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[–] gabelstapler@feddit.org 6 points 5 hours ago

Klares ja: wir haben eine Bürofläche in unserem eigenen Gebäude, die aufgrund home-office leer stand, in eine "Arbeitsfläche" umgewandelt. Da das eine Flächenänderung war mussten wir bei der Gemeinde einen Bauantrag stellen.

Wir haben also ein Architekturbüro beauftragt einen Bauantrag zu erstellen. Der wurde beim Bauamt vorgestellt, die nichts dagegen hatten und das durchgewunken haben. Erst dann durften wir auf der Fläche arbeiten.

Das ganze hat also einen Haufen Geld und Zeit gekostet nur um die Bürokratie zu befriedigen.

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 34 points 13 hours ago (5 children)

Die Zahlen sprechen für sich: Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Ich war letztens doch etwas überrascht, als ich mir das mit der Arbeitsproduktivität mal angeschaut habe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsproduktivit%C3%A4t

Dieser Wert ist also wirklich nur Bruttoinlandsprodukt durch insgesamt geleistete Arbeitsstunden. Das erklärt auch, warum er seit sechs Jahren so wenig steigt. War da etwas? Etwa mit Corona und zerrissenen Lieferketten, die dann erst mühsam wieder gepflickt werden mussten, mit viel Arbeitsaufwand und wenig BIP-Auswirkungen mit explodierenden Energiekosten, wo man dann im laufenden Betrieb wild herumdonglieren musste. Oder mit völlig abstrusen Dingen, die ein US-Präsident im Zollwesen produziert. Das sind natürlich alles total unproduktive Dinge.

Aber dieses Framing im Artikel ist extremistisch. Im Endeffekt kloppen dort Millionen Arbeitnehmer richtig ran, damit der Laden trotz all dem, was da draußen passiert, irgendwie noch läuft. In einer besseren Welt, ohne all diese Probleme, wäre es sicherlich möglich, dass sie diese Energien in eine wirkliche Steigerung des Bruttoinlandsproduktes stecken könnten. Allerdings haben wir diese Welt nicht. Jetzt hier irgendwelche Arbeitnehmer zu beschimpfen, dass sie unproduktiv sind, ist schlimm.

Diese merkwürdige Sicht springt einen aus diesem Zitat auch wunderbar an:

"Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der staatliche Sektor neben der IT der Sektor ist, wo die Beschäftigung am stärksten wächst. Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das."

Natürlich ist der vielgescholtene "Leiterbeauftragte" hier unproduktiv. Wenn alle Arbeitnehmer wieder regelmäßig von den ungewarteten Leitern fallen, dann ist das megagut für das BIP. Rettungskräfte kosten. Bestattungen sind teuer. Leute reisen zur Beerdigung an. Anwälte verdienen super an den Klagen. Vielleicht gibt es vorher sogar noch einen kostspieligen Krankenhausaufenthalt, so schön mit Hubschrauber und Intensivstation! So ein Arbeitnehmer, der von der Leiter im Betrieb fällt, dürfte locker 100.000€ für das BIP erwirtschaften und wenn dieser fiese Leiterbeauftragte das verhindert, dann ist das unproduktiv!

Die wirklich unproduktiven Jobs sind übrigens die Rentiers, die einfach nur Dividenden abgreifen oder irgendwelche Mietzahnungen und einfach gar nichts machen.

[–] Don_alForno@feddit.org 2 points 4 hours ago

Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Aaaaaaaaaah! Hass! Hass! Blanker Hass! Verdammter KI Pampe verbreitender Lohnschreiberling! Die Produktivität geht nicht zurück, das Wachstum der Produktivität geht zurück, aber sie wächst nach wie vor! Steht zwei Sätze vorher im eigenen Text, aber ist anscheinend noch immer zu kompliziert!

[–] Klostein@reddthat.com 3 points 7 hours ago

Dämlich, auf Nachhaltigkeit rumzuhacken. Ich finde es schön, wenn nicht alles verdreckt ist, nur weil ein Unternehmen finanzielle Kosten sparen wollte. Man sollte sich lieber dafür einsetzen entsprechende Regeln weltweit geltend zu machen anstatt ständig über zu viel (deutsche) Bürokratie zu jammern. Gleiches gilt auch für Arbeitnehmerrechte. Dann hätte auch kein Land mehr einen Standortvorteil nur weil man dort auf Mensch und Umwelt scheißt.

