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[–] kossa@feddit.org 1 points 15 hours ago (1 children)

Das ist aber nicht holdingspezifisch

Nein, ist es nicht. Aber aufgrund der Privilegien von Kapitalgesellschaften finde ich es unlogisch, das man versucht die gesamte Steuerlast auf Einkommensteuerniveau zu halten.

Wenn es einem Unternehmer wichtig ist, dass er nur Einkommensteuer zahlt, kann er ja eK oder eine GbR nehmen. Dann muss er halt als aufrechter Geschäftsmann mit Privatvermögen haften.

Oder er macht sich mittels einer Kapitalgesellschaft (weitgehend) frei von dieser Verantwortung, aber dann darf die Gesellschaft mMn auch deutlich höheres Schutzgeld, aka Steuer für dieses Privileg nehmen. Und zwar für jede Instanz des Risikovermeidungsstapels eines Konzerns.

Was schreibt sie denn genau?

Geht unter anderem um die historische Entstehung von Kapitalgesellschaften und des modernen Steuersystems (das in den westlichen Ländern überall erstaunlich gleich ist). Also wie mit der Änderung von Reichtum seit der Industrialisierung (bspw. Verschiebung von Landbesitz zu Produktionsmitteln) die Steuer- und Wirtschaftsgesetzgebung sich gezielt so mitgewandelt hat, dass Reichtum (Besitz) eben steuerlich gegenüber Arbeit begünstigt wird.

[–] Quittenbrot@feddit.org 1 points 13 hours ago

Aber aufgrund der Privilegien von Kapitalgesellschaften finde ich es unlogisch, das man versucht die gesamte Steuerlast auf Einkommensteuerniveau zu halten.

Ist eine politische Entscheidung, über die man diskutieren kann, klar! Aber das ist dann auch eine andere Diskussion als das ursprüngliche "Geheimtrick Holding" oder "3 Villen = Büro".

Wenn es einem Unternehmer wichtig ist, dass er nur Einkommensteuer zahlt, kann er ja eK oder eine GbR nehmen. Dann muss er halt als aufrechter Geschäftsmann mit Privatvermögen haften.

So fix verschränkt als Paket sind die beiden Sachen nicht. Mit einer GmbH & Co. KG hast du beides: volle Haftungsbeschränkung und transparente Besteuerung wie eine Personengesellschaft. Sehr häufig im Mittelstand und gibt es seit Ewigkeiten.

Umgekehrt darfst du als Personengesellschaft mittlerweile optieren, dich wie eine Kapitalgesellschaft besteuern zu lassen, und du darfst auch thesaurierte Gewinne wie eine Kapitalgesellschaft mit ~28% versteuern, also den elementaren Stundungsvorteil der Kapitalgesellschaft nachbilden, ohne eine sein zu müssen. Der Gesetzgeber ermöglicht hier ganz bewusst in beide Richtungen Flexibilität.

Oder er macht sich mittels einer Kapitalgesellschaft (weitgehend) frei von dieser Verantwortung, aber dann darf die Gesellschaft mMn auch deutlich höheres Schutzgeld, aka Steuer für dieses Privileg nehmen.

Nein, das darf die Gesellschaft tatsächlich nicht. So eine Art Steuer hatten wir bis 1992 mit der Gesellschaftssteuer. Die besteuerte den Erwerb von Anteilen an Kapitalgesellschaften. Diese Steuer wurde aber bereits seit den 60ern sukzessive auf EG-Ebene harmonisiert und ist heute über die EU-Kapitalansammlungsrichtlinie geregelt (2008/7/EG). Nach dieser Richtlinie darf diese Steuer auch nicht mehr eingeführt werden, europarechtlich ist die Tür hier also zu.

Und zwar für jede Instanz des Risikovermeidungsstapels eines Konzerns.

Die Haftung des Eigentümers wird durch die oberste Gesellschaft begrenzt, ganz gleich, wie viele Gesellschaften da noch unten dran hängen. Was man in Konzernstrukturen hat, ist die Risikotrennung zwischen den Geschäftsbereichen. Das stimmt. Aber auch dort sollte man sich nichts vormachen, Banken sind ja nicht blöd: wenn die sehen, dass die Tochter alles an die Mutter abtreten darf und selbst ziemlich dünn dasteht, dann gibt es Kredite nur, wenn entweder die Mutter mithaftet, Patronatserklärung oder sogar der Gesellschafter-Geschäftsführer eine persönliche Bürgschaft abgibt. Dazu die verschiedenen Formen von Haftung, die im Falle von Problemen trotzdem auftauchen können und Zugriff aufs "sichere" Vermögen erlauben (Geschäftsführerhaftung, Durchgriffshaftung, etc). So hermetisch abgeriegelt, wie man sich das auf dem Papier vielleicht vorstellt, ist es am Ende nicht.

Also wie mit der Änderung von Reichtum seit der Industrialisierung (bspw. Verschiebung von Landbesitz zu Produktionsmitteln) die Steuer- und Wirtschaftsgesetzgebung sich gezielt so mitgewandelt hat, dass Reichtum (Besitz) eben steuerlich gegenüber Arbeit begünstigt wird.

Keine Ahnung, wie das in Amerika oder Großbritannien ablief, aber bei uns war es eigentlich eher andersrum. In Preußen kam 1891 die progressive Einkommensteuer, 1893 die Vermögensteuer und 1906 die Erbschaftsteuer. Also mehr Besteuerung von Besitz statt weniger. Die Aussage würde aber stimmen, wenn man sie stattdessen auf die letzten 40 Jahre bezieht, denn da gibt es diese Tendenz tatsächlich.