this post was submitted on 23 Jan 2026
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Frage von jemanden der so genau null Ahnung von LKWs hat: Würden dann nicht strategisch rund um den LKW platzierte Kameras Sinn ergeben? Ich meine, es ist doch bestimmt deutlich einfacher den Überblick über das Gefährt und die Umgebung zu behalten wenn man nicht ständig von Spiegel zu Spiegel schauen muss sondern nur noch einen Monitor vor sich hat der die komplette Umgebung abbildet... theoretisch könnte man das ganze dann noch mittels Bilderkennung auf potentiell gefährdete Personen / Kollisionsgefahr mit der Umgebung etc. aufbrezeln.
Guckstu hier:
Da ist gar kein Spiegel mehr verbaut. trollercoaster hat aber einen guten Punkt:
Die Kameras mit dem abgebildeten Display erfüllen genau die Funktion der in LKW verbauten Seitenspiegel (auf beiden Seiten je ein normaler und ein Weitwinkelspiegel) und haben auch das gleiche Sichtfeld. Die verbaut man nur, um den Luftwiderstand zu senken und sich die Mechanik zum Spiegel Einstellen zu sparen.
Die Spiegel finde ich allerdings sinnvoller, denn so, wie das Display an der A-Säule montiert ist, erzeugt es da einen größeren toten Winkel, als die A-Säule selbst. Die Spiegel sind außerhalb der Kabine in einer Höhe montiert, wo es praktisch ausgeschlossen ist, dass sie die Sicht auf die Straße behindern.
Außerdem können andere Verkehrsteilnehmer den Fahrer im Spiegel auch sehen. Das hilft bei der Kommunikation und um sicherzustellen, dass man gesehen wurde.
Es gibt wohl solche Systeme, hab aber noch keins live gesehen. Wie bei allen Warnsystemen, vermute ich, dass die eine gewisse Fehlerquote haben. Übermäßige Warnungen lenken ab. Unnötige Eingriffe in die Bremsen und Steuerung sind mitunter sogar gefährlich. Warnsysteme, die ständig ohne echten Grund warnen, werden irgendwann ignoriert oder ganz außer Kraft gesetzt. Das hat zum Beispiel dazu geführt, das Bremsassistenten gerne außer Kraft gesetzt werden, denn gerade die etwas schlechteren Systeme sind berüchtigt dafür, Vollbremsungen auszulösen, wenn man überholt wird und der Überholende zu kurz danach wieder die Spur wechselt. (Deswegen bitte beim Überholen von LKW großzügig Abstand lassen, bevor man wieder zurück auf die rechte Spur wechselt, eine unvermittelte Vollbremsung von einem 40-Tonner ist alles Andere als schön. Der braucht zwar ne knappe Minute von 0 auf 80, aber steht in 5 Sekunden, wenn solche Energien umgesetzt werden, will man nicht in der Nähe sein)
Straßenverkehr ist halt ein Stück weit gefährlich und wird das auch immer bleiben. Verkehrstote auf Null reduzieren, ist eine unrealistisch dumme populistische Forderung. Alle möglichen Fahrzeuge mit Sensorik vollstopfen, um einen statistisch kaum noch messbaren Rückgang von Unfällen zu erzielen, halte ich für übertrieben. Für sinnvoller halte ich, da, wo es möglich ist, die Übersichtlichkeit baulich zu verbessern und Unfälle durch entsprechende Verkehrsführung zu vermeiden. Außerdem braucht es auch mehr gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Zum Glück muss ich nicht mehr regelmäßig mit einem LKW in die Stadt, denn das ist der Horror. Wenn man zu viel Abstand zum Straßenrand hält, um zu vermeiden, dass einem unvermittelt Fußgänger zwischen geparkten Autos raus in die Karre laufen, oder man jemandem, der ohne zu gucken die Autotür aufreißt, die Tür abfährt, sehen ein paar lebensmüde Zweiradfahrer (sowohl Fahhrad, als auch Motorrad) das gerne als Einladung zum rechts Überholen. Gerade viele Fußgänger und Radfahrer sind dazu auch noch unterwegs, ohne auf ihre Umgebung und die Gefahren dort zu achten. Blick stur geradeaus, Kopfhörer auf oder Stöpsel im Ohr, am Besten noch ständig aufs Handy gucken. Es gibt sogar Leute, die meinen, bei LKW mit Anhänger, die an einer Ampel halten, zwischen Anhänger und Zugmaschine durchklettern zu müssen, um über die Straße zu gehen, oder Zweiradfahrer, die den Zwischenraum zwischen Anhänger und Zugmaschine für eine gute Stelle halten, um auch an der Ampel zu halten. Besonders schlimm fällt die geradezu lebensmüde Unaufmerksamkeit vieler Leute auf, wenn man in Fußgängerzonen Lieferverkehr fährt. Inzwischen hat sich leider scheinbar eine Auffassung breitgemacht, dass man, wenn man nur glaubt, im Recht zu sein, nicht mehr auf die eigene Sicherheit achten muss. Menschen machen aber halt Fehler, Technik ist unvollkommen und die Naturgesetze scheren sich einen Scheißdreck um die Straßenverkehrsordnung. Physik ist unerbittlich. Wenn große Massen in Bewegung sind, entstehen dann entsprechend große Schäden, unabhängig von der Rechtslage.
Kameras statt Spiegel gibt es auch inzwischen. Die dazugehörigen Displays sind dann ungefähr da montiert, wo auch die Spiegel wären, nur halt innerhalb der Kabine. Weiß nicht, was ich davon halten soll, viel Technik heißt immer viel Störanfälligkeit. Dass ein Spiegel überhaupt nicht mehr geht, muss schon viel kaputtgehen, bei einer Kamera reicht ein lockerer Stecker. Auf jeden Fall erhöht die Menge an komplexer Sensorik die Anschaffungs- und Betriebskosten und verringert die Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Technik. Das halte ich für eine unglaubliche Resourcenverschwendung.
In dem Zusammenhang zitiere ich aus dem Kopf die Best Practices für das Aufstellen von Stoppschildern in Großbritannien:
Fand ich ganz erhellend.
Natürlich ist es sinnvoll und es gibt so was schon länger.
Es gibt in Deutschland sogar ein Förderprogramm für die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen mit Abbiegeassistenzsystemen...
Wie hoch der Anteil der Nachrüstung ist, ist mir nicht bekannt.
Im Bus habe ich schon gesehen, dass da ein solches System läuft und Fahrer routiniert hinsehen.
Seit 2024 ist das bei Neukauf vorgeschrieben und langfristig werden wir hoffentlich weniger von Abbiegeunfällen lesen.