tür auch ein bisschen schneller.) Einfache Fahrt 14 Kilometer, das sind im Jahr dann noch mal 7000 Kilometer. Halt, ich kann normalerweise 1 Tag pro Woche Home Office machen, also 5600 Kilometer.
Die Freizeitbeschäftigungen und den Urlaub lasse ich mal weg (auch das geht prima mit dem Zug).
Ich bin also ziemlich genauso weit unterwegs wie der durchschnittliche Autofahrer, ohne überhaupt ein Auto zu haben oder zu brauchen. Im Durchschnitt sind aber auch eben die Leute enthalten, die im Aussendienst z.B. Spezialmaschinen verkaufen und jeden Monat zehntausend Kilometer und mehr zurück legen. D. h. schon der Median wird deutlich darunter liegen.
Nun ist natürlich klar, dass der typische Landbewohner, der jede Woche von Oberammergau nach Warschau oder Belgrad pendelt, um Spargel zu stechen, oder die berühmte alleinstehende, alleinerziehende, einbeinige Krankenschwester mit drei Kindern, die in der sächsischen Provinz lebt, längere Entfernungen zurück legen. Härtefälle gibt's, keine Frage. Diesen so gar nicht privilegierten Leuten würde ich nicht das harte Leben noch schwerer machen wollen. Aber, ganz ehrlich - die autozentrierte Infrastruktur existiert nicht als Wohlfühlveranstaltung für Härtefälle (sondern als Wohlfühlveranstaltung für Autofirmen).
Ich weiß natürlich, dass nicht jede/r Lust haben wird, 40 oder 50 Minuten mit dem Rad zur Arbeit zu pendeln. Besonders wenn es ungewohnt ist. Genau auf die Bequemlichkeit zielt die Werbung fürs Auto ja ab. Aber wenn man es mal ganz nüchtern betrachtet und die süße Droge aus Benzingeruch und morgendlichen Stauwarnungen weg lässt: Wer es körperlich und gesundheitlich schafft, am Wochenende mal ganz entspannt zwei Stunden zu wandern, dürfte es auch am Montag schaffen, eine halbe Stunde Rad zu fahren. Und diese zehn Kilometer oder weniger machen erwiesenermaßen die Mehrzahl aller Autofahrten aus.
Völlig absurd wird es, wenn man über die Kosten nachdenkt. Für meine Fahrten mit dem ICE Sprinter nach Berlin gebe ich ca. 100 Euro pro Monat aus. Fürs Deutschlandticket 58 Euro. Mein Tourenrad habe ich als Ausstellungsfahrzeug vor 10 Jahren für 1300 Euro gekauft und hatte jetzt nach 10 Jahren eine grössere Reparatur, bei der für 380 Euro die Shimano Alfine samt Felge ersetzt wurde. Bei dem was Leute fürs Auto ausgeben, kann ich nur den Kopf schütteln.
Denn letztlich: Ein Privatauto, dass man nicht zum Pendeln für wirklich nennenswerte Strecken, oder mehrmals die Woche für grössere Entfernungen benötigt, kann einfach nicht wirtschaftlich sein - dafür sind die Fixkosten zu hoch.
Ich würde mir wünschen, dass Zugpreise für Familien auch so erschwinglich wären wie für Alleinstehende. Die Strecke Wien-Stuttgart und retour (fahren wir öfters wegen Verwandten) kostet mal eben €500 für zwei Erwachsene und zwei Kinder und braucht 11-12h.
Mit dem Auto sind es meist unter 7h und €150 Sprit. Klar kommt da bisserl Abnutzung dazu, aber Wertverfall durch Alter, Steuer und Versicherung zahlt man egal ob man fährt.
Gerade für Familien ist die Bahn leider preislich echt schlecht aufgestellt, und wenn man nicht gerade eine von den perfekten ICE-Direktlinen braucht wird's schwerer.
Wobei es schon etwas einfach gedacht ist, wenn man annimmt, dass alle mit PKW zurückgelegten Kilometer so ÖPNV-freundlich seien wie München-Berlin. Wenn du 13000 Kilometer zwischen irgendwelchen Dörfern oder Kleinstädten hin- und herpendelst wird die Diskrepanz halt leider riesig. Da werden zwei Stunden Auto auch schnell mal zu zwölf++ Stunden Bus mit zich Umstiegen.
