Mrs_deWinter

joined 2 years ago
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[–] Mrs_deWinter@feddit.org 1 points 1 day ago

Die Entnazifizierung in der BRD war extrem oberflächlich.

Da werd ich dir nicht widersprechen, und trotzdem betreiben wir Stand heute keine Gaskammern mehr. Scheint also doch irgendwie möglich zu sein, ein Land von solchen Schrecken wegzuentwickeln.

Im Übrigen hast du wohl vergessen, dass Deutschland nach dem Krieg in zwei Staaten geteilt wurde. Es kann sich also gar nicht um “den gleichen Staat” gehandelt haben. Dass das jetzt wieder ein Staat geworden ist, ändert nichts an der Sache, dass das “dritte Reich” aufgehört hat, zu existieren.

Schade, dass du die Quelle scheinbar gar nicht angeschaut hast, da wird das nämlich echt ausführlich aufgedröselt. Hier, ich zitiere mal einen prägnanten Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel:

Der Fortbestand Deutschlands als völkerrechtliches Subjekt durch alle Umbrüche seit mindestens 1871 bis zur heutigen Gestalt der Bundesrepublik Deutschland wird nicht mehr angezweifelt. Davon geht auch die herrschende Meinung in der Rechtswissenschaft aus, genau wie die für sie sprechenden Organe der Bundesrepublik.

Heißt übrigens nicht, dass das die einzig mögliche Auffassung ist. Man kann es sehr wohl auch anders auslegen. Mir ist dabei nur eines wichtig: Es war und ist kein bisschen eindeutig. Also lass uns bitte nicht so tun, als müsste es bei Israel eindeutig sein.

Was heißt denn für dich “Auslöschung eides Staates”? Wäre wichtig, um Strohmänner zu verhindern.

Ich wünschte mir eher, das würden mal die definieren, die es lautstark fordern. Ich bin dagegen, es zu fordern, eben gerade, weil es in seiner Ungenauigkeit die Position eines kulturellen Genozids zumindest potentiell miteinschließt.

Außerdem verharmlost du gerade einen Genozid.

Tu ich nicht, du hast mich falsch verstanden. Der aktuelle Genozid ist grausam und muss unbedingt aufhören. Das ist aus meiner Sicht nur völlig unabhängig von der Frage nach der Zerstörung Israels. Und wer die Zerstörung Israels damit rechtfertigt, dass Israel nie hätte entstehen dürfen, der nimmt die heutige Bevölkerung aus meiner Sicht einfach in eine historische Sippenhaft. Wer die Zerstörung Israels damit rechtfertigt, dass Israel ein Unrechtsstaat ist (was stimmt!), der schießt aus meiner Sicht aus emotionalen Gründen über das eigentlich wichtige Ziel (Genozid stoppen) hinaus und wünscht sich letztendlich Rache.

Aber letztendlich debattieren wir hier über Semantik. Uns beiden ist wichtig, dass Israel den Völkermord beendet, und sich so sehr verändert, dass kein weiterer begonnen wird. Ich finde man kann sehr wohl der Ansicht sein, dass Israel dafür als Staat vernichtet werden muss - nicht meine Meinung, aber kann man argumentieren. Aber was man nicht kann, zumindest nicht wenn man intellektuell ehrlich oder an einem konstruktiven Diskurs interessiert ist, ist so zu tun, als wäre das die einzig ethische Formulierung unserer gemeinsamen Forderung. Das ist einfach inflammatorisch und unnötig gewaltvoll.

Das ist ja das absurde an der dbzer0 Geschichte - hier werden Menschen und Positionen als das maximale Übel dargestellt, weil sie sich einer als absolute Extremposition formulierten Forderung nicht anschließen wollen! Muss man echt so tun, als wären alle Feddit User Genozidbefürworter, nur weil sie die Forderung nach einem Stopp der Gewalt anders verpacken? Was zum Teufel ist aus unserer Fähigkeit zur Nuance geworden? Das finde ich zum Haareraufen.

