this post was submitted on 24 Jan 2026
57 points (100.0% liked)

DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz

4690 readers
545 users here now

Das Sammelbecken auf feddit.org für alle Deutschsprechenden aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und die zwei Belgier. Außerdem natürlich alle anderen deutschprechenden Länderteile der Welt.

Für länderspezifische Themen könnt ihr euch in folgenden Communities austauschen:

___

Zusätzliche Regeln aus „Lessons learned":

___

Einsteigertipps für Neue gibt es hier.
___

Eine ausführliche Sidebar mit den Serverregeln usw. findet ihr auf der Startseite von feddit.org

___

founded 2 years ago
MODERATORS
all 30 comments
sorted by: hot top controversial new old
[–] toe@feddit.org 3 points 21 hours ago

Grundsätzlich habe ich mit keinem Vorschlag der drei von vier (Arbeitgeber, Kassen, Ärzte, Arbeitnehmer) Beteiligten Seiten kein wirkliches Problem. Wir sollten dennoch von Bonus oder finanziellen Zusatzbelastung aufgrund der ersten Fehltage, aus Rücksicht auf chronisch Kranke, Abstand nehmen.

Ärzte:

  • Profitieren von der telefonischen Krankschreibung (AU). Es gibt keine Gefahr von Ansteckung vorort und die Termine sind schneller/leichter zu verwalten. (Manchmal spricht man nicht einmal mit dem Arzt)

  • Profitieren von einer Krankschreibung abzuschaffen dem ersten Tag. Ich schätze mal Abrechnung GOÄ70 und GOÄ1 sind möglich.

Arbeitgeber:

  • Verlieren durch die telefonische AU. Hypothese: Die sehr niedrigerem Hürde zum Arztbesuch lässt unsichere Patienten sich leichter krank schreiben. Hypothese: Sie würden früher wieder arbeiten. (Mögliche Ansteckung in der Praxis bleibt unberücksichtigt. Es ist unwahrscheinlich einen Kollegen anzutreffen. )

  • Profitieren von Krankschreibung ab dem ersten Tag. Die Hürde ist größer (siehe oben). (Möglicherweise Ansteckung im Unternehmen bleibt unberücksichtigt. Die Arbeitnehmer (AN) sollen dort nicht Kuscheln sondern Arbeiten.)

Krankenkassen:

  • Profitieren von telefonischer AU (siehe GOÄ1 vs GOÄ3).

  • Verlieren durch AU ab dem 1.Tag. Die Beratung und AU wird bei ihnen abgerechnet.

Die aktuelle Lösung, der AU sb dem 4.Tag, die Möglichkeit diese früher einzufordern und telefonische Anamese als aisreichende Möglichkeit für eine mögliche AU, ist darauf ausgerichtet unnötige Bürokratie und Dienstleistungen zu vermeiden.

Es gibt zwei Gründe füreine schriftlich (digital) erfasste AU.

  1. Die Dokumentation zur Bestimmung des Überganszeitpunkt von Lohnfortzahlung (AG) zu Krankengeld (Krankenkasse). 2.Der Nachweis im Fall eines gestörten Vertrauensverhältnis zwischen AG und AN.

Der erste Fall ist aktuell kein Inhalt in den Vorschlägen und Diskussionen. (Wobei 3Tage beim größten Teil der ANs ca. 15% des Monats und bezogen auf das Krankengeld für den ca.5% des Monatsgehalt zuzügl. AG-Beiträge bedeuten. )

Der zweite Fall ist jedoch eine Problemstellung die mit dem staatl. Sozialsystem Gesundheit nur Berührungspunkte besitzt. Der AG hat kein Vertrauen zu seinem Mitarbeiter, dass dieser eine kleine in kurzer Zeit mit Hausmitteln zu behandelnde Krankheit erkennt und selbst behandeln kann und verlangt verpflichtend einen professionellen Dienstleister. Zudem wird einigen unterstellt, dass diese das Vertrauen missbrauchen und betrügen. Hier wird eine Art Gutachter verlangt. Ungeachtet, dass die AU bereits im bestehenden System gefordert werden kann und oft auch pauschal gefordert wird, sollten AG und AN beim Thema Krankmeldung mehr miteinander sprechen. Ein Anruf beim Arzt für eine AU kann genauso Anruf beim Vorgesetzten ein. Ist dieser nicht überzeugt, kann dieser auch eine AU fordern. Wenn es nach mir ginge sogar auf Kosten Antragstellers (z.B. AG) und nicht des Gesundheitssystems (Krankenkasse). Im selteneren Fällen von längerer Krankheit mit Krankengeldanspruch kann, das dann gerne verrechnet werden.

