DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
Das Sammelbecken auf feddit.org für alle Deutschsprechenden aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und die zwei Belgier. Außerdem natürlich alle anderen deutschprechenden Länderteile der Welt.
Für länderspezifische Themen könnt ihr euch in folgenden Communities austauschen:
___
Aus gegebenem Anlass werden Posts zum Thema Palästina / Israel hier auf Dach gelöscht. Dasselbe gilt zurzeit für Wahlumfragen al´a Sonntagsumfrage.
___
Einsteigertipps für Neue gibt es hier.
___
Aus gegebenem Anlass: Bitte Titel von Posts nur sinnerweiternd und nicht sinnentstellend verändern. Eigene Meinungen gehören in den Superkommentar oder noch besser in einen eigenen Kommentar darunter.
___
Eine ausführliche Sidebar mit den Serverregeln usw. findet ihr auf der Startseite von feddit.org
___
view the rest of the comments
Nur noch speziell zum Punkt "Transportbedarf": Mit stabilen Packtaschen (Vaude) und Rucksack kann ich auf dem Rad bequem 18 oder 20 Kilo Einkäufe transportieren. Das ist für unseren 2-Personen-Haushalt meist schon mehr als genug. Mit einem stabilen faltbaren Anhänger (https://hinterher.com/) können wir problemlos 50 Kilo zusätzlich, oder 4 Kästen Bier transportieren. Ein Lastenrad mit 400 Kilo könnten wir vom lokalen ADFC leihen - haben wir bisher noch nicht gebraucht. Ganz große Sachen wie ein Sofa lassen wir halt liefern. Ein Großraumtaxi hab ich auch schon mal benutzt... vor 11 Jahren.
Das ist halt wieder so ein Werbetrick der Autoindustrie, man brauche ein Fahrzeug für alle Lebenslagen. Was zum absurden amerikanischen Lebensstil führt, mit dem spritfressenden Pick-Up zur Arbeit zu pendeln. Aber praktischer ist doch: Wenn man umzieht, bucht man einen Möbelwagen. Und wenn man fix ins Krankenhaus muss, gibt es einen Krankenwagen.
Ich verstehe deine Argumente, aber es ist schon arg schön gerechnet.
Du vergisst halt den entscheidenden Faktor, der ein Auto gut macht: Zeit. Ich mache zB einen Wocheneinkauf für einen 4-Personenhaushalt und kaufe einmal im Monat Getränke für diesen ein (Kombi ist dann komplett voll). Mit dem Rad wäre ich da 4-5 mal so häufig unterwegs. Diese Zeit habe ich nicht.
Zur Arbeit fahren ich regelmäßig (ausser Winter) mit dem Rad über 42 Minuten eine Strecke. Da ist Zeit auch der entscheidende Faktor für mich: Sie ist planbar und konstant 40-45 Minuten. Mit dem Auto ist es 20-120 Minuten je nach Verkehrs-, Unfall- und Baustellenlage.
Wir haben auch so ein Stehzeug als Zweitwagen. Schon überlegt, ob wir den verkaufen. Er hat sogar mal Moos angesetzt. Aber letztendlich ist der Wagen so spottbillig im Unterhalt, dass es finanziell kein Gewinn ist. 15 Jahre alter Kleinwagen. Die Möglichkeit bei Bedarf einen zweiten Wagen zu haben, übersteigt als Vorteil. Also so 2-5x im Monat. Purer Luxus ich weiß. Zeit ist für mich wertvoll.
Ich denke da gibt's mehrere Effekte. Einer ist, dass man sich ohne Auto etwas anders organisiert. Z.B. macht man dann den Wocheneinkauf für vier Personen vielleicht mit eBike und Anhänger, und lässt sich die Geränke liefern. Oder man nimmt Sprudler statt Mineralwasserkästen. Oder nutzt ein Lastenrad. Tendenziell mache ich bei Einkäufen eher häufigere kleinere Ladungen. Umgekehrt bei Langstrecken wie Besuchen eher etwas seltenere aber dafür längere Besuche. Ebenso bei Reisen. Ich mache auch mit Fernzug oder Fahrrad so gut wie keine Wege, wo ich länger hin und zurück unterwegs bin als ich Zeit am Zielort habe.
Das Zweite ist, dass man mit dem Auto automatisch, weil es schneller ist, um so längere Wege zurück legt. Das passiert unbewusst und Gewohnheit ist ein massiver Faktor. Unterm Strich spart man deswegen keine Zeit. Ein radfahrender Bewohner von Amsterdam oder Kopenhagen wird nicht mehr Zeit mit täglichen Wegen verbringen als ein autofahrender Bewohner von Los Angeles. Eher viel weniger, weil es extrem lange Wege, massive Staus, und keine Alternative zum Auto gibt. In deutschen Städten, wo beides geht, ist das eher so wie in Kopenhagen; wenn man ständig länger mit dem Auto bräuchte, würden die Autonutzer halt Öffis fahren. Auch in München ist das so - auf dem Mittlerem Ring kommt man nicht schneller voran als mit der S-Bahn, und das Fahrrad ist auf kprzere Entfernungen oft etwas schneller als Letztere. (Ich rede nicht von Situationen wo es schlicht überhaupt nicht geht, weil z.B. als Folge der vom Auto ausgelösten Zersiedlung gar keine Geschäfte mehr in Fahrradentfernung sind.)
Die mittlere Zeit für tägliche Wege ist ca. eineinhalb Stunden am Tag - unabhängig von Verkehrsmitteln und Kulturkreis, seit dem Neolithikum! Man nennt das die Marchetti-Konstante. Mehr zu diesem Zusammenhang vom Verkehrswissenschaftler Rudolf Pfleiderer in seinem Artikel "Das Phänomen Verkehr". Die autozentrische Verkehrsplanung ignoriert den Zusammenhang, denn würde man ihn berücksichtigen, bräuchte man weniger Autos.
Dazu kommt halt noch, dass ein Auto Geld kostet. Und dieses Geld muss erst mal verdient werden und das kostet zusätzlich Zeit. Das wird in der Regel stark unterschätzt.