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»Für Unternehmen ist es mittlerweile ein unkalkulierbares Risiko, Freiberufler zu engagieren – es ist in diesem Land nahezu unmöglich, rechtssicher auf Honorarbasis zu arbeiten«, sagt Leiner.

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»Das, was die Sozialgerichte gerade durchsetzen, führt zu einer Vernichtung unzähliger Existenzen«, sagt Leiner. Das Bundessozialgericht und das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen wollen sich auf Anfrage des SPIEGEL nicht dezidiert zu den Aussagen Leiners äußern.

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top 29 comments
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[–] djsp@feddit.org 2 points 6 days ago* (last edited 5 days ago) (1 children)

Ich finde das gut.

Mit Scheinselbstständigkeit werden in vielen Branchen –nicht nur in der Logistik– Arbeitsrechte umgangen. Unternehmen können Selbstständige im Gegensatz zu Angestellten jederzeit loswerden und sind bei Selbstständigen auch nicht an Arbeitszeiten gebunden. Lohnfortzahlung und bezahlten Urlaub gibt es in solchen Arbeitsverhältnissen ebenfalls nicht.

Scheinselbstständigkeit ist zwar auch für einige vermeintlich Selbstständigen von Vorteil, die sich damit die teuren Sozialversicherungsbeiträge sparen und sozusagen mehr Netto vom Brutto behalten, aber das auch nur, bis sie wegen schlechter Auftragslage, eines Unfalls oder einer längeren Erkrankung leer dastehen. Fürs Alter vorgesorgt wird auch selten ausreichend.

Alles in allem setzt Scheinselbstständigkeit Arbeitende unter Druck und ist damit zu unserem kollektiven Nachteil, auch wenn sie sich für den einen oder anderen im Augenblick lohnen mag. Dass die Umsetzung nicht nur ausbeuterische Unternehmen, sondern auch Arbeitende trifft, ist dennoch bedauerlich.

[–] Aufgehtsabgehts@feddit.org 1 points 4 days ago (1 children)

Scheinselbstständigkeit ist zwar auch für einige vermeintlich Selbstständigen von Vorteil, die sich damit die teuren Sozialversicherungsbeiträge sparen und sozusagen mehr Netto vom Brutto behalten, aber das auch nur, bis sie wegen schlechter Auftragslage, eines Unfalls oder einer längeren Erkrankung leer dastehen. Fürs Alter vorgesorgt wird auch selten ausreichend.

Zum Glück gibt es die Rentenkasse, die die armen verwirrten Unternehmer vor ihrer eigenen Dummheit schützen?

Selbst wenn in die Sozialkassen (freiwillig) eingezahlt wird, werden selbstständig arbeitende Unternehmer verfolgt. Und wenn dann von der Kasse 4 Jahre lang gewartet wird, um das Maximum aus den Verträgen rauszuholen, dann hat das nichts mehr mit dem Schutz vom Subsubsubunternehmer zu tun, sondern mit reiner Gewinnmaximierung.

Dass die Umsetzung nicht nur ausbeuterische Unternehmen, sondern auch Arbeitende trifft, ist dennoch bedauerlich

Könnte man ja korrigieren, durch klare Vorgaben zur Selbstständigkeit. Die sind aber so unklar, dass selbst Anwälte raten müssen, ob man grade selbstständig ist, oder nicht.

[–] djsp@feddit.org 2 points 3 days ago* (last edited 3 days ago)

Zum Glück gibt es die Rentenkasse, die die armen verwirrten Unternehmer vor ihrer eigenen Dummheit schützen?

Dass Selbstständige nicht genug vorsorgen, liegt nicht daran, dass sie das fahrlässig versäumen würden –was Du »Dummheit« bezeichnest–, sondern ist vielmehr eine Folge der Konkurrenz, der sie noch stärker ausgesetzt sind, als Angestellte. Bei einer Anstellung wird zwingend in die Rentenkasse eingezahlt; bei einer Beauftragung hingegen nicht. Das führt in vielen Branchen dazu, dass sich Selbstständige teilweise zu Lasten ihrer eigenen Vorsorge unterbieten müssen, um überhaupt zu konkurrieren. Die Einnahmen reichen dann gerade so fürs Leben, bis sie eben nicht mehr reichen.

Wie sonst woanders sehe ich hier keine Schuld bei diesen Selbstständigen. Das Problem ist eher das System, das das nicht nur zulässt, sondern fördert. Die Lösung ist aus meiner Sicht, solche Beauftragungen, bei denen der vermeintlich Selbstständige in Wirklichkeit von einem einzelnen Auftraggeber abhängig ist, in regulierte Arbeitsverhältnisse umzuwandeln.

