this post was submitted on 19 Aug 2026
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hm, ich denke in dem Fall wäre eine Abschiebung falsch, da es hinreichend belegt zu sein scheint dass der Mann homosexuell ist und ihn wie du schon schreibst ein Schicksal erwartet das man moralisch nicht vertreten kann.
nur wie möchte man dies allgemein handhaben? irgend eine Instanz wird entscheiden müssen ob Homosexualität tatsächlich der Fall ist. Allgemeiner ist ja die Frage ob jemand aufgrund seiner Lebensart menschenunwürdige Konsequenzen im Zielland befürchten muss. Natürlich wird es Fälle geben bei denen das Individuum diese Lebensart vortäuscht, das macht die Sache dann schwierig. Und irgendwo wird dann entschieden werden ob man der person glaubt oder nicht.
Ich finde es unfassbar problematisch, wenn wir anfangen von Personen "Beweise" für die eigene Identität (Sexualität, Geschlecht, etc.) einzufordern. Eine Person muss nicht "schwul genug" sein, oder "trans genug" sein für irgendetwas.
Man könnte ja mal damit anfangen, dass Arbeitende (oder ehemals arbeitende Arbeitsunfähige) grundsätzlich ein Aufenthaltsrecht haben. Das wäre nicht nur im Interesse der Geflüchteten, sondern auch im Interesse des Arbeitgebers und des sozialen Umfelds (Familien, Freunde, Vereine, usw.).
Für Leute, die aktiv das Grundgesetz ablehnen (z.B. frauenfeindliche Islamisten, die im Ursprungsland besser integriert wären) könnte man Ausnahmen machen. Das wär auch nicht immer leicht zu belegen, aber es würde zumindest grundsätzlich Sinn machen. Integrierte Menschen abzuschieben, die ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten, ist dagegen schon vom Grundsatz her absurd.
Vielleicht sollte man bei so etwas erst mal schauen ob es überhaupt zu einem Problem wird. Weil nur weil etwas ausgenutzt werden kann heißt das nicht, dass es auch ausgenutzt wird. Und nur weil etwas ausgenutzt wird, heißt das noch nicht, dass das unbedingt ein Problem ist. Und nur weil etwas ein Problem ist, heißt das noch nicht, das jedes Mittel recht ist.
Paradebeispiel ist die mühsame Diskussion um trans Personen im Sport. Keinerlei konkrete Beispiele und vielleicht eine Hand voll Personen überhaupt auf die das zutrifft und trotzdem wird herum fantasiert wie wenn das erlaubt bleibt ja bei der Frauenolympiade bald nur noch trans Frauen gewinnen werden.
Ich kann mir vorstellen, dass die Schnittmenge aus Personen die hier eine Homosexualität "ausnutzen" könnten um im Land zu bleiben, denen die sonst nicht im Land bleiben könnten und denen, die das dann auch konkret ausnutzen würden eher gering sein wird.
Nicht abschieben.
Also plädierst du für ein allgemeines, dauerhaftes Aufenthaltsrecht für jeden Menschen weltweit in Deutschland / Europa ab dem Moment in dem er es geschafft hat das Land zu betreten?
Nein. Das greift zu kurz. Ich plädiere, die Freizügigkeit zum Menschenrecht zu erklären Arbeitsverbite abzuschaffen, flächendeckende Sprachkurse einzuführen, Fluchtursachen grundlegend zu bekämpfen, Frontex abzuschaffen, Pushbacks zu beenden, im Mittelmeer und auf anderen Fluchtrouten Hilfe zu leisten, solange Fluchtbewegungen stattfinden, Schleppern das Geschäftsfeld auszutrocknen, und so weiter.
Das sollen auch keine Einzellösungen sein, nichts davon wird magisch die Flüchtlingskrise beenden. Das muss holistisch und auf allen Ebenen angegangen werden (was aber nicht heißen darf, dass wenn wir nicht alles gleichzeitig umgesetzt bekommen, wir nichts davon angehen sollen. Schrittweiser Fortschritt ist immer noch besser als gar keiner).
Ich sage jetzt nicht, dass die Idee per se schlecht wäre oder dass ich sie grundsätzlich ablehnen würde... sie bringt aber interessante Probleme mit sich.
Um mal ein ganz polemisches Beispiel zu bringen: Wie würde so eine Regelung eine "feindliche Übernahme" verhindern? Einfach Zivilisten (oder als Zivilisten getarnte Soldaten) einsickern lassen und nach ein paar Jahren die Unabhängigkeit einer Region erklären?
Weniger polemisch: Wie sähe es mit den Sozialsystemen aus? Wenn wir nicht mehr von Flucht, sondern von einem Recht auf weltweite Freizügigkeit sprechen (d.h. keine Gefahr, einfach ins Flugzeug / Zug / Auto steigen und einreisen) könnte das tatsächlich zu einem signifikanten Pull-Faktor werden
Wie sähe es mit dem Arbeitsmarkt aus? Ein Recht auf Freizügigkeit würde vor allem eine gigantische Konkurrenz auf dem Markt für niedrigqualifizierte Arbeit schaffen - wenn man das mit der immer besser werdenden Automatisierung / Robotik zusammen betrachtet wäre das enormer gesellschaftlicher Sprengstoff
... und das sind nur die Probleme die mir spontan vor dem ersten Kaffee in den Sinn kommen...
Wie wäre es stattdessen mit einer Chance unser Rentensystem zu retten?
Geflüchtete werden mit verbesserter Integration unser Defizit auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen das die nächsten Jahre noch stark steigen wird. Sie sind schon jetzt auf einem vergleichbaren Niveau an Erwerbstätigkeit. Man stelle sich nur mal vor man würde sie aktiv intigrieren und fördern, ausbilden oder ihre Teils vorhandene vorhandene Ausbildung anerkennen.
Die Statistiken zeigen doch, dass Einwanderer nach ein oder zwei Generationen ungefähr genau so viele (oder wenige) Kinder bekommen wie die Einheimischen - man würde das Problem also damit nur ein Stück weiter in die Zukunft schieben... klar, für die aktuelle und vielleicht die nächste Rentnergeneration wäre das eine Lösung, und dann?
Diese Frage stellst du dann aber gerade den Falschen. Ich habe ja eben Formuliert dass ich Abschiebungen allgemein ablehne. Damit mach ich mir diese Problematik ja einfach. Niemand muss die Sexualität prüfen, wenn niemand abgeschoben wird. :)
Aber ja du hast vollkommen Recht. Wenn man für Abschiebungen ist, wie macht man das dann? Da stellt sich diese Frage. Danke für diesen Gedanken. Das merk ich mir. Mir würde auf Anhieb erstmal keine Lösung dafür einfallen.
Sicherheitshalber erstmal abschieben mit dem Hinweis:
"Wenn Sie dann tatsächlich zum Tode verurteilt werden, gerne einfach nochmal flüchten und einen neuen Antrag stellen"
GaLiGrü ihr Rechtsstaat
/s falls es wirklich notwendig ist