Schlimm genug.
Warum? Die deutsche Verfassung wurde in der Annahme geschrieben, dass das Land Deutschland weiter existiert, und besteht trotzdem auf einen menschenwürdigen Umgang miteinander. Es ist nicht erforderlich, die Auslöschung eines Staates zu fordern, um die Fortsetzung schlimmer Verbrechen zu verhindern - Nazi Deutschland ist dafür der beste Beweis.
Die Alternative wäre ja, dass wir alle Unrechtsstaaten vollständig auslöschen müssten, wenn es denn die einzige Möglichkeit wäre. Das würde sogar noch deutlich weiter gehen als der moderne Imperialismus von Trump. Und würde vielfach einem kulturellen Genozid sehr nahe kommen.
Macht meinen Punkt aber nicht nichtig.
Finde ich schon, wenn du den Untergang des dritten Reichs als Beleg dafür nimmst, dass Israel genauso untergehen soll. Du könntest dann nämlich zumindest anerkennen, dass es keinesfalls eine eindeutig zu beantwortende Frage ist - wenn das nicht einmal bei Nazi Deutschland der Fall war.
Und ich halte es für naiv, intellektuell unehrlich, oder ignorant nicht anzuerkennen, dass die Grundidee des Staates Israel auf ethnischer Säuberung beruht.
Die Gründungsidee aller Staaten war grausam, das ist doch kein Argument für irgendwas. Sollen wir die USA auslöschen, weil sie das Land der indigenen Bevölkerung Nordamerikas abgenommen hat? (Welches Land würde überhaupt noch übrig bleiben nach dieser Logik?) Fakt ist, Israel existiert, und es leben heute Menschen dort, die sich kulturell damit identifizieren, und die nichts dafür können, wie ihr Land gegründet wurde. Denen kann man doch nicht einfach irgendeine theoretische Generationenschuld ihrer Vorfahren (bzw politischer Mäche außerhalb Israels, ebenfalls viele Jahrzehnte vorher) überstülpen und damit rechtfertigen, ihr Land zu zerstören.
Die Forderung nach der Vernichtung Israels geht am eigentlichen Problem sowieso total vorbei. Das was wir doch alle fordern ist ein Stopp des Völkermords, die Verfolgung der Verantwortlichen und ein System, das die derzeitigen Opfer nachhaltig und verlässlich schützt. Das sollte im Zentrum stehen. Der Rest ist emotional.

Da werd ich dir nicht widersprechen, und trotzdem betreiben wir Stand heute keine Gaskammern mehr. Scheint also doch irgendwie möglich zu sein, ein Land von solchen Schrecken wegzuentwickeln.
Schade, dass du die Quelle scheinbar gar nicht angeschaut hast, da wird das nämlich echt ausführlich aufgedröselt. Hier, ich zitiere mal einen prägnanten Ausschnitt aus dem Wikipedia-Artikel:
Heißt übrigens nicht, dass das die einzig mögliche Auffassung ist. Man kann es sehr wohl auch anders auslegen. Mir ist dabei nur eines wichtig: Es war und ist kein bisschen eindeutig. Also lass uns bitte nicht so tun, als müsste es bei Israel eindeutig sein.
Ich wünschte mir eher, das würden mal die definieren, die es lautstark fordern. Ich bin dagegen, es zu fordern, eben gerade, weil es in seiner Ungenauigkeit die Position eines kulturellen Genozids zumindest potentiell miteinschließt.
Tu ich nicht, du hast mich falsch verstanden. Der aktuelle Genozid ist grausam und muss unbedingt aufhören. Das ist aus meiner Sicht nur völlig unabhängig von der Frage nach der Zerstörung Israels. Und wer die Zerstörung Israels damit rechtfertigt, dass Israel nie hätte entstehen dürfen, der nimmt die heutige Bevölkerung aus meiner Sicht einfach in eine historische Sippenhaft. Wer die Zerstörung Israels damit rechtfertigt, dass Israel ein Unrechtsstaat ist (was stimmt!), der schießt aus meiner Sicht aus emotionalen Gründen über das eigentlich wichtige Ziel (Genozid stoppen) hinaus und wünscht sich letztendlich Rache.
Aber letztendlich debattieren wir hier über Semantik. Uns beiden ist wichtig, dass Israel den Völkermord beendet, und sich so sehr verändert, dass kein weiterer begonnen wird. Ich finde man kann sehr wohl der Ansicht sein, dass Israel dafür als Staat vernichtet werden muss - nicht meine Meinung, aber kann man argumentieren. Aber was man nicht kann, zumindest nicht wenn man intellektuell ehrlich oder an einem konstruktiven Diskurs interessiert ist, ist so zu tun, als wäre das die einzig ethische Formulierung unserer gemeinsamen Forderung. Das ist einfach inflammatorisch und unnötig gewaltvoll.
Das ist ja das absurde an der dbzer0 Geschichte - hier werden Menschen und Positionen als das maximale Übel dargestellt, weil sie sich einer als absolute Extremposition formulierten Forderung nicht anschließen wollen! Muss man echt so tun, als wären alle Feddit User Genozidbefürworter, nur weil sie die Forderung nach einem Stopp der Gewalt anders verpacken? Was zum Teufel ist aus unserer Fähigkeit zur Nuance geworden? Das finde ich zum Haareraufen.
Die werden uns deförderieren, klar. Total schade. Aber schon bezeichnend, dass es andersherum keine solche Forderung gab. Müsste man ja fast erwarten, wenn Feddit so böse wäre, wie manche Kommentare dort drüben denken lassen.