[–] FooBarrington@lemmy.world 9 points 11 hours ago (1 children)

Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Bin ich gerade blöd, oder ergibt der Absatz tatsächlich keinen Sinn?

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 5 points 11 hours ago* (last edited 11 hours ago) (2 children)

Die Berechnungsgrundlage ist geistig frittiert: Das ist ja BIP zu Arbeitsstunden. Das BIP unterliegt aber auch der Inflation und die lag über 0,3%. Rein theoretisch hast du also dann weniger "Wert" erwirtschaftet, weil alles teurer geworden ist. Ist bei so externen Preisschocks wie dem Ukrainekrieg halt eine dumme KPI

[–] brotundspiele@feddit.org 2 points 10 hours ago* (last edited 10 hours ago) (1 children)

Ist es nicht genau andersrum? Wenn ich heute 10 Zahnbürsten in der Stunde produziere und für 1€ pro Stück verkaufe habe ich 10€ fürs BIP erarbeitet. Wenn ich morgen die gleichen 10 Zahnbürsten für 2€ verkaufe, ist das BIP auf 20€ gestiegen und meine Produktivität hat sich verdoppelt obwohl ich weiterhin das gleiche produziere.

Ändert natürlich nix an Deinem letzten Satz.

[–] luciferofastora@feddit.org 2 points 6 hours ago* (last edited 6 hours ago)

Wenn du sie morgen für 1,10€ verkaufst, rundum Preise aber dank Inflation um 15% gestiegen, liegt dein neuer Preis 5 Ct unter den Inflationsbereinigten 1,15€

[–] FooBarrington@lemmy.world 1 points 10 hours ago

Ah verstehe, danke!

[–] BigShammy80@feddit.org 3 points 11 hours ago (2 children)

Was ich momentan alleine nur für irgendwelchen Papierkram an Zeit aufwenden muss, das ist echt nicht mehr schön.

Verpackungsverordnung, Holzverordnung, Exportvorschriften, REACH, ROHS usw.

Es wird immer mehr Papierkram, der im Endeffekt nur Zeit/Arbeit kostet, aber keinen Gewinn bringt.

[–] luciferofastora@feddit.org 2 points 6 hours ago (1 children)

Wenn der Gewinn auf Kosten der Sicherheit und Nachhaltigkeit geht und entsprechend bessere Sicherheitsvorkehrungen und Nachhaltigkeitsvorschriften den (finanziellen) Gewinn schmälern, sollten wir über die Prioritäten nachdenken. Fairerweise müsste ein Artikel über reduzierten Gewinn dann also auch erwähnen, welchen Preis wir für den vormals höheren (finanziellen) Gewinn wirklich gezahlt haben, der sich eben nicht so leicht in Geldsummen beziffern lässt. Menschenleben, Gesundheit, Umwelt sind auch ein Gewinn.

Gut, vielleicht könnte/sollte man den Papierkram bündeln, um redundante Datenerfassung zu minimieren. Manche Vorschriften könnten bestimmt mittlerweile überarbeitet und besser dokumentiert werden. Viel könnte man sicher auch mit moderner Technik optimieren.

Aber RoHS als "nur Zeit/Arbeit [die] keinen Gewinn bringt" zu betrachten klappt nur, wenn man Leben als wertlos betrachet.

[–] 0x442E472E@feddit.org 1 points 1 hour ago

Ich stimme dir ja grundsätzlich zu, aber es liest sich so, als würden Sicherheits- oder Nachhaltigkeitsvorschriften deiner Meinung nach grundsätzlich zu einer besseren Sicherheit oder Nachhaltigkeit führen. Das Thema finde ich schwierig. Die Prüfung erfolgt ja in der Regel über Dokumentations- und Nachweispflichten, also der Staat stellt keine Aufsichtsperson ans Fließband, die zu jeder Zeit live die Prozesse überwacht. Stattdessen wird die Dokumentation in Stichproben plausibilisiert und mit Werten aus anderen Quellen gegengeprüft. Etwas zu dokumentieren erzeugt viel Aufwand, und eine Sache nachweisen zu können ist oft schwieriger als die Sache selbst. Das erzeugt also erst Mal mega Aufwand und bringt keinen Gegenwert. Man muss da schon jede einzelne Pflicht bewerten, ob sie über alle Unternehmen hinweg einen positiven Effekt hat, der den Preis wert ist.

