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[–] JensSpahnpasta@feddit.org 36 points 15 hours ago (5 children)

Die Zahlen sprechen für sich: Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Ich war letztens doch etwas überrascht, als ich mir das mit der Arbeitsproduktivität mal angeschaut habe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsproduktivit%C3%A4t

Dieser Wert ist also wirklich nur Bruttoinlandsprodukt durch insgesamt geleistete Arbeitsstunden. Das erklärt auch, warum er seit sechs Jahren so wenig steigt. War da etwas? Etwa mit Corona und zerrissenen Lieferketten, die dann erst mühsam wieder gepflickt werden mussten, mit viel Arbeitsaufwand und wenig BIP-Auswirkungen mit explodierenden Energiekosten, wo man dann im laufenden Betrieb wild herumdonglieren musste. Oder mit völlig abstrusen Dingen, die ein US-Präsident im Zollwesen produziert. Das sind natürlich alles total unproduktive Dinge.

Aber dieses Framing im Artikel ist extremistisch. Im Endeffekt kloppen dort Millionen Arbeitnehmer richtig ran, damit der Laden trotz all dem, was da draußen passiert, irgendwie noch läuft. In einer besseren Welt, ohne all diese Probleme, wäre es sicherlich möglich, dass sie diese Energien in eine wirkliche Steigerung des Bruttoinlandsproduktes stecken könnten. Allerdings haben wir diese Welt nicht. Jetzt hier irgendwelche Arbeitnehmer zu beschimpfen, dass sie unproduktiv sind, ist schlimm.

Diese merkwürdige Sicht springt einen aus diesem Zitat auch wunderbar an:

"Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der staatliche Sektor neben der IT der Sektor ist, wo die Beschäftigung am stärksten wächst. Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das."

Natürlich ist der vielgescholtene "Leiterbeauftragte" hier unproduktiv. Wenn alle Arbeitnehmer wieder regelmäßig von den ungewarteten Leitern fallen, dann ist das megagut für das BIP. Rettungskräfte kosten. Bestattungen sind teuer. Leute reisen zur Beerdigung an. Anwälte verdienen super an den Klagen. Vielleicht gibt es vorher sogar noch einen kostspieligen Krankenhausaufenthalt, so schön mit Hubschrauber und Intensivstation! So ein Arbeitnehmer, der von der Leiter im Betrieb fällt, dürfte locker 100.000€ für das BIP erwirtschaften und wenn dieser fiese Leiterbeauftragte das verhindert, dann ist das unproduktiv!

Die wirklich unproduktiven Jobs sind übrigens die Rentiers, die einfach nur Dividenden abgreifen oder irgendwelche Mietzahnungen und einfach gar nichts machen.

[–] Don_alForno@feddit.org 3 points 6 hours ago

Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Aaaaaaaaaah! Hass! Hass! Blanker Hass! Verdammter KI Pampe verbreitender Lohnschreiberling! Die Produktivität geht nicht zurück, das Wachstum der Produktivität geht zurück, aber sie wächst nach wie vor! Steht zwei Sätze vorher im eigenen Text, aber ist anscheinend noch immer zu kompliziert!

[–] Klostein@reddthat.com 3 points 10 hours ago

Dämlich, auf Nachhaltigkeit rumzuhacken. Ich finde es schön, wenn nicht alles verdreckt ist, nur weil ein Unternehmen finanzielle Kosten sparen wollte. Man sollte sich lieber dafür einsetzen entsprechende Regeln weltweit geltend zu machen anstatt ständig über zu viel (deutsche) Bürokratie zu jammern. Gleiches gilt auch für Arbeitnehmerrechte. Dann hätte auch kein Land mehr einen Standortvorteil nur weil man dort auf Mensch und Umwelt scheißt.

[–] FooBarrington@lemmy.world 10 points 14 hours ago (1 children)

Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

Bin ich gerade blöd, oder ergibt der Absatz tatsächlich keinen Sinn?

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 5 points 14 hours ago* (last edited 14 hours ago) (2 children)

Die Berechnungsgrundlage ist geistig frittiert: Das ist ja BIP zu Arbeitsstunden. Das BIP unterliegt aber auch der Inflation und die lag über 0,3%. Rein theoretisch hast du also dann weniger "Wert" erwirtschaftet, weil alles teurer geworden ist. Ist bei so externen Preisschocks wie dem Ukrainekrieg halt eine dumme KPI

[–] brotundspiele@feddit.org 2 points 13 hours ago* (last edited 13 hours ago) (1 children)

Ist es nicht genau andersrum? Wenn ich heute 10 Zahnbürsten in der Stunde produziere und für 1€ pro Stück verkaufe habe ich 10€ fürs BIP erarbeitet. Wenn ich morgen die gleichen 10 Zahnbürsten für 2€ verkaufe, ist das BIP auf 20€ gestiegen und meine Produktivität hat sich verdoppelt obwohl ich weiterhin das gleiche produziere.

Ändert natürlich nix an Deinem letzten Satz.

