this post was submitted on 20 Mar 2026
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Wieso drängt man nicht, unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden?
Nein nein das siehst du ganz falsch.
Wir müssen uns dringend mit stark emotional aufgeladenen Themen wie Tempolimit und Atomkraft aufhalten, damit wir nicht über die offensichtlichen Lösungen reden.
Sonst käme noch raus, dass die Grünen schon immer recht hatten und das kann ja keiner wollen.
Letztens hab ich jemanden spekulieren hören, wie es Amerika wirtschaftlich gehen könnte, wenn sie schon in den frühen 2010ern voll auf erneuerbare gesetzt hätten, man hätte ja jetzt dann der ganzen Welt die Technologie verkaufen können.
Ja, no shit. Deutschland war nach dem Atomausstieg in genau dieser Position. Aber um den Grünen diesen (moralischen) Sieg nicht zu gönnen und auf Befehl der Fossillobby hat dann Altmaier diese Industrie in der Wiege erdrosselt, zulasten der Gesellschaft und der Zukunft des Landes. Das ist keine "hätte, hätte Fahrradkette"-Situation, Deutschland wäre jetzt Weltmarktführer wenn die CDU nicht solche gesellschaftsschädigenden, kurrupten Arschlöcher wären.
Stattdessen müssen wir jetzt halt aus China kaufen um eine Energiewende hinzubekommen, wobei ich mir sicher bin, dass die CSPDU das auch wieder maximal sabotieren wird.
Oder in den 1980ern. Die hatten mit Three Mile Island / Harrisburg 1979 eine waschechte (lange untern Teppich gekehrte) Kernschmelze und der damalige Präsident Jimmy Carter - der im Bereich Reaktorsicherheit gearbeitet hatte- hat Solarenergie gefördert und sogar Solarpanels aufs Dach vom Weissen Haus machen lassen.
Man muss aber sagen, dass solche Krisen sehr langfristige Veränderungen anstossen, die aber trotzdem viel Wumms haben. Den heutigen technischen Stand bei EE hat sich damals kaum jemand vorzustellen getraut.
Interessantes Dokument aus der Zeit:
A Generational Challenge to Repower America Al Gore, 2008.
Und auch: Carl Sagan testifying before the US Congress on Climate Change, 1985
Die AfD wäre auch deutlich weniger populär. Die deutsche Solarindustrie hat gerade im Osten viele Arbeitsplätze geschaffen und verspätet doch noch die Versprechen eingelöst, die zur Wende gemacht wurden.
Dann hat die Regierung ihr den Genickschuss verpasst, zehntausende Leute arbeitslos gemacht und die gesamte Region zu weiteren Jahren der Brachlage verdammt. Kein Scheiß, dass die nicht mehr gut auf die damals etablierten Parteien zu sprechen sind.
Tempolimit würde ja schon mal eine kleine Menge einsparen, und zwar sowohl zeitnah als auch billig. Dass nahezu jede vernünftige Massnahme (bis hin zum Ersatz von gesundheitsschädlichen Gasherden, in den USA) von den Rechten zum Kulturkampfthema hochstilisiert wird, besagt nicht, dass Schritte nicht sinnvoll sind. Auch wenn sie nicht ausreichen.
Wenn die Grünen für Atomkraft und Elektroautos gewesen wären, dann hätte die Erderwärmung nicht stattfinden müssen.
Die Grünen hatten recht: Energiewende ist der beste Weg aber der Atomkraftausstieg ohne Zwischenlösung war grenzenlose Dummheit oder Optimismus. Wir hätten jetzt schon klimaneutral sein können hätten wir mehr auf Atomkraft als Übergangskraft gesetzt. Öl, Kohle und Gas hätten wir übergangsmäsig mit Atomkraft ersetzen können und dabei Wind, Sonne, und andere Energiequellen aufbauen können.
Für Atomkraft ist es nun in Deutschland zu spät. Die einzigen die daran verdienen werden sind die VS-Firmen die diese unerprobten SMRs verkaufen wollen. Es wird uns Abermilliarden mehr kosten jetzt in Atomkraft zu investieren. Es uns "nur" ein paar Milliarden kosten um jetzt voll auf Windkraft, Sonnenenergie, Geothermie, und Flüssigbatterien, Schwerkraftbatterien, Wasserstoffbatterien, und sonst alles zu setzen. Teuer aber besser als Abermilliarden die dann ins Ausland fließen (VS vor allem).
Das ist aus vielen Gründen falsch. Insbesondere weil Gaskraftwerke im Minutenbereich regelbar sind, Atomkraftwerke aber nicht.
Das Problem ist, dass das schlicht und einfach nicht geht. Selbst wenn jeder jetzt auf die Idee kommt, das Richtige zu tun, die Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, das Verbrennerauto in die Schrottpresse zu packen und durch ein E-Auto zu ersetzen, wird es trotzdem nicht funktionieren. Die große Herausforderung aktuell ist, dass ein gigantischer Teil der fossilen Energieproduktion auf dem Weltmarkt plötzlich weggefallen ist und es daher eine ernsthafte Knappheit gibt. Das kriegst du nicht so mal eben ersetzt, wir reden über gigantische Mengen.