Wir anonymisiert das Verhältnis Vorgesetzter (AG) zu Mitarbeiter (AN). Das macht vieles bequemer. Wenn wir Bürokratieabbau und resultierende Effizienz jedoch ernst nehmen, müssen wir wieder mehr auf zwischenmenschlicher Einschätzungen und der hierdurch möglichen Individualität verlassen und vertrauen. Was auch bedeutet, die notwendigen Kompetenzen zu fördern.

[–] it_depends_man@lemmy.world 15 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (3 children)

Äh. Naja. Nein.

Also, nochmal von vorne:

Der Arbeitgeber will das man arbeitet, man macht einen Vertrag der einen dazu VERPFLICHTET zu arbeiten, und andere lustige Dinge zu tun, wie z.b. zu schlafen damit man seine volle Arbeitsleistung dem bereitstellen kann der sie eingekauft hat.

Wenn man krank ist, hat man ein Problem: der Arbeitgeber hat immernoch den Vertrag und will immernoch das man arbeitet. Kann er mit vor gericht gehen. Um dieses Problem zu lösen, hat man sich ausgedacht: nein, der Arbeitnehmer kann zu einen Arzt gehen (der kennt sich aus) und lässt sich SCHRIFTLICH DOKUMENTIEREN das das mit dem Arbeiten nicht geht, weil man krank ist.

Das ist die Krankschreibung. Das man das auch wegen kleinem Scheiss machen muss, ist dumm, aber ist notwendig, weil sonst der Arbeitgeber ankommt und einen zwingt, nötigt, verklagt. Und wenn er es nicht bei mir persönlich macht, macht er es beim Kollegen, dem der nicht nein sagen kann und sich nicht wehrt.

Was wir dann brauchen, um diese "kleinen Krankschreibungen" abzuschaffen, ist nicht das man den Leuten sagt "klärt es mit dem Chef oder so, lol, keine Ahnung, kein Plan, denk dir was aus", sondern das man gesetzlich verankert, das Arbeitnehmer einfach so das Recht kriegen sich selbst als "krank" zu deklarieren, dafür einen Zettel aus einem System kriegen, Jobcenter oder Krankenkasse, der Arbeitgeber da NICHTS tun kann und die Leute halt einfach für drei Trage, eine Woche oder zwei krank sind.

Damit ersetzt man aber auch nicht die Krankschreibung. Sondern damit ersetzt man nur wer sie ausstellen darf.

[–] Kornblumenratte@feddit.org 7 points 23 hours ago (1 children)

Das ist doch die aktuelle Rechtslage:

Entgeldfortzahlungsgesetz §5:

  1. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. [...]

Eine ärztliche AU ist erst ab dem 4. Tag erforderlich. Allerdings:, auch EnttgFG §5 Satz 1:

[...] Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. [...]

Ist auch in Fällen, in denen das Vertrauensverhältnis gestört ist, Ok. Das Problem ist, dass viele Arbeitgeber grundsätzlich aufgrund einer Betriebsvereinbarung eine Bescheinigung verlangen, und diese nicht-medizinische Arbeit den Kassenärzten und die Kosten den Krankenkassen aufgedrückt wird.

Das ist ein bescheuertes System, weil die Kassenärzte mangels Kenntnis des Arbeitsplatzes in der Mehrzahl der Fälle ausschließlich auf die Angaben des Patienten angewiesen sind, um zu beurteilen, ob die auf diesem Platz arbeiten können. Außerdem ist der Arbeitgeber den Kassenärzten wurscht, sie werden daher bei Krankschreibungen in der Regel medizinisch auf Nummer sicher gehen und die Leute eher länger krankschreiben.

In den Niederlanden melden sich die Leute selber krank, und wenn der Arbeitgeber Zweifel hat, müssen sie zum Betriebsarzt. Das System macht Sinn.