Mal ein kleines (reales) Beispiel:
Für gesunde Leute mit überschaubaren Distanzen und ohne großen Transportbedarf ist Fahrrad perfekt. In und zwischen Städten ÖPNV ebenso. Aber die Lebensrealität vieler Menschen ist eben eine andere und das kann man auch nicht einfach von heute auf morgen umstellen. Und da sehe ich die E-Mobilität aktuell als einzige gangbare Lösung. In 10-20 Jahren sieht die Welt dann aber vielleicht auch wieder anders aus.
Nur noch speziell zum Punkt "Transportbedarf": Mit stabilen Packtaschen (Vaude) und Rucksack kann ich auf dem Rad bequem 18 oder 20 Kilo Einkäufe transportieren. Das ist für unseren 2-Personen-Haushalt meist schon mehr als genug. Mit einem stabilen faltbaren Anhänger (https://hinterher.com/) können wir problemlos 50 Kilo zusätzlich, oder 4 Kästen Bier transportieren. Ein Lastenrad mit 400 Kilo könnten wir vom lokalen ADFC leihen - haben wir bisher noch nicht gebraucht. Ganz große Sachen wie ein Sofa lassen wir halt liefern. Ein Großraumtaxi hab ich auch schon mal benutzt... vor 11 Jahren.
Das ist halt wieder so ein Werbetrick der Autoindustrie, man brauche ein Fahrzeug für alle Lebenslagen. Was zum absurden amerikanischen Lebensstil führt, mit dem spritfressenden Pick-Up zur Arbeit zu pendeln. Aber praktischer ist doch: Wenn man umzieht, bucht man einen Möbelwagen. Und wenn man fix ins Krankenhaus muss, gibt es einen Krankenwagen.
Ich verstehe deine Argumente, aber es ist schon arg schön gerechnet.
Du vergisst halt den entscheidenden Faktor, der ein Auto gut macht: Zeit. Ich mache zB einen Wocheneinkauf für einen 4-Personenhaushalt und kaufe einmal im Monat Getränke für diesen ein (Kombi ist dann komplett voll). Mit dem Rad wäre ich da 4-5 mal so häufig unterwegs. Diese Zeit habe ich nicht.
Zur Arbeit fahren ich regelmäßig (ausser Winter) mit dem Rad über 42 Minuten eine Strecke. Da ist Zeit auch der entscheidende Faktor für mich: Sie ist planbar und konstant 40-45 Minuten. Mit dem Auto ist es 20-120 Minuten je nach Verkehrs-, Unfall- und Baustellenlage.
Wir haben auch so ein Stehzeug als Zweitwagen. Schon überlegt, ob wir den verkaufen. Er hat sogar mal Moos angesetzt. Aber letztendlich ist der Wagen so spottbillig im Unterhalt, dass es finanziell kein Gewinn ist. 15 Jahre alter Kleinwagen. Die Möglichkeit bei Bedarf einen zweiten Wagen zu haben, übersteigt als Vorteil. Also so 2-5x im Monat. Purer Luxus ich weiß. Zeit ist für mich wertvoll.
Ich denke da gibt's mehrere Effekte. Einer ist, dass man sich ohne Auto etwas anders organisiert. Z.B. macht man dann den Wocheneinkauf für vier Personen vielleicht mit eBike und Anhänger, und lässt sich die Geränke liefern. Oder man nimmt Sprudler statt Mineralwasserkästen. Oder nutzt ein Lastenrad. Tendenziell mache ich bei Einkäufen eher häufigere kleinere Ladungen. Umgekehrt bei Langstrecken wie Besuchen eher etwas seltenere aber dafür längere Besuche. Ebenso bei Reisen. Ich mache auch mit Fernzug oder Fahrrad so gut wie keine Wege, wo ich länger hin und zurück unterwegs bin als ich Zeit am Zielort habe.
