this post was submitted on 04 Jan 2026
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Das wird der Deal sein, den Trump sich vorstellt. Ihm geht es um ein Venezuela, das sich eng an die USA anlehnt und damit eine „Vorbildrolle“ für einige andere Staaten Mittel- und Südamerikas einnimmt. Um es mit Mao zu formulieren: Bestrafe einen und erziehe hundert. Das wäre dann ganz nach Trumps Geschmack: die Herstellung von US-Kontrolle über den südlichen Teil des Doppelkontinents bei relativ geringen Kosten und einem überschaubaren politischen wie militärischen Risiko. Kanada und Grönland, von denen der US-Präsident zu einem früheren Zeitpunkt ja bereits erklärt hat, dass er sie sich als Teil der USA einverleiben will, sind gut beraten, wenn sie die weitere Entwicklung um Venezuela mit großer Aufmerksamkeit verfolgen und dabei bedenken, dass sie es hier mit einem Mann zu tun haben, den die Regeln des Völkerrechts nicht interessieren.

Was heißt das – sollte es so eintreten – für die geopolitische Positionierung der USA? Die Konsolidierung eines territorial geschlossenen Raums im Sinne eines Imperiums des klassischen Typs wird mit der Neuordnung Venezuelas einen großen Schritt voranschreiten. Die USA ziehen sich aus der Rolle des Hegemons einer werte- und regelbasierten Weltordnung zurück, die sie lange Zeit, wenn auch mehr schlecht als recht, gespielt haben. Europa wird in diesem Projekt der Ordnung von Großräumen im Sinne Carl Schmitts für sie keine besondere Rolle mehr spielen, wie man das ja auch in der am Ende des vergangenen Jahres veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie der USA nachlesen kann. Vermutlich präferiert Trump dabei auch den Zerfall der EU, weil er mit den europäischen Einzelstaaten dann ein wirtschafts- wie sicherheitspolitisch leichtes Spiel haben wird.

Was Trump anstrebt, ist eine machtbasierte Weltordnung der drei Imperien. Russland, China und die USA sollen in dieser nach Einflussgebieten geordneten Welt das Sagen haben, wobei die USA die Hauptrolle spielen sollen. Das könnte in Kooperation mit Russland erfolgen, würde aber wohl auf einen Dauerkonflikt mit China hinauslaufen, von dem Präsident Xi Jinping ja seinerseits angekündigt hat, dass es in der Mitte des 21. Jahrhunderts die globale führende Macht sein werde. Und da ist dann auch noch der Konflikt um Taiwan, bei dem das Agieren der USA gegenüber Venezuela ebenfalls Vorbildcharakter haben könnte. China dürfte die Ereignisse um Venezuela mit größter Aufmerksamkeit beobachten, um daraus Schlüsse für die eigene Strategie zu ziehen.

Freilich hat Trump den zahlungskräftigen Taiwanern gerade erst hochmoderne Waffen verkauft, die das Vorhaben einer Einverleibung des Inselstaates erheblich gefährlicher machen als das US-Projekt, Venezuela in seine Botmäßigkeit zu zwingen. Aber diese Waffen sind noch nicht da. Bislang hat sich China mit Taiwan Zeit gelassen, wohl auch, weil es die Beziehungen zu den Europäern nicht verderben wollte. Das könnte sich unter dem unmittelbaren Eindruck der amerikanischen Venezuela-Intervention ändern.

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[–] it_depends_man@lemmy.world 26 points 6 days ago* (last edited 6 days ago)

Ich bin seit ca. einem Jahr wirklich positiv überrascht wie unsere Medien tatsächlich nicht vollkommen auf der pro amerikanischen Linie sind. Das hätte ich gar nicht so erwa...

Gastbeitrag

Achso. Tja.

Naja, wenigstens wirds in der Zeitung veröffentlicht, das zählt auch etwas.

[–] SapphireSphinx@feddit.org 16 points 6 days ago

Vermutlich präferiert Trump dabei auch den Zerfall der EU, weil er mit den europäischen Einzelstaaten dann ein wirtschafts- wie sicherheitspolitisch leichtes Spiel haben wird.

Und selbsternannte "Partrioten" helfen mit.

[–] Obin@feddit.org 5 points 5 days ago* (last edited 5 days ago)

Der innenpolitische Zweck für den Angriff ist in meinen Augen viel entscheidender. Man hat das schon beim Iran vergangenes Jahr gesehen, wo auch die Medien sofort auf Linie waren, auch wenn dann nicht allzu viel passiert ist. Die Machthaber in den USA wissen, dass sie das Land komplett umstrukturieren müssen wenn sie nicht auf dem Schafott landen wollen. Die Menschen dort sind wütend und aufgestachelt und ihnen wurde die Solidarität und Bildung genommen um die Gründe für ihre Situation vernünftig einordnen zu können. Bis die Network-States bzw. Freedom-Cities errichtet sind und die Milliardäre die volle Kontrolle über jeden Gedanken der Bevölkerung haben muss ein permanentes Bedrohungsszenario geschaffen werden, dass die Regierung aber trotzdem konstant souverän und in Kontrolle aussehen lässt (das ist essentiell für Faschismus). Das hält sowohl die liberale Opposition als auch die tollwütigen rechten Nazis so lange in Schach bis die Falle zugeschnappt ist. Wenn sie damit scheitern gibt es Bürgerkrieg und/oder das Land zerfällt weil sich Staaten nach und nach abspalten.

So oder so ist die US-Regierung denke ich weniger an einer "Weltordnung" interessiert, als daran innenpolitisch alle noch eine Zeit lang auf Linie zu halten, sowohl die Medien, die Investoren, als auch das dumme Volk. Wir müssen alle realisieren, dass es bei Geopolitik nicht mehr um Macht und Dominanz geht, sondern um Exit-Strategien für die Eliten, für den Moment wenn das ganze Kartenhaus in sich zusammenfällt. Alles andere ist Kasperletheater um davon abzulenken.

[–] plyth@feddit.org 1 points 5 days ago* (last edited 5 days ago)

Was Trump anstrebt, ist eine machtbasierte Weltordnung der drei Imperien. Russland, China und die USA

Ohne Indien? Ist das nicht etwas kurzsichtig?