this post was submitted on 24 Aug 2026
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[–] kossa@feddit.org 9 points 15 hours ago (2 children)

Die Kirsche auf dem Scheißhaufen ist ja, dass die ganzen "unproduktiven Jobs" in deren Augen ja "unproduktiv" sind, weil sie schlecht bezahlt werden.

Wenn bspw. Pflegys gut bezahlt würden, dann hätten wir ja krasses Wachstum, wenn wir die Pflege ausbauen würden (bzw. eh müssen, weil mehr alte Menschen, diesdas). Aber ein koksender Bänker mit Riesengehalt wiegt halt in der Messgröße Geld sehr viele Pfleger mit Hungerlohn auf. Und das, obwohl besagter Bänker gesellschaftlich eher unproduktiv, schlimmstensfall sogar schädlich, ist.

[–] horsesaysweird@feddit.org 6 points 15 hours ago (1 children)

In der Pflege verdient man inzwischen relativ gut.

https://www.wiwo.de/politik/deutschland/azubi-gehalt-pflegeberufe-ueberholen-finanzbranche/100247302.html

Nach einer aktuellen Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bekommen Auszubildende in der Pflege derzeit im ersten Jahr monatlich 1491 Euro bezahlt. Dahinter folgen die Versicherungsbranche mit 1455 Euro und die privaten Banken mit 1400 Euro.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienten vollzeitbeschäftigte Fachkräfte zuletzt im Mittel 4.228 Euro brutto im Monat. Das waren 1.612 Euro oder 61,6 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor.

[–] kossa@feddit.org 8 points 14 hours ago (2 children)

verdient man inzwischen relativ gut.

4230 € sind halt nicht, was ich als "relativ gut" einordne. Vor allem nicht für diesen Knochenjob und die Wichtigkeit. Ich habe seit meinem Berufseinstieg mehr verdient, und meine Arbeit war nie so gesellschaftlich relevant, wie die eines Pflegers. Und weit entfernt davon so hart zu sein.

Und da ist halt die Krux: im gammeligen, mittleren Management des Konzerns, wo meine Frau arbeitet, bekommt man für's Powerpoint erstellen zwischen 150k und 250k pro Jahr. Das sind halt 3-5 Pfleger.

[–] horsesaysweird@feddit.org 3 points 12 hours ago (2 children)

Ja, deswegen hab ich auch "relativ gut" geschrieben. Für einen Ausbildungsberuf. Mit Managementstellen kannst Du das nicht wirklich vergleichen, weil die oft über Seilschaften vermittelt oder überhaupt erst erzeugt werden. Und bei einer 150k-Stelle hat man wahrscheinlich studiert, auch wenn man hinterher effektiv nichts macht.

Dass man automatisch mehr verdient, nur weil man studiert hat, ist natürlich auch ein Problem. Und es gibt noch viele andere. Ich sag überhaupt nicht, dass auf dem Arbeitsmarkt alles super ist. Ich sag nur, dass das mit dem Hungerlohn nicht mehr stimmt und Pflegeberufe die am besten bezahlten Ausbildungsberufe sind.

[–] kossa@feddit.org 1 points 10 hours ago (1 children)

In meinem Kommentar ging es ja auch nicht primär um die Frage, ob eine Berufsgruppe jetzt tatsächlich Porsche fahren kann, oder nicht.

Es ging um das Rumgeheule wegen Produktivität, die ja so schlecht dasteht.

Und wenn wir jetzt Leuten, die wirklich was sinnvolles tun, einfach die Löhne verdoppeln würden, dann steigt dieser Parameter halt. Oder er steigt halt, wenn wir einen weiteren sinnlosen Job schaffen, der aber random hoch bezahlt wird. Mir ist aber lieber, wir steigern die Produktivität, indem wir sinnvolle Jobs bezahlen, und dann sind die Wirtschaftspriester auch glücklich.

[–] horsesaysweird@feddit.org 1 points 8 hours ago (1 children)

OK, ich glaub ich hab Dich immer noch nicht ganz verstanden. Woher genau weißt Du denn, dass unproduktive Jobs unproduktiv sind, weil sie schlecht bezahlt werden?

Ich hätte jetzt eher gesagt, unproduktive Jobs sind unproduktiv, weil sie weniger Nutzen pro Euro erzeugen als produktive Jobs. Wenn Du Friseur bist, geht jeder mit einer Frisur aus Deinem Laden raus und hat Dir nicht viel Geld dagelassen. Du verdienst also nicht viel, aber jeder an Dich bezahlte Euro ist produktiv eingesetzt worden. Wenn Du dagegen irgendeinen Verwaltungsberuf machst, von dem alle Beteiligten sagen, dass er weitgehend überflüssig ist und nur existiert, weil es die Gesetzeslage so vorschreibt, dann ist das ein unproduktiver Job, weil eben niemand was davon hat, auch wenn Du zehnmal so viel verdienst wie der Friseur.

[–] kossa@feddit.org 2 points 7 hours ago (1 children)

Ja, das ist, wie jeder vernünftige Mensch Produktivität sehen würde.

Die hier zitierten Menschen berechnen aber die Produktivität als BIP/Arbeitsstunden.

Wenn wir also mehr Geld im Kreis schieben (BIP steigt), dann steigt die Produktivität. Wenn die Gehälter von Pflegekräften steigen, dann brauchen deren Arbeitgeber mehr Geld, dass muss also irgendwie dahin geschoben werden. Das BIP steigt.

[–] horsesaysweird@feddit.org 1 points 6 hours ago

Hm. Nagut, dann macht das natürlich Sinn. Danke für die Erklärung.

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 1 points 11 hours ago

Ja. Das vornehmliche Problem in der Pflege ist nicht die Bezahlung, sondern die Arbeitsbedingungen.

Teils unmenschlicher Schichtdienst (24h-Schichten sind immer noch ein Ding), Überarbeitung, die Leute werden mit immer mehr Bürokratie zugeschissen, dass sie vor lauter Dokumentieren nicht mehr dazu kommen, ihre eigentliche Arbeit zu machen, dazu haben sie noch noch echte Verantwortung für Menschenleben und stehen damit permanent mit einem Bein im Knast.

Dass es natürlich trotzdem absurd ist, dass Leute, die effektiv nichts tun und keinerlei wirkliche Verantwortung haben, ein Vielfaches bekommen, nur weil sie einen tollen Titel haben, steht außer Frage.

[–] lichtmetzger@discuss.tchncs.de 2 points 14 hours ago* (last edited 10 hours ago)

4230 € sind halt nicht, was ich als “relativ gut” einordne.

Für einen Single sind das ~2.730 € netto, das ist ein kleines bisschen mehr als mein Gehalt als Programmierer bei 32h und 4-Tage-Woche. Der Abstand müsste viel größer sein - diese Zahl ist für mich eher wieder ein Beweis, dass wir gesamtgesellschaftlich viel zu wenig bekommen.

Edit: Mich würde tatsächlich mal interessieren, wieso ich dafür runtergevotet werde. 2.7k sind für mich nicht viel (und über 1.000€ gehen schon allein für die Miete drauf). Wenn ich Vollzeit arbeiten würde, wäre ich auf dem gleichen Niveau wie jemand der einen harten sozialen Beruf mit seinem Körper ausführt, während ich zu Hause nur in die Tastatur haue. In einer gerechten Welt sollten wir alle mehr Kohle bekommen, aber körperliche Berufe grundsätzlich mehr als Büroarbeiter. TAX THE RICH

[–] creamfresh@lemmy.world 2 points 12 hours ago

Was spricht gegen das Wort Pflegekräfte?