Die werden uns deförderieren, klar. Total schade. Aber schon bezeichnend, dass es andersherum keine solche Forderung gab. Müsste man ja fast erwarten, wenn Feddit so böse wäre, wie manche Kommentare dort drüben denken lassen.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 1 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (2 children)

Schlimm genug.

Warum? Die deutsche Verfassung wurde in der Annahme geschrieben, dass das Land Deutschland weiter existiert, und besteht trotzdem auf einen menschenwürdigen Umgang miteinander. Es ist nicht erforderlich, die Auslöschung eines Staates zu fordern, um die Fortsetzung schlimmer Verbrechen zu verhindern - Nazi Deutschland ist dafür der beste Beweis.

Die Alternative wäre ja, dass wir alle Unrechtsstaaten vollständig auslöschen müssten, wenn es denn die einzige Möglichkeit wäre. Das würde sogar noch deutlich weiter gehen als der moderne Imperialismus von Trump. Und würde vielfach einem kulturellen Genozid sehr nahe kommen.

Macht meinen Punkt aber nicht nichtig.

Finde ich schon, wenn du den Untergang des dritten Reichs als Beleg dafür nimmst, dass Israel genauso untergehen soll. Du könntest dann nämlich zumindest anerkennen, dass es keinesfalls eine eindeutig zu beantwortende Frage ist - wenn das nicht einmal bei Nazi Deutschland der Fall war.

Und ich halte es für naiv, intellektuell unehrlich, oder ignorant nicht anzuerkennen, dass die Grundidee des Staates Israel auf ethnischer Säuberung beruht.

Die Gründungsidee aller Staaten war grausam, das ist doch kein Argument für irgendwas. Sollen wir die USA auslöschen, weil sie das Land der indigenen Bevölkerung Nordamerikas abgenommen hat? (Welches Land würde überhaupt noch übrig bleiben nach dieser Logik?) Fakt ist, Israel existiert, und es leben heute Menschen dort, die sich kulturell damit identifizieren, und die nichts dafür können, wie ihr Land gegründet wurde. Denen kann man doch nicht einfach irgendeine theoretische Generationenschuld ihrer Vorfahren (bzw politischer Mäche außerhalb Israels, ebenfalls viele Jahrzehnte vorher) überstülpen und damit rechtfertigen, ihr Land zu zerstören.

Die Forderung nach der Vernichtung Israels geht am eigentlichen Problem sowieso total vorbei. Das was wir doch alle fordern ist ein Stopp des Völkermords, die Verfolgung der Verantwortlichen und ein System, das die derzeitigen Opfer nachhaltig und verlässlich schützt. Das sollte im Zentrum stehen. Der Rest ist emotional.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 5 points 2 days ago

Auf feddit.org wird leider gerne mal jede Art von Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung mit irgendwelchen absurden Auslöschungsphantasien gleichgesetz

Ehrlich gesagt seh ich häufig das Gegenteil. Feddit.org wird ja vor allem vorgeworfen, nicht für die Auslöschung von Irsael zu sein - und das wird dann mit absurden Auslöschungsfantasien in Gaza gleichgesetzt. So als wäre man automatisch pro Genozid, wenn man sich mit "Death to Israel" nicht enthusiastisch einverstanden erklärt.

Ich würde ja sagen, lasst uns einfach darauf einigen gar nichts auszulöschen und dienenigen rechtsstaatlich zu verfolgen, die es tun - aber aus Sicht von dbzer0 bin ich damit wahrscheinlich schon eine radikale Zionistin, die für den Völkermord in Gaza argumentiert.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 4 points 2 days ago (6 children)

Nazideutschland hat nach 1945 auch aufgehört zu existieren.

Das ist mindestens umstritten. Politisch und zum Schutz der Allgemeinbevölkerung wurde argumentiert, dass das deutsche Reich nicht untergegangen ist, sondern weiterentwickelt wurde.

