this post was submitted on 16 Mar 2026
17 points (90.5% liked)
DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
5044 readers
470 users here now
Das Sammelbecken auf feddit.org für alle Deutschsprechenden aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und die zwei Belgier. Außerdem natürlich alle anderen deutschprechenden Länderteile der Welt.
Für länderspezifische Themen könnt ihr euch in folgenden Communities austauschen:
___
Zusätzliche Regeln aus „Lessons learned":
- Postet hier zu allen Themen, die euch interessieren (soweit sie den anderen Regeln genügen)
- Es werden Posts zum Thema Nahost / Palästina/Israel hier auf Dach gelöscht.
- Dasselbe gilt für Wahlumfragen à la Sonntagsumfrage.
- Bitte Titel von Posts nur sinnerweiternd und nicht sinnentstellend verändern. Eigene Meinungen gehören in den Superkommentar oder noch besser in einen eigenen Kommentar darunter.
- Youtube Videos bitte nicht ohne eine zusätzliche Zusammenfassung posten
___
Einsteigertipps für Neue gibt es hier.
___
Eine ausführliche Sidebar mit den Serverregeln usw. findet ihr auf der Startseite von feddit.org
___
founded 2 years ago
MODERATORS
you are viewing a single comment's thread
view the rest of the comments
view the rest of the comments
Das stimmt. Aber im Gegensatz zu damals sind jetzt die Amerikaner verantwortlich und Kritik an denen fällt .. ich sag mal vorsichtig 'Fans des traditionellen Block-Weltbildes' seit jeher am leichtesten.
Die USA, die halt auch zufällig die mit Abstand mächtigste Militärmacht der Welt sind. Ganz im Gegensatz zu Russland, das bereits bei der Ukraine an seine militärische Leistungsfähigkeit kommt. Dazu kommt, dass Deutschland und andere europäische Länder die Amerikaner als Verbündete bezeichnen und die USA in ihrem Imperialismus und ihrer Kriegstreiberei im Gegensatz zu Russland stets unterstützt haben. Kritik ist also wichtig und im Vergleich zu Kritik an Russland nicht nur die Selbstvergewisserung, doch auf der Seite der Guten zu stehen.
So könnte man es formulieren.
Oder eben: die Atommacht Russland führt seit über 4 Jahren mitten in Europa den größten und blutigsten Angriffskrieg seit dem 2. Weltkrieg. Mit der gleichen Entschlossenheit wie an Tag 1 und aus rein imperialistischen Beweggründen und zur Expansion ihres Staatsgebietes. Und eben gegen ein Land, das seine Atomwaffen gegen Sicherheitsgarantien aufgegeben hat. Mal ganz unabhängig davon, dass diese "Wiederherstellung des eigenen Reichs" auch weitere europäische Staaten und damit auch uns direkt betreffen wird, ist insbesondere der letzte Punkt eigentlich derjenige, der - zusammen mit der schalen Reaktion der Amerikaner - dazu geführt hat, dass nur eigene Nuklearwaffen der ultimative Schutz vor den Angriffen immer entfesselter agierender Nuklearmächte sind.
So hätte natürlich auch der "Jacobin" argumentieren können, statt so zu tun, als ob das Problem erst mit dem Überfall der Amerikaner auf den Iran - und nicht schon mit dem Überfall der Russen auf die Ukraine - begonnen hätte. Doch während auch dieser Artikel ausgiebig den ausgetrampelten Pfad "linker" Kritik am amerikanischen Imperialismus beschreitet, kommt der russische Imperialismus in nur einem Halbsatz vor.
Dabei ist es aber heuchlerisch, so zu tun, als wäre die besorgt beschriebene Entwicklung in Europa (Macrons Rede zum Ausbau des Atomarsenals, Polens Ambitionen,..) das Resultat der Aggressivität der Atommacht Amerika, ohne den Faktor der Aggressivität der Atommacht Russland zu benennen. Es bleibt schön kuschelig, mit für die geneigte Leserschaft leicht verdaulichen Weltbildern. Mir ist das zu simpel.