[–] brainwashed@feddit.org 13 points 1 week ago

Ein wirkliches Unding. Und natürlich gibt es Bereiche, siehe Paket- oder Essens-Logistik, wo sub sub sub Unternehmer den Ton angeben und dringend mehr getan werden müsste, um die dort tatsächlich abhängig beschäftigten besser zu stellen. Aber da ist natürlich auch vergleichsweise wenig zu holen. da schaut man sich lieber gut verdienende Freiberufler an.

Das wirkt insgesamt auf mich, so, als wolle man möglichst viele Euros in sozialversicherungspflichtige Gehälter umwandeln und nicht möglichst vielen Schutzbedürftigen helfen.

[–] SapphireSphinx@feddit.org 13 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (1 children)

Und wer jetzt sagt, dann zahl doch Sozialversicherungsbeiträge: Das ändert auch nichts. Sie grätschen dir trotzdem rein.

[–] Aufgehtsabgehts@feddit.org 11 points 1 week ago

Das wäre nett, wenn es klare Vorgaben gäbe, wie Verträge von Selbstständigen aussehen sollten und was und wie viel an die Sozialkassen gezahlt werden muss. Nett, aber nicht lukrativ genug für die Kassen. Die warten auch gerne mal 5 Jahre mit ihren Anklagen, um das Maximum aus den Klagen rauszuholen.

Wie asozial kann ein soziales System sein?

[–] polle@feddit.org 10 points 1 week ago (1 children)

Ich check den Artikel nicht. Es liest sich als würde man sich Beschweren das alles den Bach runter geht und dann sind alle Beispiele Scheinselbstständige.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de 5 points 1 week ago (2 children)

Mittlerweile trifft es selbst die Klempnerin mit einem Dutzend Auftraggebern, die mit eigenem Auto und eigenem Werkzeug im Auftrag der Firma Krause zum Kunden gefahren ist, ihre Baustelle gemacht und eine Rechnung gestellt hat.

Wo Scheinselbstständigkeit?

[–] spechter@feddit.org 13 points 1 week ago (1 children)

Und als diese Aussage dann nicht weiter ausgeführt worden war, habe ich kurz darauf aufeghört zu lesen.

Ich kann doch nicht das erste Beispiel, dass von einem Laien auch als selbsständig wahrgenommen würde, einfach so stehen lassen.

Wenn diese Klempnerin jetzt selbstständig für 12 Immobiliengesellschaften unter einer gemeinsamen Mutter arbeitet, dann ist das in meinen Augen keine Selbstständigkeit. Da es nicht für nötig gehalten wird, das auszuführen, nehme ich eine ählich selbständige Selbstständigkeit wie bei den eingangs genannten Sportlehrern an.

Damit verkommt die erste Hälfte des Artikels zu "Buhu, böser Staat klaut Geld" wenn da irgendwelche scheinbar nicht ganz legalen und mit Sicherheit verwerflichen Gebilde kassiert werden.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de -1 points 1 week ago

Naja, wenn du einfach so davon ausgehen willst, dass alle Auftraggeber unter einem Mutterkonzern firmieren, bitte. Aber gestützt wird deine Annahme durch absolut gar nichts.

Werde doch mal bitte spezifisch. Welche Details findest du im Artikel, die "nicht fanz legal und mit Sicherheit verwerflich" sind, die aber im Artikel als normale Honirartätigkeit dargestellt werden. Und bitte erkläre dabei auch, warum du zu diesen Schlüssen kommst.

[–] Successful_Try543@feddit.org 6 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (1 children)

im Auftrag der Firma Krause

Eventuell ein einziger Auftraggeber, der sie zu einem dutzend Kunden geschickt hat?

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de -1 points 1 week ago (1 children)

Steht nicht im Text, wäre Spekulation um eine Behauptung zu stützen.

[–] Successful_Try543@feddit.org 5 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (1 children)

Ich finde den zitierten Satz komisch, da zunächst von mehreren Auftraggebern gesprochen wird, letztendlich dann wieder nur ein einziger, die Fa. Krause, herausgepickt wird.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de 0 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (1 children)

Joa, ein bisschen komisch formuliert, aber mMn zu wenig, um da ne Scheinselbstständigkeit draus drehen zu wollen und erst recht, wenn man von allen Beispielen spricht.

