Das wird der Deal sein, den Trump sich vorstellt. Ihm geht es um ein Venezuela, das sich eng an die USA anlehnt und damit eine „Vorbildrolle“ für einige andere Staaten Mittel- und Südamerikas einnimmt. Um es mit Mao zu formulieren: Bestrafe einen und erziehe hundert. Das wäre dann ganz nach Trumps Geschmack: die Herstellung von US-Kontrolle über den südlichen Teil des Doppelkontinents bei relativ geringen Kosten und einem überschaubaren politischen wie militärischen Risiko. Kanada und Grönland, von denen der US-Präsident zu einem früheren Zeitpunkt ja bereits erklärt hat, dass er sie sich als Teil der USA einverleiben will, sind gut beraten, wenn sie die weitere Entwicklung um Venezuela mit großer Aufmerksamkeit verfolgen und dabei bedenken, dass sie es hier mit einem Mann zu tun haben, den die Regeln des Völkerrechts nicht interessieren.
Was heißt das – sollte es so eintreten – für die geopolitische Positionierung der USA? Die Konsolidierung eines territorial geschlossenen Raums im Sinne eines Imperiums des klassischen Typs wird mit der Neuordnung Venezuelas einen großen Schritt voranschreiten. Die USA ziehen sich aus der Rolle des Hegemons einer werte- und regelbasierten Weltordnung zurück, die sie lange Zeit, wenn auch mehr schlecht als recht, gespielt haben. Europa wird in diesem Projekt der Ordnung von Großräumen im Sinne Carl Schmitts für sie keine besondere Rolle mehr spielen, wie man das ja auch in der am Ende des vergangenen Jahres veröffentlichten neuen Sicherheitsstrategie der USA nachlesen kann. Vermutlich präferiert Trump dabei auch den Zerfall der EU, weil er mit den europäischen Einzelstaaten dann ein wirtschafts- wie sicherheitspolitisch leichtes Spiel haben wird.
Was Trump anstrebt, ist eine machtbasierte Weltordnung der drei Imperien. Russland, China und die USA sollen in dieser nach Einflussgebieten geordneten Welt das Sagen haben, wobei die USA die Hauptrolle spielen sollen. Das könnte in Kooperation mit Russland erfolgen, würde aber wohl auf einen Dauerkonflikt mit China hinauslaufen, von dem Präsident Xi Jinping ja seinerseits angekündigt hat, dass es in der Mitte des 21. Jahrhunderts die globale führende Macht sein werde. Und da ist dann auch noch der Konflikt um Taiwan, bei dem das Agieren der USA gegenüber Venezuela ebenfalls Vorbildcharakter haben könnte. China dürfte die Ereignisse um Venezuela mit größter Aufmerksamkeit beobachten, um daraus Schlüsse für die eigene Strategie zu ziehen.
Freilich hat Trump den zahlungskräftigen Taiwanern gerade erst hochmoderne Waffen verkauft, die das Vorhaben einer Einverleibung des Inselstaates erheblich gefährlicher machen als das US-Projekt, Venezuela in seine Botmäßigkeit zu zwingen. Aber diese Waffen sind noch nicht da. Bislang hat sich China mit Taiwan Zeit gelassen, wohl auch, weil es die Beziehungen zu den Europäern nicht verderben wollte. Das könnte sich unter dem unmittelbaren Eindruck der amerikanischen Venezuela-Intervention ändern.
Die Tatsache dass es Sanktionen gibt ändert was genau? Die Sanktionen gegen Venezuela sind genauso willkürlich wie die Aktion hier verbrecherisch ist. Es gibt eine Schattenflotte, um die Auswirkungen der US Politik abzumildern, was vollkommen verständlich ist. Es kann nicht sein, dass die USA bestimmen können, wer Zugang zu den Weltmeeren hat.