Konstruiertes Beispiel, weil der Text irgendwie so lang geworden ist: ich finde es gut, dass Fabriken keine Säure in die Flüsse spülen dürfen. Aber wenn das von 100 Fabriken nur eine getan hat, bevor es verboten wurde, haben 99 Fabriken jetzt aufwendige Nachweispflichten, die keinen Mehrwert bringen und deren Produktion teurer macht. Und was ist, wenn es mega aufwendig ist, nicht Säure in Flüsse zu spülen? Dann wandern die Fabriken vielleicht ins Ausland ab. In Summe wird dann aber nicht weniger Säure in Flüsse gespült. Schwieriges Thema

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 5 points 9 hours ago (1 children)

Ich weiß ja nicht. Gerade wenn man in die Vergangenheit schaut, merkt man, dass die entsprechenden Verordnungen wie REACH absolut einen Sinn machen. Es macht total Sinn, dass die Industrie nicht durch die Gegend rennen kann und überall irgendwelche Ewigkeitschemikalien, die giftig sind und die man nie wieder aus dem Trinkwasser bekommt (oder wenn nur mit Millionen Euro Kosten) in die Umgebung kippt.

Hier in der Umgebung hat zum Beispiel eine Wäscherei großflächig das Trinkwasser verseucht. Im Ergebnis steht, dass diverse Anwohner ihre Gärten nicht mehr mit Brunnenwasser bewässern müssen und teuer an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden mussten. Dazu kommen dann noch zigtausende Euro an Kosten, um das zu monitoren und natürlich die entsprechende Vergiftung der Umgebung. Der Betreiber dieser Wäscherei hätte sich natürlich auch furchtbar über eine Verordnung aufgeregt, die ihm verbietet, Sachen ins Grundwasser zu kippen.

[–] BigShammy80@feddit.org 0 points 9 hours ago

Ja, das kann alles sein... Fakt ist aber, es verursacht eine Menge Mehrarbeit, die halt nicht "produktiv" ist...

[–] katzimir@lemmy.world 3 points 13 hours ago

Ja ja ja jetzt wird wieder in die hände gespuckt...

[–] plyth@feddit.org 42 points 14 hours ago* (last edited 12 hours ago) (2 children)

Die Wirtschaft wächst nicht mehr so stark, wie sie müsste, um den Wohlstand zu halten.

Willkommen bei der Akkumulation des Kapitals. Wenn die Milliardäre nicht alles einsacken würden, dann müsste die Wirtschaft auch nicht wachsen, um den Wohlstand zu halten.

Schade, dass die Tagesschau diesen zentralen Punkt nicht einordnet.

Ausserdem hat der besprochene Bürokratieabbau nichts mit den drei Punkten am Anfang zu tun, die als Ursache für den geringen Produktivitätszuwach genannt werden.

Nach Doge und den Bürokratiekürzungen in den USA https://feddit.org/post/34482120 ist es unverschämt als Tagesschau die Argumentation für Bürokratiekürzungen einfach zu reproduzieren. Eine weitere fehlende Einordnung.

Schliesslich ordnet die Tagesschau auch nicht "Stiftung Familienunternehmen" ein. Der Geschichte nach geht es wohl darum, Erbschaft- oder Vermögensteuer mit der Lenkung der Debatte zu vermeiden. https://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung_Familienunternehmen

Für mich sieht das so aus, als wenn die Tagesschau genutzt wird, um die Politik von Trump auch in Deutschland zu etablieren.

[–] GarbadgeGoober@feddit.org 11 points 11 hours ago

Schliesslich ordnet die Tagesschau auch nicht "Stiftung Familienunternehmen" ein. Der Geschichte nach geht es wohl darum, Erbschaft- oder Vermögensteuer mit der Lenkung der Debatte zu vermeiden. https://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung_Familienunternehmen

Genau diesen Punkt finde ich so erschreckend, dass es keinerlei Einordnung gibt und Sie 100% diese Aussagen übernehmen. Habe die Tagesschau auch direkt mal.angeschrieben, wegen diesem Artikel.