[–] luciferofastora@feddit.org 2 points 9 hours ago* (last edited 9 hours ago)

Wenn du sie morgen für 1,10€ verkaufst, rundum Preise aber dank Inflation um 15% gestiegen, liegt dein neuer Preis 5 Ct unter den Inflationsbereinigten 1,15€

[–] FooBarrington@lemmy.world 1 points 13 hours ago

Ah verstehe, danke!

[–] BigShammy80@feddit.org 3 points 14 hours ago (2 children)

Was ich momentan alleine nur für irgendwelchen Papierkram an Zeit aufwenden muss, das ist echt nicht mehr schön.

Verpackungsverordnung, Holzverordnung, Exportvorschriften, REACH, ROHS usw.

Es wird immer mehr Papierkram, der im Endeffekt nur Zeit/Arbeit kostet, aber keinen Gewinn bringt.

[–] luciferofastora@feddit.org 2 points 8 hours ago (1 children)

Wenn der Gewinn auf Kosten der Sicherheit und Nachhaltigkeit geht und entsprechend bessere Sicherheitsvorkehrungen und Nachhaltigkeitsvorschriften den (finanziellen) Gewinn schmälern, sollten wir über die Prioritäten nachdenken. Fairerweise müsste ein Artikel über reduzierten Gewinn dann also auch erwähnen, welchen Preis wir für den vormals höheren (finanziellen) Gewinn wirklich gezahlt haben, der sich eben nicht so leicht in Geldsummen beziffern lässt. Menschenleben, Gesundheit, Umwelt sind auch ein Gewinn.

Gut, vielleicht könnte/sollte man den Papierkram bündeln, um redundante Datenerfassung zu minimieren. Manche Vorschriften könnten bestimmt mittlerweile überarbeitet und besser dokumentiert werden. Viel könnte man sicher auch mit moderner Technik optimieren.

Aber RoHS als "nur Zeit/Arbeit [die] keinen Gewinn bringt" zu betrachten klappt nur, wenn man Leben als wertlos betrachet.

[–] 0x442E472E@feddit.org 1 points 3 hours ago

Ich stimme dir ja grundsätzlich zu, aber es liest sich so, als würden Sicherheits- oder Nachhaltigkeitsvorschriften deiner Meinung nach grundsätzlich zu einer besseren Sicherheit oder Nachhaltigkeit führen. Das Thema finde ich schwierig. Die Prüfung erfolgt ja in der Regel über Dokumentations- und Nachweispflichten, also der Staat stellt keine Aufsichtsperson ans Fließband, die zu jeder Zeit live die Prozesse überwacht. Stattdessen wird die Dokumentation in Stichproben plausibilisiert und mit Werten aus anderen Quellen gegengeprüft. Etwas zu dokumentieren erzeugt viel Aufwand, und eine Sache nachweisen zu können ist oft schwieriger als die Sache selbst. Das erzeugt also erst Mal mega Aufwand und bringt keinen Gegenwert. Man muss da schon jede einzelne Pflicht bewerten, ob sie über alle Unternehmen hinweg einen positiven Effekt hat, der den Preis wert ist.

Konstruiertes Beispiel, weil der Text irgendwie so lang geworden ist: ich finde es gut, dass Fabriken keine Säure in die Flüsse spülen dürfen. Aber wenn das von 100 Fabriken nur eine getan hat, bevor es verboten wurde, haben 99 Fabriken jetzt aufwendige Nachweispflichten, die keinen Mehrwert bringen und deren Produktion teurer macht. Und was ist, wenn es mega aufwendig ist, nicht Säure in Flüsse zu spülen? Dann wandern die Fabriken vielleicht ins Ausland ab. In Summe wird dann aber nicht weniger Säure in Flüsse gespült. Schwieriges Thema

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 5 points 12 hours ago (1 children)

Ich weiß ja nicht. Gerade wenn man in die Vergangenheit schaut, merkt man, dass die entsprechenden Verordnungen wie REACH absolut einen Sinn machen. Es macht total Sinn, dass die Industrie nicht durch die Gegend rennen kann und überall irgendwelche Ewigkeitschemikalien, die giftig sind und die man nie wieder aus dem Trinkwasser bekommt (oder wenn nur mit Millionen Euro Kosten) in die Umgebung kippt.

Hier in der Umgebung hat zum Beispiel eine Wäscherei großflächig das Trinkwasser verseucht. Im Ergebnis steht, dass diverse Anwohner ihre Gärten nicht mehr mit Brunnenwasser bewässern müssen und teuer an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden mussten. Dazu kommen dann noch zigtausende Euro an Kosten, um das zu monitoren und natürlich die entsprechende Vergiftung der Umgebung. Der Betreiber dieser Wäscherei hätte sich natürlich auch furchtbar über eine Verordnung aufgeregt, die ihm verbietet, Sachen ins Grundwasser zu kippen.

[–] BigShammy80@feddit.org 0 points 11 hours ago

Ja, das kann alles sein... Fakt ist aber, es verursacht eine Menge Mehrarbeit, die halt nicht "produktiv" ist...

[–] katzimir@lemmy.world 3 points 15 hours ago

Ja ja ja jetzt wird wieder in die hände gespuckt...