Für mich ist das ein zentrales Argument, warum man nicht so tun kann, als sei "Death to Israel" ein normaler Vorschlag. Weil das nicht einmal mit dem dritten Reich gemacht wurde. Es gibt Deutschland heute noch immer. Dem Land, der kulturellen Einheit, dem Volk, der Nation wurde das Recht eingeräumt, weiterzuexistieren. Fucking Nazi Deutschland wurde das gestattet. Und zwar nur aus dem Grund, die Bevölkerung zu schützen, eben keinen weiteren Völkermord zu betreiben, es besser zu machen als die Nazis.

Ich halte es für unsachlich, intellektuell unehrlich und für die gemeinsame Debatte unglaublich destruktiv, wenn so getan wird, als sei man pro Völkermord in Gaza, wenn man Israel nicht vernichten will.

Vernichtung der Regierung: Geschenkt. Strafverfolgung der Verantwortlichen: Unbedingt. Auch zeitweise Besatzung und "Entnazifizierung" könnte man alles fordern. Aber "Death to Israel" geht darüber nochmal deutlich hinaus. Und es ist einfach Bullshit, wenn so getan wird, als sei das die einzig mögliche ethische Haltung zum Thema. Geradezu bizarr, das zu denken.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 1 points 4 days ago (1 children)

Sometimes men don’t fell comfortable expressing themselves with women around.

I agree, but I wonder if it's inevitable. Safe spaces for men would obviously have to be non-judgmental, but by women and men alike. In order to have safe spaces for men in the first place we'd need some kind of rules of conduct anyway. Explicitly or implicitly. And if those rules are in place it shouldn't make a difference if the people upholding them are men or women.

In real life I feel the justification for exclusively male spaces is often sexist in nature (e.g. "women cannot be non-judgemental" or "they wouldn't/couldn't be supportive of men) or based in toxic masculinity (by reinforcing that men have a role to play in front of women, which makes it impossible to truly open up before them).

Obviously we all have learned and integrated these gender roles so much that even if we disagree with them on a cognitive level, it's still a fact that we are restricted by them. So as long as we don't have equality, men will probably in parts be held back by the idea of being vulnerable in front of women, even though it shouldn't have to be this way. With that in mind maybe male only spaces could be a clutch until men get better at talking with women. I'm just wondering if we aren't yet at a point where we can think of something better, and make a step in the right direction already - with gender inclusive safe spaces, that clearly support the right and the opportunity for men and women alike to express their feelings.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 1 points 4 days ago (3 children)

men's spaces are an easy way for men to vent about shit that is bothering them.

That's what interests me. Why is that best achieved in exclusively male groups? What would actually be required to empower men to vent in gender inclusice spaces?

I mean what's really needed: Spaces without women, or spaces without toxic masculinity?

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 3 points 6 days ago

Lol alright. Thanks. Thought it might be a term for something specific

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 3 points 1 week ago (3 children)

Okay not at all what this is about, but what is a white widow? If you don't mind explaining. Looking that up brought me to a particularly strong strain of weed and a british terrorist.

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 12 points 1 week ago

Vom Originalpost rüberkopiert:

Lage der Nation rechnet beispielhaft vor, was die Einsparung konkret für die Versorgungslandschaft bedeuten könnte:

Setzt man voraus, dass es knapp 40.000 Psychotherapeut:innen (ärztlich und psychologisch) mit Kassensitz gibt ( KBV - Arztgruppe ) und geht man von grob 30 Patient:innen pro Woche aus (was schon viel ist), dann könnte der Honorarverlust durch ca ein bis zwei Privatpatient:innen ausgeglichen werden, die Plätze für GKV-Patient:innen einnehmen. Das würde für gesetzlich versicherte Menschen einem Verlust von 40.000 Therapieplätzen gleichkommen.


