this post was submitted on 23 Jan 2026
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[–] trollercoaster@sh.itjust.works 13 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (2 children)

Ja, Rechtsabbiegen mit LKW ist saugefährlich, weil man da eigentlich mit den Augen überall gleichzeitig sein muss und das physisch einfach nicht geht, denn man hat nur 2 Augen, die sind vorne im Kopf, man muss also den Kopf ständig drehen, um aus allen Fenstern und in alle Spiegel zu gucken. Das geht nur in schneller Folge hintereinander, aber nicht gleichzeitig. Je nachdem, wie übersichtlich die rückwärtige Straße ist, sieht man gerade Radfahrer, die schnell unterwegs sind, dann auch im Spiegel evtl. sehr spät kommen (z.B. in Kurven mit geparkten Fahrzeugen am Straßenrand, aber auch ungünstig platzierte Schilder können da die Sicht versperren) Gerade in den rechten Spiegel schaut man eigentlich beim Rechtsabbiegen viel, denn den braucht man, um zu kontrollieren, ob das Hinterrad auch da ist, wo man es haben will (LKW sind in der Regel zu lang, um dafür ein vernünftiges "Arschgefühl" zu entwickeln, wie das bei PKW noch geht)

Wenn beim Abbiegen jemand unter den LKW gerät und mitgezogen wird, kann es sein, dass man nach der eigentlichen Kollision im Spiegel davon gar nichts mehr sieht, wenn die Person unter den LKW mitgezogen wird. Denn gerade, um die Sicherheit von Zweiradfahrern zu erhöhen, sind moderne LKW mit einem seitlichen Unterfahrschutz ausgestattet, der allerdings auch die Sicht auf den Boden unter dem Fahrzeug größtenteils versperrt. Wenn man da erst mal drunter ist, sieht einem der Fahrer praktisch nicht mehr. Physisch merken wird man von einem Fahrrad oder einer Person, die ungesehen unter das Hinterrad gerät, nicht viel, da ist einfach zu viel Größen- und Gewichtsunterschied im Spiel, außerdem sind Kabine und Sitz zu gut gefedert (Sitze mit Druckluftfederung), das schluckt einiges an Unebenheiten. Die Radfahrerin hier hatte Glück, dass der Fahrer sie gehört hat, was auch nicht selbstverständlich ist, denn auch die Schallisolierung ist in LKW recht gut, immerhin unterliegen die allen möglichen Arbeitsschutzvorschriften, die auch Lärmschutz beinhalten.

[–] RidderSport@feddit.org 2 points 1 day ago (1 children)

Bei abbiegenden LKW schaue ich so lange in die Spiegel bis ich wirklich Blickkontakt mit dem Fahrer hatte. Und ich hebe auch gerne den Arm hoch, sodass er meine Hand in der Scheibe sieht sobald ich mich in den toten Winkel vor ihm begehe.

Ansonsten heißt es für Fahrradfahrer immer, fahrt so als wären alle anderen betrunken und dement. Also immer davon ausgehen nicht gesehen worden zu sein und LKW Fahrern gegenüber einfach auf die Vorfahrt verzichten.

Gute Strategie. Wenn Du den Fahrer im Spiegel sehen kannst, kann er Dich auch sehen.

Ist vielleicht auch mal ein guter Test für diejenigen die hier immer mal wieder gerne behaupten, tote Winkel gäbe es gar nicht. Überall, wo man den Fahrer nicht sehen kann, sieht der einen auch nicht.

[–] RalfWausE@feddit.org 4 points 1 day ago (3 children)

Frage von jemanden der so genau null Ahnung von LKWs hat: Würden dann nicht strategisch rund um den LKW platzierte Kameras Sinn ergeben? Ich meine, es ist doch bestimmt deutlich einfacher den Überblick über das Gefährt und die Umgebung zu behalten wenn man nicht ständig von Spiegel zu Spiegel schauen muss sondern nur noch einen Monitor vor sich hat der die komplette Umgebung abbildet... theoretisch könnte man das ganze dann noch mittels Bilderkennung auf potentiell gefährdete Personen / Kollisionsgefahr mit der Umgebung etc. aufbrezeln.

[–] bleistift2@sopuli.xyz 5 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (1 children)

Würden dann nicht strategisch rund um den LKW platzierte Kameras Sinn ergeben?

Guckstu hier:

Da ist gar kein Spiegel mehr verbaut. trollercoaster hat aber einen guten Punkt:

viel Technik heißt immer viel Störanfälligkeit. Dass ein Spiegel überhaupt nicht mehr geht, muss schon viel kaputtgehen, bei einer Kamera reicht ein lockerer Stecker.

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 3 points 1 day ago* (last edited 21 hours ago)

Die Kameras mit dem abgebildeten Display erfüllen genau die Funktion der in LKW verbauten Seitenspiegel (auf beiden Seiten je ein normaler und ein Weitwinkelspiegel) und haben auch das gleiche Sichtfeld. Die verbaut man nur, um den Luftwiderstand zu senken und sich die Mechanik zum Spiegel Einstellen zu sparen.

Die Spiegel finde ich allerdings sinnvoller, denn so, wie das Display an der A-Säule montiert ist, erzeugt es da einen größeren toten Winkel, als die A-Säule selbst. Die Spiegel sind außerhalb der Kabine in einer Höhe montiert, wo es praktisch ausgeschlossen ist, dass sie die Sicht auf die Straße behindern.

Außerdem können andere Verkehrsteilnehmer den Fahrer im Spiegel auch sehen. Das hilft bei der Kommunikation und um sicherzustellen, dass man gesehen wurde.

