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Einer der Vorwände für den Irankrieg lautet, die Entwicklung von Atomwaffen verhindern zu wollen. Doch die Folge des US-Angriffs dürfte im Gegenteil sein, dass immer mehr Staaten auf nukleare Abschreckung statt auf Diplomatie setzen.

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[–] Aequitas@feddit.org 1 points 1 day ago (1 children)

Was bringt es deiner Meinung nach, Russland zu kritisieren? Ändert sich etwas dadurch, dass wir kollektiv den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilen (was ja passiert, jedenfalls unter allen halbwegs normalen Leuten). Im Gegensatz zum amerikanischen Imperialismus gibt es bei Russland keinen echten Dissenz. Hier wird ja durchaus darüber diskutiert, ob USA und Israel nicht genau das richtige machen. Darum verstehe ich nicht, warum die Bürgis dieses Balncing immer einfordern. Das selbe bei Israel und Hamas. Und weil man das nicht einsieht (oder einsehen will), wird wahlweise Russlandnähe oder Antisemitismus unterstellt. Richtig ärgerlich finde ich das. Vor allem auch, dass sich die Autor:innen dadurch ganz besonders differenziert vorkommen. Ich bin froh, dass sich das so langsam ändert.

[–] Quittenbrot@feddit.org 2 points 1 day ago (1 children)

Was bringt es deiner Meinung nach, Russland zu kritisieren?

Wenn man darüber reden möchte, dass wir heute in einer Welt leben, in der überall so laut wie Ewigkeiten nicht mehr über eigene Atomwaffen nachgedacht wird, dann kommt man nicht daran vorbei, auch über die Rolle russischer Aggression dabei zu reden. Jedenfalls, wenn es mehr sein soll als der o.g. immergleiche Wohlfühldiskurs des dezidierten Antiamerikanismus in tagesaktuellen Schläuchen. Sorry, wenn ich das mal so drastisch sage. Wer die Suche nach den Grundlagen zu dieser Entwicklung erst bei der amerikanischen Aggression beginnt, nicht jedoch bei der russischen, der blendet einen nicht unerheblichen Teil dieser Grundlagen aus, gerade bezüglich der europäischen Entwicklungen. Und muss sich folglich fragen lassen, warum.

Ändert sich etwas dadurch, dass wir kollektiv den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilen (was ja passiert, jedenfalls unter allen halbwegs normalen Leuten). Im Gegensatz zum amerikanischen Imperialismus gibt es bei Russland keinen echten Dissenz.

Sicher? Beinahe ein Drittel der Leute hierzulande sympathisieren mit Parteien des politischen Randes, die offen mit Russland kuscheln. In bestimmten Teilen Deutschlands sind die sogar stärkste Kraft. Mal ganz davon ab, dass es auch in Parteien jenseits des Schmuddelspektrums bis heute eine gewisse (geerbte?) Grundsympathie Russland gegenüber gibt, die zu gewissen Beißhemmungen führt. Eine wirklich monolithische Haltung in Deutschland zur Aggression Russlands gibt es jedenfalls nicht. Gibt es die überhaupt zu irgendeinem Thema? Die amerikanischen Aggressionen gegen den Iran finden hier ja auch nicht alle unreflektiert super, selbst wenn sie das iranische Regime ablehnen. Trump verfängt damit ja anscheinend nicht mal bei den eigenen Wählern..

Aber wie gesagt: mein Hauptpunkt ist eigentlich, dass man über das Problem der "Popularisierung von Atomwaffen" nicht wirklich glaubhaft diskutieren kann, wenn man die Rolle der russischen Aggression darin lediglich auf einen neutral formulierten Halbsatz runterreduziert. Das wirkt halt nach blindem Fleck bzw. Nicht-Hinsehen-Wollen.

[–] Aequitas@feddit.org 0 points 1 day ago (1 children)

Wer die Suche nach den Grundlagen zu dieser Entwicklung erst bei der amerikanischen Aggression beginnt, nicht jedoch bei der russischen, der blendet einen nicht unerheblichen Teil dieser Grundlagen aus, gerade bezüglich der europäischen Entwicklungen

Ich würde es sogar fast ausschließlich den USA anlasten. Es ist das Verhalten der USA, das seit dem zweiten Weltkrieg auf eine Situation hinausläuft, in der die USA entweder der unangetastete Hegemon der Welt sind, oder jeden mindestens gewaltsam bedrohen, der ihren geopolitischen Zielen im Weg steht. Statt diese Macht für eine regelbasierte Ordnung einzusetzen, haben sie stets ausschließlich die wirtschaftlichen Interessen ihrer Kapitalistenklasse vertreten. Die Situation heute in der Ukraine ist ebenso Ergebnis amerikanischer Außenpolitik, wie der Zustand des Iran, Israel oder Nordkorea.