Das Zweite ist, dass man mit dem Auto automatisch, weil es schneller ist, um so längere Wege zurück legt. Das passiert unbewusst und Gewohnheit ist ein massiver Faktor. Unterm Strich spart man deswegen keine Zeit. Ein radfahrender Bewohner von Amsterdam oder Kopenhagen wird nicht mehr Zeit mit täglichen Wegen verbringen als ein autofahrender Bewohner von Los Angeles. Eher viel weniger, weil es extrem lange Wege, massive Staus, und keine Alternative zum Auto gibt. In deutschen Städten, wo beides geht, ist das eher so wie in Kopenhagen; wenn man ständig länger mit dem Auto bräuchte, würden die Autonutzer halt Öffis fahren. Auch in München ist das so - auf dem Mittlerem Ring kommt man nicht schneller voran als mit der S-Bahn, und das Fahrrad ist auf kprzere Entfernungen oft etwas schneller als Letztere. (Ich rede nicht von Situationen wo es schlicht überhaupt nicht geht, weil z.B. als Folge der vom Auto ausgelösten Zersiedlung gar keine Geschäfte mehr in Fahrradentfernung sind.)
Die mittlere Zeit für tägliche Wege ist ca. eineinhalb Stunden am Tag - unabhängig von Verkehrsmitteln und Kulturkreis, seit dem Neolithikum! Man nennt das die Marchetti-Konstante. Mehr zu diesem Zusammenhang vom Verkehrswissenschaftler Rudolf Pfleiderer in seinem Artikel "Das Phänomen Verkehr". Die autozentrische Verkehrsplanung ignoriert den Zusammenhang, denn würde man ihn berücksichtigen, bräuchte man weniger Autos.
Dazu kommt halt noch, dass ein Auto Geld kostet. Und dieses Geld muss erst mal verdient werden und das kostet zusätzlich Zeit. Das wird in der Regel stark unterschätzt.
Joa. Ich komme vom Land, und ärgerlicherweise haben wir da auch noch Berge. Du brauchst leider ein Auto, wenn du:
Jetzt wohn ich in einer größeren Stadt, und mache alles mit Fahrrad und ÖPNV. Das ist leider der Unterschied, und ich seh auch ein, dass für statistisch 0.4269 Passagiere kein Bus fährt.
Aber wenn man dauernd in die Stadt muss und ständig weite Strecken unterwegs ist - wohnt man dann wirklich noch "auf dem Land", oder nicht eher in einer Art Suburbia, mehr oder weniger im Lebensstil des "Americsn Way of Life", der ohne Auto halt nicht geht und der niemals nachhaltig sein wird?
Ich bestreite ja nicht, dass es Lebensstile gibt, die ökologisch nicht tragbar sind...
Fair point. Dörfer überaltern ja jetzt schon, ich denke, die Landflucht geht so weiter. Das wird wahrscheinlich recht große Landstriche treffen. Klar, außer Bauern und den paar Arbeitnehmern von lokalen Betrieben muss da keiner wohnen.
Bisher trägt vor allem noch Trägheit, a la "dat ham wa schon immer so gemacht".
Was heißt hier reales Beispiel, was für ein Szenario ist das? Selbst mit dem Auto wären das ja noch 6h, du willst vermutlich auch wieder zurück, oder hast du das da eingeplant? Und selbst auf 3h Auto fahren hätte ich zum täglichen Pendeln keine Lust. Abgesehen davon kann man auch unterschiedliche Transportmittel kombinieren, z.B. mit dem Fahrrad oder Auto (wenn es unbedingt sein muss) zu einem besser angebundenen Bahnhof fahren.
War kein Pendeln zum Arbeitsort, sondern der Besuch bei einem Freund mit Übernachtung. Beide Parteien wohnen ländlich.
Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland lebt in Städten und Verdichtungsräumen. Die wirklich abgelegen wohnende Landbevölkerung ist real eine kleine Minderheit.
Das verlangt ja auch keiner, dass die Leute die noch keinen akzeptablen ÖPNV haben, sich umstellen sollen.
Nur: Warum passiert da nichts? Warum wird da nichts gemacht, um die Anbindung weiter draußen zu verbessern?
Wir haben eine alternde Gesellschaft. Ein wachsender Teil unserer Senioren können und dürfen nicht mehr Auto fahren. Was passiert mit denen?
Das gerade ist ja auch ein Riesenproblem!
Gerade auf dem Land leben viele Ältere, während viele Jüngere wegziehen (ich zum Beispiel).
Das mit dem ÖPNV ist ein Henne-Ei-Problem: wenn er gut ist, wird er benutzt, wenn er benutzt wird, wird investiert, und andersrum.
Wenn ich also bei mir in der Heimat leere Busse sehe, dann wundert mich nicht, dass die Stadt die Buslinien nicht ausbaut.