Natürlich schreien die nach Bürokratieabbau, wenn sie keinen Datenschutz mehr einhalten müssen, Lieferkettergesetz ausgesetzt wird und endlich wieder Sklaven und Kinder die Produkte herstellen können, ohne das jemand auf die Finger schaut. Hauptsache der Profit stimmt.

Was ist mit dem ganzen Wasserkopf im Management, demotivierte Mitarbeiter, doppelt besetze Stellen. Das die Tagesschau davon nichts aufgreift finde ich schlimm. Als würde die Wirtschaft wieder laufen, wenn es weniger Auflagen für die Unternehmen geben würde. Das einzige was sich ändert, ist dass ihre Taschen noch weiter füllen.

[–] Bababasti@feddit.org 5 points 13 hours ago

Die Tagesschau hat leider schon lange aufgehört Dinge einzuordnen und ist dazu übergangen nur stumpf Narrative „von oben“ wiederzugeben.

[–] lokalhorst@feddit.org 25 points 14 hours ago

Mit der Studie "Es gibt einen Wachstumspfad für Deutschland" will die Stiftung Familienunternehmen die Potenziale, die im Land schlummern, aufzeigen. "Wir reden über gewaltige Steuererhöhungen, um die Ausgaben zu finanzieren. Dabei vernachlässigen wir die Möglichkeiten, die wir im Wachstum sehen."

Aha, Lobby will Subventionien und Steuererleichterungen.

[–] bennees@feddit.org 18 points 14 hours ago* (last edited 14 hours ago)

Die Tagesschau müsste erstmal den Begriff von Wohlstand klären. Wohlstand ist hier aber der Profit und hier der von Lobbygruppen wie der Stiftung Familienunternehmen. Wer ist denn eigentlich die Stiftung Familienunternehmen?

Da sind 600 Firmen im Besitz von Privatpersonen Mitglied und die Einsatzfelder der Stiftung sind ganz tolle Dinge wie:

  • Gegen die Erbschaftssteuer
  • Verhinder der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer
  • Senkung der Unternehmenssteuer
  • Abschaffung der Wegzugbesteuerung

etc..

Dazu ist die Gruppe intransparent und arbeitet bewusst dagegen das alle Mitglieder und Unterstützer transparent sichtbar sind. Aufgedeckt wurden kleine sympatische Familienunternehmen wie:

Würth, Bertelsmann, Deichmann, Rosmann und z.B. die Schwarz Gruppe. Letztere ist als solche oft nicht sehr bekannt, dahinter steht aber Lidl und Kaufland.

Das sind übrigens alles Firmen die uns in mehrerer Hinsicht auf der Tasche liegen. Zum einen was Steuergeschenke und Subventionen angeht und in Sachen Klima sind das mit die größten Dreckschleudern die wir in Deutschland haben.

Das die Tagesschau dazu kein Wort schreibt und da absolut nichts kritisch hinterfragt ist keine Schlampigkeit, sondern inzwischen schlichtweg einfach eine bewusste Arbeitsweise.

[–] voodoocode@feddit.org 17 points 14 hours ago

Der Artikel liest sich wie: Die Stiftung Familienunternehmer heult über Bürokratie.

Bedeutet Arbeitsschutz, Datenschutz, Brandschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Dokumentation etc sind für die Millionenerben also Jobs die nichts bringen

[–] geissi@feddit.org 21 points 15 hours ago (2 children)

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der staatliche Sektor neben der IT der Sektor ist, wo die Beschäftigung am stärksten wächst. Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das.

Der staatliche Sektor ist also der Beweis dafür, dass zu viele Leute Berichtspflichten nachkommen, obwohl diese Berichtspflichten im privaten Sektor liegen?

Wir leisten uns zu viele "unproduktive" Jobs? Ein klares Ja kommt von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Da stellt sich natürlich die Frage, was denn ein Volkswirt "produziert" außer Berichten?