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 4 points 1 day ago* (last edited 1 day ago) (1 children)

Es gibt wohl solche Systeme, hab aber noch keins live gesehen. Wie bei allen Warnsystemen, vermute ich, dass die eine gewisse Fehlerquote haben. Übermäßige Warnungen lenken ab. Unnötige Eingriffe in die Bremsen und Steuerung sind mitunter sogar gefährlich. Warnsysteme, die ständig ohne echten Grund warnen, werden irgendwann ignoriert oder ganz außer Kraft gesetzt. Das hat zum Beispiel dazu geführt, das Bremsassistenten gerne außer Kraft gesetzt werden, denn gerade die etwas schlechteren Systeme sind berüchtigt dafür, Vollbremsungen auszulösen, wenn man überholt wird und der Überholende zu kurz danach wieder die Spur wechselt. (Deswegen bitte beim Überholen von LKW großzügig Abstand lassen, bevor man wieder zurück auf die rechte Spur wechselt, eine unvermittelte Vollbremsung von einem 40-Tonner ist alles Andere als schön. Der braucht zwar ne knappe Minute von 0 auf 80, aber steht in 5 Sekunden, wenn solche Energien umgesetzt werden, will man nicht in der Nähe sein)

Straßenverkehr ist halt ein Stück weit gefährlich und wird das auch immer bleiben. Verkehrstote auf Null reduzieren, ist eine unrealistisch dumme populistische Forderung. Alle möglichen Fahrzeuge mit Sensorik vollstopfen, um einen statistisch kaum noch messbaren Rückgang von Unfällen zu erzielen, halte ich für übertrieben. Für sinnvoller halte ich, da, wo es möglich ist, die Übersichtlichkeit baulich zu verbessern und Unfälle durch entsprechende Verkehrsführung zu vermeiden. Außerdem braucht es auch mehr gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Zum Glück muss ich nicht mehr regelmäßig mit einem LKW in die Stadt, denn das ist der Horror. Wenn man zu viel Abstand zum Straßenrand hält, um zu vermeiden, dass einem unvermittelt Fußgänger zwischen geparkten Autos raus in die Karre laufen, oder man jemandem, der ohne zu gucken die Autotür aufreißt, die Tür abfährt, sehen ein paar lebensmüde Zweiradfahrer (sowohl Fahhrad, als auch Motorrad) das gerne als Einladung zum rechts Überholen. Gerade viele Fußgänger und Radfahrer sind dazu auch noch unterwegs, ohne auf ihre Umgebung und die Gefahren dort zu achten. Blick stur geradeaus, Kopfhörer auf oder Stöpsel im Ohr, am Besten noch ständig aufs Handy gucken. Es gibt sogar Leute, die meinen, bei LKW mit Anhänger, die an einer Ampel halten, zwischen Anhänger und Zugmaschine durchklettern zu müssen, um über die Straße zu gehen, oder Zweiradfahrer, die den Zwischenraum zwischen Anhänger und Zugmaschine für eine gute Stelle halten, um auch an der Ampel zu halten. Besonders schlimm fällt die geradezu lebensmüde Unaufmerksamkeit vieler Leute auf, wenn man in Fußgängerzonen Lieferverkehr fährt. Inzwischen hat sich leider scheinbar eine Auffassung breitgemacht, dass man, wenn man nur glaubt, im Recht zu sein, nicht mehr auf die eigene Sicherheit achten muss. Menschen machen aber halt Fehler, Technik ist unvollkommen und die Naturgesetze scheren sich einen Scheißdreck um die Straßenverkehrsordnung. Physik ist unerbittlich. Wenn große Massen in Bewegung sind, entstehen dann entsprechend große Schäden, unabhängig von der Rechtslage.

Kameras statt Spiegel gibt es auch inzwischen. Die dazugehörigen Displays sind dann ungefähr da montiert, wo auch die Spiegel wären, nur halt innerhalb der Kabine. Weiß nicht, was ich davon halten soll, viel Technik heißt immer viel Störanfälligkeit. Dass ein Spiegel überhaupt nicht mehr geht, muss schon viel kaputtgehen, bei einer Kamera reicht ein lockerer Stecker. Auf jeden Fall erhöht die Menge an komplexer Sensorik die Anschaffungs- und Betriebskosten und verringert die Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Technik. Das halte ich für eine unglaubliche Resourcenverschwendung.

[–] bleistift2@sopuli.xyz 5 points 1 day ago

Für sinnvoller halte ich, da, wo es möglich ist, die Übersichtlichkeit baulich zu verbessern und Unfälle durch entsprechende Verkehrsführung zu vermeiden.

In dem Zusammenhang zitiere ich aus dem Kopf die Best Practices für das Aufstellen von Stoppschildern in Großbritannien:

Wenn du eine Straße neu baust und ein Stoppschild brauchst, ist deine Straße Kacke. Geh zurück ans Zeichenbrett und plane so, dass du ohne Stoppschild auskommst.

Fand ich ganz erhellend.

[–] feldwespe@feddit.org 2 points 1 day ago

Natürlich ist es sinnvoll und es gibt so was schon länger.
Es gibt in Deutschland sogar ein Förderprogramm für die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen mit Abbiegeassistenzsystemen...
Wie hoch der Anteil der Nachrüstung ist, ist mir nicht bekannt.
Im Bus habe ich schon gesehen, dass da ein solches System läuft und Fahrer routiniert hinsehen.
Seit 2024 ist das bei Neukauf vorgeschrieben und langfristig werden wir hoffentlich weniger von Abbiegeunfällen lesen.