Ein Beleg dafür, wie billig ambulante Psychotherapie für die Krankenkassen eigentlich ist:

So betragen laut des Reports die direkten Kosten zur Behandlung psychischer Erkrankun­gen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährlich 44 Milliarden Euro. Davon ent­fallen nur vier Prozent auf die Psychotherapie.

Der Report Psychotherapie von 2021 rechnet mit Gesamtkosten von 2,8 Mrd. € für ambulante Psychotherapie. Von den Gesamtausgaben der GVK im selben Jahr sind das gerade einmal 0,9%.

Eine stationäre Behandlung ist fast 13-mal so teuer wie die ambulante Psychotherapie.

Oder anders gesagt: Ein Abbau der ambulanten Versorgung oder eine Verschlechterung des ambulanten Angebots wird für das Gesundheitswesen in Zukunft richtig, richtig teuer.

Woran zum Fick will der Spitzenverband hier also sparen? Im Ernst!?

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 2 points 1 week ago

Ein Beleg dafür, wie billig ambulante Psychotherapie für die Krankenkassen eigentlich ist:

So betragen laut des Reports die direkten Kosten zur Behandlung psychischer Erkrankun­gen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährlich 44 Milliarden Euro. Davon ent­fallen nur vier Prozent auf die Psychotherapie.

Der Report Psychotherapie von 2021 rechnet mit Gesamtkosten von 2,8 Mrd. € für ambulante Psychotherapie. Von den Gesamtausgaben der GVK im selben Jahr sind das gerade einmal 0,9%.

Aus der ersten Quelle:

Eine stationäre Behandlung ist fast 13-mal so teuer wie die ambulante Psychotherapie.

Oder anders gesagt: Ein Abbau der ambulanten Versorgung oder eine Verschlechterung des ambulanten Angebots wird für das Gesundheitswesen in Zukunft richtig, richtig teuer.

Woran zum Fick will der Spitzenverband hier also sparen? Im Ernst!?

[–] Mrs_deWinter@feddit.org 5 points 1 week ago (1 children)

Lage der Nation rechnet beispielhaft vor, was die Einsparung konkret für die Versorgungslandschaft bedeuten könnte:

Setzt man voraus, dass es knapp 40.000 Psychotherapeut:innen (ärztlich und psychologisch) mit Kassensitz gibt ( KBV - Arztgruppe ) und geht man von grob 30 Patient:innen pro Woche aus (was schon viel ist), dann könnte der Honorarverlust durch ca ein bis zwei Privatpatient:innen ausgeglichen werden, die Plätze für GKV-Patient:innen einnehmen. Das würde für gesetzlich versicherte Menschen einem Verlust von 40.000 Therapieplätzen gleichkommen.

 

Ein krasser Einschnitt für die psychotherapeutische Versorgung, den der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen spontan, ohne große Medienaufmerksamkeit und auch schon im nächsten Monat mal eben durchdrücken will: Einfach die Honorare für Psychotherapeut:innen um 10% kürzen (statt sie inflationsbereinigt anzuheben).

Man muss wohl zu dem Schluss kommen, die GKV finden, wir hätten zu viele Psychotherapeut:innen. Oder dass die vorhandenen Praxen zu viele Kassenpatient:innen behandeln, und zu wenig private? Denn das wäre in der Realität natürlich die einzige Folge dieser Anpassung: Weniger Therapieplätze für die gesetzlichen Kassen, oder gleich weniger Absolvent:innen, die Lust haben, eine Praxis aufzumachen.

Jeder, der schonmal wochen- oder monatelang auf der Suche nach einem ambulanten Therapieplatz war, muss da eigentlich sauer werden.

Medial bis jetzt trotzdem eher ein Nischenthema:

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submitted 3 months ago* (last edited 3 months ago) by Mrs_deWinter@feddit.org to c/plenum@feddit.org
 

Bonus-Meme:

 

The print on my new sweater is giving me a headache.

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