Das seien Jobs, die keine besonders große Produktivität mit sich brächten, und in diesen Bereichen seien in den letzten Jahren überproportional viele Jobs entstanden

Jetzt mal im Ernst, das stimmt sogar aber es sind nicht die Brandschutzbeauftragten sondern die Lieferando-Fahrer, die Gig-Economy, die zunehmend auch zu und rüber schwappt. Der Niedriglohnsektor, der mit der Agenda 2010 bewusst geschaffen wurde.
Die Leute arbeiten in diesen Jobs ja nicht, weil die so geil sind, sondern weil bessere Jobs zunehmend abgebaut oder ins Ausland verschoben wurden.

Und wo wir schon dabei sind, will ich noch die gesamte Werbebranche als unproduktiv verteufeln.

[–] BurnoutDV@lemmy.world 9 points 14 hours ago (1 children)

Auch wenn es ein wenig platt ist, aber hinter jeder Dokumentationspflicht steht meistens auch irgendein Vorfall. In der Regel sind die Leute ja nicht aufgewacht und haben sich gedacht "joa, da stellen wir jetzt in jeder Firma 5 Leute hin die das machen aber es bringt nichts". Klar kommt es vor das irgendwelche Regeln erlassen wurden und dann galopiert das weg, aber grundsätzlich gibt es ja doch irgendwo eine Grundlage dafür. So ganz unnötig ist so eine Brandschutzbeauftragte jetzt auch nicht, oder das wir dokumentieren wenn gefährliche Sachen durch die Gegend geschubst werden. Generell und überhaupt alles an individueller Produktivität messen zu wollen ist eine Krankheit. Es gibt genügend Jobs die einfach nur Infrastruktur hinstellen und warten die exakt 0 Euro verdienen weil sie nichts verkaufen. Mal davon abgesehen das es vielleicht besser für die geistige Gesundheit ist nicht alles auf 100% Leistungsfähigkeit zu optimieren. Bringt ja auch wenig wenn die Leute alle 3 Monate ausbrennen weil alles unmenschlich ist.

Das gesagt, jedes Mal wenn ein Politiker sagt das man "dafür" noch ein Pilotprojekt braucht oder das man eine Kommission für xY fordert denke ich mir das das ein Ding ist wo jemand seine Freunde und Verwandten in einen Bullshitjob abstellen will.

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 1 points 10 hours ago

Auch wenn es ein wenig platt ist, aber hinter jeder Dokumentationspflicht steht meistens auch irgendein Vorfall.

Die Dokumentationspflichten sind trotzdem für den Arsch, denn niemand kontrolliert, ob das Dokumentierte auch mit der Realität übereinstimmt. Papier ist geduldig. Das ist einfach nur Arbeitsbeschaffung für Bürokraten und groß angelegter Beschiss.

[–] Verdorrterpunkt@feddit.org 13 points 14 hours ago

Artikel redet wiedermal von Fachkräftemangel wärend junge Menschen immer weniger gescheite jobs kriegen können, kann aufs Altpapier.

[–] kossa@feddit.org 9 points 13 hours ago (2 children)

Die Kirsche auf dem Scheißhaufen ist ja, dass die ganzen "unproduktiven Jobs" in deren Augen ja "unproduktiv" sind, weil sie schlecht bezahlt werden.

Wenn bspw. Pflegys gut bezahlt würden, dann hätten wir ja krasses Wachstum, wenn wir die Pflege ausbauen würden (bzw. eh müssen, weil mehr alte Menschen, diesdas). Aber ein koksender Bänker mit Riesengehalt wiegt halt in der Messgröße Geld sehr viele Pfleger mit Hungerlohn auf. Und das, obwohl besagter Bänker gesellschaftlich eher unproduktiv, schlimmstensfall sogar schädlich, ist.

[–] horsesaysweird@feddit.org 6 points 13 hours ago (1 children)

In der Pflege verdient man inzwischen relativ gut.

https://www.wiwo.de/politik/deutschland/azubi-gehalt-pflegeberufe-ueberholen-finanzbranche/100247302.html

Nach einer aktuellen Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bekommen Auszubildende in der Pflege derzeit im ersten Jahr monatlich 1491 Euro bezahlt. Dahinter folgen die Versicherungsbranche mit 1455 Euro und die privaten Banken mit 1400 Euro.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienten vollzeitbeschäftigte Fachkräfte zuletzt im Mittel 4.228 Euro brutto im Monat. Das waren 1.612 Euro oder 61,6 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor.