Was bringt es deiner Meinung nach, Russland zu kritisieren? Ändert sich etwas dadurch, dass wir kollektiv den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilen (was ja passiert, jedenfalls unter allen halbwegs normalen Leuten). Im Gegensatz zum amerikanischen Imperialismus gibt es bei Russland keinen echten Dissenz. Hier wird ja durchaus darüber diskutiert, ob USA und Israel nicht genau das richtige machen. Darum verstehe ich nicht, warum die Bürgis dieses Balncing immer einfordern. Das selbe bei Israel und Hamas. Und weil man das nicht einsieht (oder einsehen will), wird wahlweise Russlandnähe oder Antisemitismus unterstellt. Richtig ärgerlich finde ich das. Vor allem auch, dass sich die Autor:innen dadurch ganz besonders differenziert vorkommen. Ich bin froh, dass sich das so langsam ändert.
Wenn man darüber reden möchte, dass wir heute in einer Welt leben, in der überall so laut wie Ewigkeiten nicht mehr über eigene Atomwaffen nachgedacht wird, dann kommt man nicht daran vorbei, auch über die Rolle russischer Aggression dabei zu reden. Jedenfalls, wenn es mehr sein soll als der o.g. immergleiche Wohlfühldiskurs des dezidierten Antiamerikanismus in tagesaktuellen Schläuchen. Sorry, wenn ich das mal so drastisch sage. Wer die Suche nach den Grundlagen zu dieser Entwicklung erst bei der amerikanischen Aggression beginnt, nicht jedoch bei der russischen, der blendet einen nicht unerheblichen Teil dieser Grundlagen aus, gerade bezüglich der europäischen Entwicklungen. Und muss sich folglich fragen lassen, warum.
Sicher? Beinahe ein Drittel der Leute hierzulande sympathisieren mit Parteien des politischen Randes, die offen mit Russland kuscheln. In bestimmten Teilen Deutschlands sind die sogar stärkste Kraft. Mal ganz davon ab, dass es auch in Parteien jenseits des Schmuddelspektrums bis heute eine gewisse (geerbte?) Grundsympathie Russland gegenüber gibt, die zu gewissen Beißhemmungen führt. Eine wirklich monolithische Haltung in Deutschland zur Aggression Russlands gibt es jedenfalls nicht. Gibt es die überhaupt zu irgendeinem Thema? Die amerikanischen Aggressionen gegen den Iran finden hier ja auch nicht alle unreflektiert super, selbst wenn sie das iranische Regime ablehnen. Trump verfängt damit ja anscheinend nicht mal bei den eigenen Wählern..
Aber wie gesagt: mein Hauptpunkt ist eigentlich, dass man über das Problem der "Popularisierung von Atomwaffen" nicht wirklich glaubhaft diskutieren kann, wenn man die Rolle der russischen Aggression darin lediglich auf einen neutral formulierten Halbsatz runterreduziert. Das wirkt halt nach blindem Fleck bzw. Nicht-Hinsehen-Wollen.
Ich würde es sogar fast ausschließlich den USA anlasten. Es ist das Verhalten der USA, das seit dem zweiten Weltkrieg auf eine Situation hinausläuft, in der die USA entweder der unangetastete Hegemon der Welt sind, oder jeden mindestens gewaltsam bedrohen, der ihren geopolitischen Zielen im Weg steht. Statt diese Macht für eine regelbasierte Ordnung einzusetzen, haben sie stets ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen ihrer Kapitalistenklasse vertreten. Die Situation heute in der Ukraine ist ebenso Ergebnis amerikanischer Außenpolitik, wie der Zustand des Iran, Israel oder Nordkorea.
Das ist kein Antiamerikanismus, sondern einfach eine Analyse, welche die Rolle der USA in der Welt ernst nimmt und von dem unangenehmen Gedanken abstrahiert, dass wir uns als treue Vasallen der USA genauso daran beteiligt haben. Es ist intellektuell faul zu behaupten die USA und Russland wären in etwa gleich schlimm. Bestenfalls hätte man das während des kalten Kriegs behaupten können, wobei es selbst da schon eklatante außenpolitische Unterschiede gab. Dass diese Gleichsetzung notwendig wäre, fühlt sich für dich nur so an, weil du in einem Land lebst, das sich den amerikanischen Zielen untergeordnet hat und deshalb nicht von ihnen bedroht wird - obwohl sich ja selbst das inzwischen ändert, wie man etwa an der Grönland Sache sieht. Global betrachtet ist das ohnehin völlig anders. Das Völkerrecht, das vor allem auf Bestreben der USA geschaffen wurde, galt aus Sicht der USA von Anfang an nur für alle anderen. Und kein ernstzunehmendes Land außer den USA haben es öfter gebrochen. Alle nicht-hegemonialen Länder der Welt müssen die USA folglich als Bedrohung wahrnehmen, solange sie Interessen verfolgen, die denen der USA zuwider laufen. Und was werden diese Länder tun? Sich natürlich wehren oder zumindest auf eine Verteidigung vorbereiten.