[–] Successful_Try543@feddit.org 3 points 1 week ago (1 children)

Dem Sozialgericht wird zur Entscheidungsfindung auch mehr zur Verfügung gestanden haben als der eine Satz.

[–] CyberEgg@discuss.tchncs.de -1 points 1 week ago

Aber der Artikel spricht ja gerade davon, dass die Gerichte neuerdings vermehrt anders urteilen und daher bestimmte Faktoren (wie mehrere, unabhängige Auftraggeber) nicht mehr so gewichtet werden wie vorher. Stattdessen spielen andere Faktoren (vor allem, wie relevant die Freiberufler für die Unternehmen sind) eine größere Rolle.

Du kannst daher nicht aufgrund dieses Satzes behaupten, dass es sich hierbei um eine Scheinselbstständigkeit handeln würde, vor allem, wenn der Artikel selber noch andere Beispiele nennt, in denen explizit gesagt wird, dass ein Auftraggeber auch extra drauf geguckt hat, dass die bisherigen Anforderungen und Grenzen zur Scheinselbstständigkeit gewahrt wurden!

[–] 10MeterFeldweg@feddit.org 8 points 1 week ago

Bei mir fiel der RV auf, dass ich ja seit über einem Jahrzehnt kein Lebenszeichen von mir gegeben habe. Zugegeben, ich habe damals wahrscheinlich bei all dem Papierkram vergessen, mich auch noch da zu melden. Nach all den Geschichten, die man in den letzten Jahren gehört hat, habe ich jetzt natürlich schon Sorge, auf was für Ideen man da kommt, was noch alles geprüft werden soll.

[–] DandomRude@lemmy.world -1 points 1 week ago (1 children)

Ja, Verwaltung als Selbstzweck, ein lang bekanntes und ein sehr erhebliches Probleme in Deutschland: Von Umsatzsteuervoranmeldung bis zu diesen Dingen machen einem die Beamten das Leben schwer - ohne Mehrwert, ohne Sinn und vor allem ohne auch nur das geringste Verständnis dafür, dass die Arbeit der Menschen eben nicht in Papierkram, sondern in ihrer Arbeit besteht.

Nun ja, wenn man den ganzen Tag nichts anderes tut, als auf Paragraphen herum zu reiten, verliert man eben das Gespür dafür, was Wertschöpfung eigentlich ist. Das wird sich wohl früher oder später von selbst erledigen, nehme ich an, da die überbordende Bürokratie so extrem ist, dass sie der Wirtschaft enorm schadet und zwar in einem Maße, dass es irgendwann nichts mehr zu verwalten geben wird - aber hey, das Beamten-Heer bekommen ja trotzdem seine gemütliche Pension; fragt sich nur, wer die dann noch bezahlen soll.

[–] kossa@feddit.org 11 points 1 week ago* (last edited 1 week ago) (1 children)

das Beamten-Heer

Ah, da isses wieder. Das gute Beamtenheer.

Deutschland hat mit den kleinsten öffentlichen Dienst in der OECD.

USA und UK haben größere öffentliche Dienste.

Funfact: ich glaube, uns kommt oft alles so bürokratisch vor, weil unser öD so unterbesetzt ist. Die ganzen Nervereien, die ich bspw. mit dem Finanzamt habe, sind Nervereien, weil ein einmal angestoßener Prozess 100 Jahre dauert. Und weil er hundert Jahre dauert, grätschen dann andere Abteilungen da rein.

Wenn ich innerhalb von 2-3 Tagen Antworten auf meine Fragen von Sachbearbeiter A bekäme, würde mir Abteilung B nicht eine Verspätungsmahnung schicken, und ich habe plötzlich 2 lose Enden, auf deren Erledigung ich Monate warte. Und ggf. fällt dann irgendeiner Partei C noch was auf und ich breche unter 'der Bürokratie' zusammen.

[–] DandomRude@lemmy.world -3 points 1 week ago

Als Angestellter ist es schon aufwändig genug, die Steuer zu machen, als Selbständiger ist es ein echter Zeitfresser. Es ist absurd, frustrierend und sinnlos. Die einzigen, die davon profitieren, sind die Steuerberater. Und dann eben auch noch solche Geschichten, wie in diesem Post beschrieben. Es ist derart nervig, dass man sich echt überlegen muss, ob es all das wert ist, oder ob eine Festanstellung nicht einfacher ist. Es nimmt einem die Freude an der Arbeit, die ich eigentlich gerne mache - die Verwaltung durchaus nicht.