[–] kossa@feddit.org 8 points 13 hours ago (2 children)

verdient man inzwischen relativ gut.

4230 € sind halt nicht, was ich als "relativ gut" einordne. Vor allem nicht für diesen Knochenjob und die Wichtigkeit. Ich habe seit meinem Berufseinstieg mehr verdient, und meine Arbeit war nie so gesellschaftlich relevant, wie die eines Pflegers. Und weit entfernt davon so hart zu sein.

Und da ist halt die Krux: im gammeligen, mittleren Management des Konzerns, wo meine Frau arbeitet, bekommt man für's Powerpoint erstellen zwischen 150k und 250k pro Jahr. Das sind halt 3-5 Pfleger.

[–] horsesaysweird@feddit.org 3 points 11 hours ago (2 children)

Ja, deswegen hab ich auch "relativ gut" geschrieben. Für einen Ausbildungsberuf. Mit Managementstellen kannst Du das nicht wirklich vergleichen, weil die oft über Seilschaften vermittelt oder überhaupt erst erzeugt werden. Und bei einer 150k-Stelle hat man wahrscheinlich studiert, auch wenn man hinterher effektiv nichts macht.

Dass man automatisch mehr verdient, nur weil man studiert hat, ist natürlich auch ein Problem. Und es gibt noch viele andere. Ich sag überhaupt nicht, dass auf dem Arbeitsmarkt alles super ist. Ich sag nur, dass das mit dem Hungerlohn nicht mehr stimmt und Pflegeberufe die am besten bezahlten Ausbildungsberufe sind.

[–] kossa@feddit.org 1 points 9 hours ago (1 children)

In meinem Kommentar ging es ja auch nicht primär um die Frage, ob eine Berufsgruppe jetzt tatsächlich Porsche fahren kann, oder nicht.

Es ging um das Rumgeheule wegen Produktivität, die ja so schlecht dasteht.

Und wenn wir jetzt Leuten, die wirklich was sinnvolles tun, einfach die Löhne verdoppeln würden, dann steigt dieser Parameter halt. Oder er steigt halt, wenn wir einen weiteren sinnlosen Job schaffen, der aber random hoch bezahlt wird. Mir ist aber lieber, wir steigern die Produktivität, indem wir sinnvolle Jobs bezahlen, und dann sind die Wirtschaftspriester auch glücklich.

[–] horsesaysweird@feddit.org 1 points 6 hours ago (1 children)

OK, ich glaub ich hab Dich immer noch nicht ganz verstanden. Woher genau weißt Du denn, dass unproduktive Jobs unproduktiv sind, weil sie schlecht bezahlt werden?

Ich hätte jetzt eher gesagt, unproduktive Jobs sind unproduktiv, weil sie weniger Nutzen pro Euro erzeugen als produktive Jobs. Wenn Du Friseur bist, geht jeder mit einer Frisur aus Deinem Laden raus und hat Dir nicht viel Geld dagelassen. Du verdienst also nicht viel, aber jeder an Dich bezahlte Euro ist produktiv eingesetzt worden. Wenn Du dagegen irgendeinen Verwaltungsberuf machst, von dem alle Beteiligten sagen, dass er weitgehend überflüssig ist und nur existiert, weil es die Gesetzeslage so vorschreibt, dann ist das ein unproduktiver Job, weil eben niemand was davon hat, auch wenn Du zehnmal so viel verdienst wie der Friseur.

[–] kossa@feddit.org 2 points 6 hours ago (1 children)

Ja, das ist, wie jeder vernünftige Mensch Produktivität sehen würde.

Die hier zitierten Menschen berechnen aber die Produktivität als BIP/Arbeitsstunden.

Wenn wir also mehr Geld im Kreis schieben (BIP steigt), dann steigt die Produktivität. Wenn die Gehälter von Pflegekräften steigen, dann brauchen deren Arbeitgeber mehr Geld, dass muss also irgendwie dahin geschoben werden. Das BIP steigt.

[–] horsesaysweird@feddit.org 1 points 4 hours ago

Hm. Nagut, dann macht das natürlich Sinn. Danke für die Erklärung.