Das ist kein Antiamerikanismus, sondern einfach eine Analyse, welche die Rolle der USA in der Welt ernst nimmt und von dem unangenehmen Gedanken abstrahiert, dass wir uns als treue Vasallen der USA genauso daran beteiligt haben. Es ist intellektuell faul zu behaupten die USA und Russland wären in etwa gleich schlimm. Bestenfalls hätte man das während des kalten Kriegs behaupten können, wobei es selbst da schon eklatante außenpolitische Unterschiede gab. Dass diese Gleichsetzung notwendig wäre, fühlt sich für dich nur so an, weil du in einem Land lebst, das sich den amerikanischen Zielen untergeordnet hat und deshalb nicht von ihnen bedroht wird - obwohl sich ja selbst das inzwischen ändert, wie man etwa an der Grönland Sache sieht. Global betrachtet ist das ohnehin völlig anders. Das Völkerrecht, das vor allem auf Bestreben der USA geschaffen wurde, galt aus Sicht der USA von Anfang an nur für alle anderen. Und kein ernstzunehmendes Land außer den USA haben es öfter gebrochen. Alle nicht-hegemonialen Länder der Welt müssen die USA folglich als Bedrohung wahrnehmen, solange sie Interessen verfolgen, die denen der USA zuwider laufen. Und was werden diese Länder tun? Sich natürlich wehren oder zumindest auf eine Verteidigung vorbereiten.

Russland ist aber auch keine Bedrohung für dich. Ich weiß gar nicht, wie man das angesichts des Kriegs gegen die Ukraine überhaupt noch denken kann. Da zeigen sich doch eindeutig die extrem begrenzten Möglichkeiten des russischen Militärs. Leider sind die ökonomischen Interessen an einer Aufrüstung und diesem unglaublich dummen Militär-Keynesianismus so groß, dass man die Bevölkerung konstant in Angst und Schrecken vor den Russen versetzen muss. Der älteste Trick der Menschheit. Quasi jede Zustimmung zu jeder entbehrungsreichen Aufrüstung jemals wurde exakt so erzeugt. Dem Gegner wird eine prinzipielle Boshaftigkeit als wichtigstes Motiv unterstellt und schon bleibt nichts anderes, als das eigene Gewaltpotential zu erhöhen. In Russland erzeugt man die Zustimmung übrigens genauso.

Das auch andere kleine Atommächte wie Russland, Pakistan oder Israel extreme Scheiße bauen, weiß jeder. Aber kein anderes Land der Erde hat auch nur annähernd die Rolle in der Weltpolitik, welche die USA hat.

Beinahe ein Drittel der Leute hierzulande sympathisieren mit Parteien des politischen Randes, die offen mit Russland kuscheln

Dass du die Linkspartei dazu zählst ist zwar ziemlich dumm, aber ich ignoriere das mal. Die Leute bei denen wir uns einig sind, machen vermutlich unter <0,1% der Leserschaft von Jacobin aus. Es gibt überhaupt keinen Grund irgendwen davon zu überzeugen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine in jeglicher Hinsicht falsch ist. Anders sieht das bei Grünenwählern aus. Das siehst du selbst hier in den Kommentaren. Da wird schon mal zustimmend darüber geredet, dass man den Iran doch immer wieder bombardieren sollte. Und da ich glaube, dass bei einem guten Teil der Grünenwähler noch ein bisschen Verstand vor lauter Tagesschau, Bosetti, Spiegel, Lobo, Zeit Strack-Zimmermann, süddeutscher Baerbock, Özdemir und FUNK übrig geblieben ist, sind solche Artikel wichtig.

[–] Quittenbrot@feddit.org 1 points 1 day ago

Ich würde es sogar fast ausschließlich den USA anlasten.

Das glaube ich gerne! Darum spreche ich ja auch vom ausgetrampelten Diskurs-Pfad, auf dem in bestimmten Sphären jeder mitlaufen und sich wohlfühlen kann.

Manche Leute denken, es sei schon elaborierte "Gegenbewegung" genug, wenn man statt unreflektiert die eigene Seite tollzufinden einfach unreflektiert die andere Seite tollfindet. Einfach die Vorzeichen auszutauschen, macht aus einem keinen "kritischen Denker"..

Die Situation heute in der Ukraine ist ebenso Ergebnis amerikanischer Außenpolitik

Tja. Ich denke, sie ist Ergebnis des russischen Angriffs, basiert auf ureigenem russischen Imperialismus und ist die Verantwortung des heutigen Russlands.

Russland ist aber auch keine Bedrohung für dich.

Die russische Propaganda hat erst letzte Woche angefangen, die Idee einer "Volksrepublik Narva" auf estnischem Gebiet zu propagieren. Analog zu den Erzählungen der "Volksrepubliken" in der Ukraine. Kann man als Auftakt dessen sehen, dass da ein Angriff vorbereitet werden soll. Ein Angriff auf estnisches Gebiet ist ein Angriff auf die gesamte EU und damit, selbst außerhalb der NATO-Strukturen, ein Angriff auf Deutschland. Das bedeutet: du (?) und ich wären unmittelbar betroffen.

Das auch andere kleine Atommächte wie Russland, Pakistan oder Israel

Die "kleine" Atom- und Vetomacht Russland hat die größte Zahl Atomsprengköpfe weltweit. Das sollte man nicht herunterspielen.

Dass du die Linkspartei dazu zählst ist zwar ziemlich dumm

Tue ich nicht. Die meinte ich bei "Parteien jenseits des Schmuddelspektrums".

Die Leute bei denen wir uns einig sind, machen vermutlich unter <0,1% der Leserschaft von Jacobin aus. Es gibt überhaupt keinen Grund irgendwen davon zu überzeugen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine in jeglicher Hinsicht falsch ist.

Der "Jacobin" soll niemanden überzeugen, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine falsch ist, sondern Russlands Rolle in der Frage, warum Atomwaffen heute wieder so populär sind, angemessen berücksichtigen.