Russland ist aber auch keine Bedrohung für dich. Ich weiß gar nicht, wie man das angesichts des Kriegs gegen die Ukraine überhaupt noch denken kann. Da zeigen sich doch eindeutig die extrem begrenzten Möglichkeiten des russischen Militärs. Leider sind die ökonomischen Interessen an einer Aufrüstung und diesem unglaublich dummen Militär-Keynesianismus so groß, dass man die Bevölkerung konstant in Angst und Schrecken vor den Russen versetzen muss. Der älteste Trick der Menschheit. Quasi jede Zustimmung zu jeder entbehrungsreichen Aufrüstung jemals wurde exakt so erzeugt. Dem Gegner wird eine prinzipielle Boshaftigkeit als wichtigstes Motiv unterstellt und schon bleibt nichts anderes, als das eigene Gewaltpotential zu erhöhen. In Russland erzeugt man die Zustimmung übrigens genauso.
Das auch andere kleine Atommächte wie Russland, Pakistan oder Israel extreme Scheiße bauen, weiß jeder. Aber kein anderes Land der Erde hat auch nur annähernd die Rolle in der Weltpolitik, welche die USA hat.
Dass du die Linkspartei dazu zählst ist zwar ziemlich dumm, aber ich ignoriere das mal. Die Leute bei denen wir uns einig sind, machen vermutlich unter <0,1% der Leserschaft von Jacobin aus. Es gibt überhaupt keinen Grund irgendwen davon zu überzeugen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine in jeglicher Hinsicht falsch ist. Anders sieht das bei Grünenwählern aus. Das siehst du selbst hier in den Kommentaren. Da wird schon mal zustimmend darüber geredet, dass man den Iran doch immer wieder bombardieren sollte. Und da ich glaube, dass bei einem guten Teil der Grünenwähler noch ein bisschen Verstand vor lauter Tagesschau, Bosetti, Spiegel, Lobo, Zeit Strack-Zimmermann, süddeutscher Baerbock, Özdemir und FUNK übrig geblieben ist, sind solche Artikel wichtig.
Das glaube ich gerne! Darum spreche ich ja auch vom ausgetrampelten Diskurs-Pfad, auf dem in bestimmten Sphären jeder mitlaufen und sich wohlfühlen kann.
Manche Leute denken, es sei schon elaborierte "Gegenbewegung" genug, wenn man statt unreflektiert die eigene Seite tollzufinden einfach unreflektiert die andere Seite tollfindet. Einfach die Vorzeichen auszutauschen, macht aus einem keinen "kritischen Denker"..
Tja. Ich denke, sie ist Ergebnis des russischen Angriffs, basiert auf ureigenem russischen Imperialismus und ist die Verantwortung des heutigen Russlands.
Die russische Propaganda hat erst letzte Woche angefangen, die Idee einer "Volksrepublik Narva" auf estnischem Gebiet zu propagieren. Analog zu den Erzählungen der "Volksrepubliken" in der Ukraine. Kann man als Auftakt dessen sehen, dass da ein Angriff vorbereitet werden soll. Ein Angriff auf estnisches Gebiet ist ein Angriff auf die gesamte EU und damit, selbst außerhalb der NATO-Strukturen, ein Angriff auf Deutschland. Das bedeutet: du (?) und ich wären unmittelbar betroffen.
Die "kleine" Atom- und Vetomacht Russland hat die größte Zahl Atomsprengköpfe weltweit. Das sollte man nicht herunterspielen.
Tue ich nicht. Die meinte ich bei "Parteien jenseits des Schmuddelspektrums".
Der "Jacobin" soll niemanden überzeugen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine falsch ist, sondern Russlands Rolle in der Frage, warum Atomwaffen heute wieder so populär sind, angemessen berücksichtigen.