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 1 points 10 hours ago

Ja. Das vornehmliche Problem in der Pflege ist nicht die Bezahlung, sondern die Arbeitsbedingungen.

Teils unmenschlicher Schichtdienst (24h-Schichten sind immer noch ein Ding), Überarbeitung, die Leute werden mit immer mehr Bürokratie zugeschissen, dass sie vor lauter Dokumentieren nicht mehr dazu kommen, ihre eigentliche Arbeit zu machen, dazu haben sie noch noch echte Verantwortung für Menschenleben und stehen damit permanent mit einem Bein im Knast.

Dass es natürlich trotzdem absurd ist, dass Leute, die effektiv nichts tun und keinerlei wirkliche Verantwortung haben, ein Vielfaches bekommen, nur weil sie einen tollen Titel haben, steht außer Frage.

[–] lichtmetzger@discuss.tchncs.de 2 points 13 hours ago* (last edited 8 hours ago)

4230 € sind halt nicht, was ich als “relativ gut” einordne.

Für einen Single sind das ~2.730 € netto, das ist ein kleines bisschen mehr als mein Gehalt als Programmierer bei 32h und 4-Tage-Woche. Der Abstand müsste viel größer sein - diese Zahl ist für mich eher wieder ein Beweis, dass wir gesamtgesellschaftlich viel zu wenig bekommen.

Edit: Mich würde tatsächlich mal interessieren, wieso ich dafür runtergevotet werde. 2.7k sind für mich nicht viel (und über 1.000€ gehen schon allein für die Miete drauf). Wenn ich Vollzeit arbeiten würde, wäre ich auf dem gleichen Niveau wie jemand der einen harten sozialen Beruf mit seinem Körper ausführt, während ich zu Hause nur in die Tastatur haue. In einer gerechten Welt sollten wir alle mehr Kohle bekommen, aber körperliche Berufe grundsätzlich mehr als Büroarbeiter. TAX THE RICH

[–] creamfresh@lemmy.world 2 points 11 hours ago

Was spricht gegen das Wort Pflegekräfte?

[–] schnurrito@discuss.tchncs.de 12 points 15 hours ago (1 children)

https://de.wikipedia.org/wiki/Bullshit_Jobs ist doch kein neues Konzept mehr und auch keines, das spezifisch für Deutschland oder ein anderes Land wäre

[–] voodoocode@feddit.org 5 points 14 hours ago (1 children)

Der Artikel hat nur leider nichts mit denen zu tun

[–] horsesaysweird@feddit.org 4 points 13 hours ago (1 children)

Wieso nicht?

Aus dem Artikel:

Die Frage sei nicht, ob jemand zu wenig arbeite, sondern ob er an der falschen Stelle das falsche Ergebnis produziere. "Insofern ist die Frage zu bejahen. Das liegt aber nicht an den Mitarbeitern, das liegt daran, dass sich die Mitarbeiter mit Dingen befassen, die völlig unnötig sind, und dazu gehört wieder Bürokratie." (Hervorhebung von mir.)

Aus dem Wikipedia-Artikel:

Ein Bullshit Job ist eine Form der bezahlten Beschäftigung, die so vollständig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass sogar die Beschäftigten selbst die Existenz der Beschäftigung nicht rechtfertigen können, auch wenn die Beschäftigten sich durch ihre Arbeitsbedingungen gezwungen fühlen, dies nicht zuzugeben.

In dem Tagesschau-Artikel ist jetzt nicht explizit die Rede von schädlichen Jobs, aber das heißt ja nicht, dass die nicht trotzdem existieren.

[–] voodoocode@feddit.org 3 points 10 hours ago

Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das.

Das ist was ich meine. Die Unternehmer schieben hier das "unnötige Jobs" Argument vor, um "unprofitable" Dinge wie Nachhaltigkeitsberichte nicht machen zu müssen. Das ist m.M.n aber weder sinnlos, noch unnötig noch schädlich, laut Wikipedia Definition also kein Bullshit Job.

(Steht nicht explizit dort, aber Datenschutz-, Arbeitsschutz- Beauftragte) usw sind vielleicht in deren Augen ebenfalls Bullshit, aber haben alle ihre Daseinsberechtigung).

[–] Kazel@feddit.org 8 points 14 hours ago

kanzler auch unnötiger job inzwischen