Das mit dem Dürfen ist leider so eine Sache, die tatsächlich anders läuft. Für Führerscheine der Klasse B gibt es keinen Kontrollmechanismus, der sicherstellt, dass die Leute, die den haben, auch noch fahrtüchtig sind.
Das Problem ist halt, dass sie nicht dürfen, weil sie nicht mehr können, mit den entsprechenden bösen Resultaten. Ich kenne jemand in der Verwandtschaft, der unter solchen Umständen den Führerschein abgeben und auch umziehen musste, und für den es eine echte Entlastung ist, nun in einem Ort mit gutem ÖPNV zu leben wo es ohne Auto gut geht.
Das mit dem Umziehen kann man auch nur machen, wenn man nicht auf sein unmittelbares soziales Umfeld angewiesen ist. (Oder wenn das benötigte soziale Umfeld mobil genug ist und genug Zeit hat, um einem dann hinterherzufahren) Denn das soziale Umfeld verliert man dadurch.
Das ist eine Mähr, die sich im städtisch-akademischen Milieu unterhinterfragt hält. Es stimmt einfach nicht.
Maximal um die 30-40% leben in großen Ballungsgebieten mit entsprechend gutem ÖPNV. Das ist nicht die Mehrheit.
Ca. 30-40% leben in Kleinstädten, die eben keinen nennenswerten ÖPNV haben.
Und natürlich gibt’s noch die Leute auf dem platten Land, die bei den Kühen und so.
Ich hatte mir in einem anderen Thread mal die Mühe gemacht, dass anhand von statistischen Daten auszurechnen, finde den Thread aber nicht mehr. Meine Zeitleiste in der App ist begrenzt. Falls du magst schau mal bei meinen Kommentaren - es war auch irgendwas mit Rad-Mobilität.
Kleinstädte mit z.B. 10000 Einwohnern liegen in Deutschland, auch wo sie verwaltungsmäßig getrennt sind, sehr oft im Umkreis von Großstädten, und haben da auch ÖPNV. Wobei die Strukturen in Ostdeutschland etwas anders sind - das ist tendenziell ländlicher.
Ja, das Thema „was gehört zum Ballungsraum und was nicht“ hatten wir dort auch erörtert. Es gibt bei Statista eine gute Definition dazu mit Pendlerverkehr etc. Spoiler: Es ist weniger Pendlerverkehr als du denkst. D.h. ein Großteil der Mobilität passiert innerhalb der Kleinstädte, die keinen guten ÖPNV in ihrem Kreis haben. Denn ein S-Bahnschluss zur Großstadt interessiert die 75% Nicht-Pendler eben genau Null.
Edit: Beitrag gefunden https://feddit.org/post/20701161 und weisst du was noch? Die Diskussion war mit dir. Unverbesserlich trotz Faktenlage an falschen Thesen hängend.
Hier gibt es ein bisschen Statistik dazu, die auch den ländlichen Raum einbezieht:
https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/erreichbarkeit-zentrale-orte.html
Mit einem gut ausgebauten ÖPNV wäre das gar kein Problem. Und dass der entfernt von den Ballungsgebieten nicht gut genug ist, ist gar keine Frage.
Aber, andererseits, 20 Minuten Fahrtzeit mit dem PKW sind bei einer mittleren Reisegeschwindigkeit von 60 km/h auch nicht mehr als ca. 20 Kilometer. Das kann man mit einem Ebike unter umständen noch schaffen, in ca. einer Stunde. Aber ein minimales Nahverkehrsnetz muss da schon irgendwie her. Mit einem etwas dichteren Busnetz sollte das zu schaffen sein. Wenn Länder in Mittel- und Südamerika das können, warum sollte Deutschland - eines der reichsten Industrieländer der Welt, wirtschaftlich stärkstes Land der EU, einem Staatenbund von Industriestaaten, und das am dichtesten besiedelte Land Europas - das nicht können?
Und zurück zur Statistik: Laut der Karte unter dem Link ist die Fahrzeit zum nächsten Mittel- oder Oberzentrum in ca. der Hälfte der Orte in Süd- und Westdeutschland mit dem Auto unter 10 Minuten. Bei realistischen 60 km/h Reisegeschwindigkeit sind das gerade mal 10 Kilometer, also maximal eine halbe Stunde mit dem eBike. Warum sollte das für diese Orte nicht zu machen sein??