Die Hersteller und Handwerker, die Alternativen im Sortiment haben, sind schlicht und einfach nicht in der Lage, diese gewaltige Menge kurzfristig zu ersetzen. Ein Wärmepumpenhersteller hat nur eine gewisse Produktionskapazität. Die Handwerker können auch nicht mehr Wärmepumpen verbauen, selbst wenn sie jetzt neue Leute suchen. Und auch die E-Auto-Hersteller können nicht plötzlich zig Millionen Fahrzeuge in den nächsten zwei Wochen herstellen. Die geplante Transformation ist ja langfristig gedacht, dass im Endeffekt die Leute sich ein E-Auto kaufen, wenn das Bestehende kaputt ist, oder die Heizung dann durch eine Wärmepumpe ersetzen, wenn die Alte das Ende ihrer Lebenszeit erreicht hat. Das Problem ist, dass wir jetzt diesen riesigen Schock haben und theoretisch mehrere Jahrzehnte an Umstellung noch diesen Sommer machen müssten.
Und ja, da können wir uns bei ganz bestimmten Parteien bedanken, die in den letzten Jahren wider besseres Wissen genau diese notwendige Transformation so sehr verzögert, verschleppt und sabotiert haben, dass uns das jetzt zum zweiten Mal richtig auf die Füße fällt. Vielen Dank auch.
Angegangen und gefordert werden muss es aber, dringend. Insbesondere von solchen Verbänden. Aber es kommen nur Forderungen und Vorschläge, die man später leicht wieder zurückbauen kann, und kein "Um die Krise jetzt abzumildern brauchen wir X, aber um langfristig solchen Krisen vorzubeugen müssen wir Y!" Das fehlt komplett.
Im Zweifelsfall kriegen wir eine Mischung aus 70er-Ölkrise und COVID-19.
In Sachen aktive Maßnahmen Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. 100 km/h auf Autobahnen wie in den 70ern) und Pflicht zur Remote-Arbeit wo möglich. Empfiehlt ja auch die IEA so. Dazu vermutlich noch die Einstellung von Kurzstreckenflügen, allein schon aus Kostengründen.
Auch zu erwarten sind wirtschaftliche Schäden mit Firmenschließungen und einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Massiver Anstieg der Benzin- und Dieselpreise, weil das Öl für die Wirtschaft benötigt wird. Und all das spielt den Bauernfängern in die Hände, weil bei komplexen Problemen die Leute mit den einfachen Lösungen immer Gehör finden.
Das hätte frühzeitig vermieden werden können, wurde aber nicht. Mit geschickter Steuerung könnte man das noch abdämpfen, aber ein Teil des Schadens ist gemacht und, naja, wir haben die Union am Steuer.
Die IEA geht etwas weiter mit ihren Vorschlägen, als die Tagesschau beschreibt:
https://www.bbc.com/news/articles/cvg4540d0g4o
Und Fatih Birol, den Vorsitzenden der IEA zitierend
Aber auch das ist ja wieder keine langfristige Abkehr von Fossilen.
Und auch das, okay, die Krise ist größer. Aber da wird eben auch nichts gefordert, was langfristige Veränderungen betrifft.
Warum nicht beides?
Hab ja nicht "stattdessen" geschrieben.
Weil die fossile Industrie sich gegen jede Abkehr von fossilen Energiezrägern sperrt - sie weiss, dass die fossile Technik aus Klima- und auch Kostengründen nicht wieder kommt. Sie ist unter Marktbedingungen nicht mehr konkurrenzfähig .
Jedenfalls nicht in einer Demokratie.
Und die fossile Industrie und fossile Oligarchen wie die Koch-Brüder sind mit den Rechten wie Bannon, Bolsenaro, usw eine Symbiose eingegangen: Die Industrie spendet rechten Parteien Geld. Und beide Seiten arbeiten an der Abschaffung der Demokratie. Deswegen sind auch MAGA und Putins Oligarchen nicht weit auseinander.
Kann man alles in den USA prima beobachten.
Man kann auch das eine tun und das andere nicht lassen 😊
Wie schon auf einen ähnlichen Kommentar geantwortet, ich sagte ja nicht "stattdessen". Aber von den Fossilen müssen wir weg, und ich denke, dringender als zum Home Office oder Tempolimit.
Home Office und Tempolimit kann man halt von heute auf morgen beschließen. Die meisten Autobesitzer fahren aber immer noch Verbrenner. Die könnten wir natürlich auch von heute auf morgen verbieten, damit sind wir dann auch erstmal wieder beim Home Office.
Joa, und dieses "wir müssen unbedingt etwas von heute auf morgen machen" und der Unwille, langfristige Projekte anzugehen (wenn es keine Prestigeprojekte sind, mit denen man die Glaubwürdigkeit öffentlicher Großprojekte zerstören kann (Stuttgart 21 und BER)) sind ein nicht unwichtiger Grund (neben so spaßigen Dingen wie die Korruptionsbereitschaft der Union), warum wir die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern immer weiter aufgeschoben wird.