ich_iel
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Wenn die Mehrheit nicht in der Lage ist, die Gesetzte so zu ändern, dass sie Kapital aufbauen kann, um so selber über die Produktionsprozesse zu bestimmen, dann ist das Problem eher bei der Mehrheit.
(Nitpick: Kapital ist der falsche Begriff für erfolgreich vergesellschaftete Systeme der Daseinsvorsorge. Öffentliche Güter eher.)
Öffentliche Güter unterliegen der Kontrolle der Politiker und sind damit immer durch die Elite gefährdet. Ich denke es ist besser, die Systeme gemeinschaftlich privatrechtlich zu besitzen.
Wirkt auf mich, als machst du eine künstliche Trennung zwischen "öffentlichen" (ich nehme an du meinst "staatlichen") und "gemeinschaftlichen" Systemen, von denen nur eine Sorte "Politiker" hat und daher grundsätzlich den Eliten dient.
Ist dieses Bias gegenüber größeren Organisationen velleicht eine Ursache-Wirkungs-Umkehr? Klar gibt es mehr Beispiele für kleinere Organisationen, die nicht korrupt sind. Aber die Eliten wären auch nicht die Eliten, wenn sie sich nicht die größten Organisationen zunutze gemacht hätten.
Klar hat man bei großen Organisationen andere Probleme der Transparenz und Rechenschaft, die man bei kleinen nicht hat. Und man sollte auch keine blauäugigen Erwartungen von den politischen Titanen haben. Aber trotzdem...
Trotzdem halte ich so eine resignierte Haltung für fatal. Es braucht große Organisationen, um der wirtschaftlichen Macht der Eliten was entgegen zu setzen. Wenn man sich keine Organisationen von nationaler oder übernationaler Größe, die im allgemeinen Interesse handeln, mehr vorstellen wagt, legt man seine revolutionäre Phantasie in Ketten.
Mal ein Beispiel: wie wären denn die frei zugänglichen Wanderwege in den Alpen (absolut ein öffentliches Gut würd ich sagen) je mit gemeinschaftlich privatwirtschaftlichen Wegen zustande gekommen?
Wenn die Eigentümer keine sich isolierenden Milliardäre sind sondern die breite Bevölkerung, dann würde man einen Weg finden, sich zu einigen, da ja fast jeder Interesse an einem Wegenetz hat.
Ich denke der Unterschied ist, dass zentral verwalteter Besitz wie eine Monokultur ist. Es ist einfach zu kontrollieren, aber auch anfällig. Mischkulturen sind aufwändiger aber dafür auch sicherer.
Die Elite lebt davon, mit wenigen Anrufen alles erledigen zu können. Wenn das aufwändiger ist, ist das für alle aufwändiger, aber nur für die Elite ein wirkliches Hinderniss.
Ich hab durchaus Symapthie für solche dezenzentralen Ansätze. ("rhizomatisch" ist eins meiner Lieblingsadjektive.) Die Kleinstaaterei im Fediverse oder Trägerschaften auf kommunaler Ebene statt Land/Bund (z.B. MVZs, KiTas, Wohnen) finde ich gut.
Ich glaube aber, dass man gewisse dicke Bretter der Verteilungsgerechtigkeit so nicht gebohrt bekommt, z.B. Rente, Grundsicherung & Gesundheitsversorgung. Auch kann man so keine schon bestehenden Kapitalkonzentrationen aufbrechen. (Z.B. die Eigentümer der Wiesen und Wälder, die die freien Wanderwege blockierten, waren nicht die breite Bevölkerung.) Dazu kommen manche Sektoren, die von ihrer Natur her von Zentralisierung profitieren, z.B. die Bahn & Strom/Datennetze.
Am Ende glaube ich aber auch, es muss kein Widerspruch sein. Es sind zwei Strategien der Befreiung, die man vefolgen kann. Bei manchen Themen ist die eine im Vorteil, bei manchen die andere. Ein Bias welche Strukturen die besten sind, sollte nicht realisierbaren positiven Projekten im Weg stehn.
ja finde ich auch gut. zum einen bin ich für die verschiebung realer macht weg vom staat und hin zu kleineren kommunen, damit die beteiligten menschen direktes feedback geben können (mit mistgabeln und fackeln vor die burg des fürsten marschieren geht halt schlecht wenn der 500 km entfernt wohnt).
zum anderen profitieren größere strukturen halt sehr maßgeblich von billigerer intelligenz. was damit gemeint ist, dass es z.b. sehr viel einfacher ist eine neue chemikalie (medikament) zu erforschen wenn die region des auftraggebers 500 millionen einwohner hat anstatt 500 tausend, weil sich die konstanten forschungskosten auf viel mehr einwohner verteilen und daher die kosten pro person viel niedriger werden.
die von dir genannten beispiele profitieren daher von zentralisierung, weil es hier um konsistenz geht; es geht darum, dass die bahn in ostdeutschland gleich gebaut wird wie in spanien, damit der güterzug in einer fahrt durchfahren kann, ohne mühsam die spurbreite wechseln zu müssen. da das wesen des transports naheliegenderweise der ferntransport ist, ist eine konsistente herangehensweise, d.h. überall werden die bahngleise gleich gebaut, wünschenswert. und ebenso natürlich bei datenübertragungsprotokollen usw.
Njaa, Standardisierung ist wichtig, aber auch nicht alles. Bei langlebiger Infrastruktur macht es auch viel aus, ob sie gut strategisch entwickelt wird, also Redundanz vermieden und gute Interkonnektivität erreicht wird. Man braucht sich nur mal die Faxen der anglo-amerikanischen Privatbahnen ansehen, um zu sehen was ich meine. Strom- & Datennetze haben ähnliche Eigenschaften, die beeinflussen wie gut sie mit Lasten umgehen können. (Aber da kenn ich mich noch weniger aus zugegeben.)