Ich widerspreche lediglich deiner Aussage "ich fahre problemlos 13.000 km pro Jahr mit ÖPNV, also kann jeder, der 13.000 km pro Jahr E-Auto fährt, auf ÖPNV umsteigen". Das ist zumindest, wie ich deinen Beitrag oben interpretiert habe.
Freue mich, wenn mehr Leute ihre Fahrzeuge abschaffen und ÖPNV+ Fahrrad ausgebaut wird.
Nun, dass das jeder kann, habe ich nicht geschrieben, und auch nicht gemeint. Was ich sagen will sind im Wesentlichen zwei Dinge:
Woraus sich dann einmal mehr die Frage stellt, ob wirklich überhaupt so viele Autos benötigt werden.
Ich denke, die Frage, ob so viele Autos benötigt werden kann man ziemlich klar mit Nein beantworten. Die meiste Zeit stehen die Dinger nur dumm rum und nehmen Platz weg. Sharing-Konzepte gibt es leider noch fast gar nicht bzw. wenn dann hauptsächlich dort, wo auch der ÖPNV funktioniert. Ob das von einer signifikanten Masse angenommen werden würde, kann ich nicht einschätzen. Denke aber politisch sind "weniger Autos" auch einfach nicht gewollt, leider.
Ich hab auch mal in so einem Kaff in Ostwestfalen gearbeitet, wo nach 19 Uhr und am Wochenende kein Bus mehr fuhr.
Lösung war, ganz einfach: In die nächste kleinere Stadt ziehen. Von da 9 Kilometer mit dem Rad zur Arbeit. Und am Wohnort fußläufige Entfernungen plus einen IC und Regionalbahnhof.
Langfristig wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass mehr oder weniger alle in zumindest kleinen Städten leben, aber kurz- oder mittelfristig ist das einfach keine Option. In den lebenswerten Städten besteht ja auch nicht unbedingt ein Überangebot an Wohnraum.
Es kann ja auch nicht sein, dass Leute gezwungen werden, ihr Lebensumfeld aufzugeben, nur weil eine in Summe so reiche Gesellschaft keine Infrastruktur betreiben will.
Ich persönlich lebe auch lieber auf dem Land. Mir sind Städte zu voll, zu viele Menschen, zu viel Müll, laut und (ja!) auch Abgase bei gleichzeitig hohen Immobilien- und Mietpreisen.
Gleichwohl ist mir aber bewusst, dass Landbewohner wie ich sich von den Stadtbewohnern subventionieren lassen. In die Fläche zu bauen ist einfach unglaublich ineffizient in Hinblick auf jede Art von Infrastruktur. Ob Glasfaser, Straßen, ÖPNV, Stromtrassen, Krankenhäuser, Kindergarten, Supermärkte, Feuerwehr, Polizei. Bei allem ist der Aufwand deutlich höher, je weniger Menschen da sind, die sich diese Infrastruktur teilen.
Müssten wir Landbewohner das alles aus eigener Tasche zahlen, wären die Lebenshaltungskosten wohl schnell so hoch, dass die abgelegenen Gegenden wahrscheinlich schneller entvölkert wären als man Verkehrswende sagen kann.
Paradoxerweise ist im Speckgürtel und etwas ausserhalb der grossen Städte die Luftbelastung besonders hoch. Nämlich mit
Es ist also nicht gesagt, dass der gutsituierte Einfamilienhausbesitzer und sein Nachwuchs "auf dem Land" bessere Luft atmen als der ~~Pöbel~~, äh Normalverdiener in der Stadt. Eher schlechtere.
Finde nicht, dass Stadt-Land etwas mit Pöbel oder Besserverdiener zu tun hat. Gerade in den lebenswerten Städten ist bezahlbarer Wohnraum ja häufig Mangelware. Wenn man dann noch nahe Grünflächen oder gar einen eigenen Garten möchte, erst recht. Auf dem Land bekommst du für das Geld einer Zwei-Zimmer-Wohnung in München halt schon ein kleines Häuschen. Mit Einschnitten bei der Infrastruktur. Und dass es die überhaupt gibt, ist in vielen Fällen der Quersubventionierung durch städtische Regionen zu verdanken.
Das Kaminproblem ist in manchen Gegenden wirklich übel, das stimmt. Hoffe aber, dass das durch die zunehmend strengeren Vorgaben auch immer weniger wird. In Städten und auf dem Land.