[–] it_depends_man@lemmy.world 1 points 23 hours ago

Sehr guter Beitrag, vielen Dank!

[–] Chemo@feddit.org 14 points 1 day ago (1 children)

Ist das nicht genau das was die Ärzte fordern?

"Niemand, der krank ist, müsse sich dies in den ersten drei Tagen von einem Arzt bestätigen lassen. Derzeit gebe es noch 27 Millionen solcher Fälle."

"Niemand" heißt ja nicht individuelles Aushandeln mit dem Arbeitgeber, sondern eine pauschale Regelung.

[–] it_depends_man@lemmy.world 6 points 1 day ago

Nein. Die Ärzte fordern das niemand mit jedem kleinen Wehwehchen das sie sowieso nicht lösen können und lösen müssen zu ihnen in die Praxis kommt und sie nervt.

Das ist zwar total nachvollziehbar, aber hilft praktisch nicht, weil der Arbeitgeber wie schon gesagt immernoch einfach einfordern kann das man trotzdem kommt.

Und dabei sollte man auch nicht an das "gute geregelte Arbeitsverhältnis" denken, wo man sich gut kennt, vertraut und eigentlich gegenseitig das beste will, sondern an die richtigen Drecksjobs der Gesellschaft und die "Chefs" die sich einen Dreck darum scheren ob es ihren Mitarbeitern gut geht oder nicht.

Anders gesagt, dein Recht zu kriegen wenn es gar nicht bedroht ist, ist eine Selbstverständlichkeit, aber es zu kriegen wenn es bedroht ist, und sich keiner dafür interessiert, das macht den Rechtsstaat aus und daran müssen wir uns orientieren.

Genauso beim Arbeitsschutz. Es ist schön das wir auch Arbeitsschutz regelungen in Büros haben und wenn die mal schleifen ist es nicht sooo schlimm. Aber wenn der Arbeitsschutz bei ThyssenKrupp im Stahlwerk nicht stimmt, sterben Menschen.

[–] smokeysnilas@feddit.org 0 points 1 day ago (1 children)

Aber braucht man da zwingend einen aufwändigen Prozess? Reicht es nicht den Arbeitgeber formlos aber nachprüfbar zu informieren? Also ne kurze Email? Wenn der Arbeitnehmer das Recht hat seine Krankheit selber festzustellen, dann ist die Email eben der "Eigenbeleg" dafür und gut ist.

[–] Natur12@feddit.org 16 points 1 day ago (1 children)

Würde ich gut finden. Was soll das auch? Bei Unwohlsein, das aber nach 3 Tagen wieder verschwunden sein kann, muss man sich zum Arzt schleppen. Soweit ich weiß, bietet mein Hausarzt noch nicht einmal eine Krankschreibung per Telefon an.

[–] elvith@feddit.org 23 points 1 day ago (2 children)

Also als ich in einem Betrieb war, der ab dem 1. Tag die AU wollte musste ich mich immer zu Hausarzt schleppen. Der hat mich dann aber zur Sicherheit immer ein paar Tage länger krankgeschrieben als nötig - meist Pauschal mindestens eine Woche. Ist für die Wirtschaft auch nicht so optimal...

[–] flying_sheep@lemmy.ml 5 points 22 hours ago

Lustig dass das so nach hinten los geht. Wenn ich krank bin und mich nach den attestfreien 3 Tagen wieder gut fühle, arbeite ich.

Wenn mich jemand für eine Woche krank schreiben würde, würde ich mich daran halten, hat immerhin ein Arzt bestimmt lol.

[–] Natur12@feddit.org 2 points 21 hours ago

Da hast Du Recht.

[–] aaaaaaaaargh@feddit.org 5 points 1 day ago

Finde ich gut und wir handhaben das auch so. Allerdings muss man sagen, dass wir immer wieder Ärger mit den Krankenkassen haben, weil die mittlerweile jeden Mist exakt und fünffach nachgewiesen haben wollen und bei jeder Möglichkeit querschießen. Wenn man da mal gleichzeitig den "wir haben das Attest digital nicht erhalten" Joker aus dem Deck nehmen würde, wäre das nett für beide Seiten.