this post was submitted on 28 Feb 2026
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DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
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Ich habe eine russische Woche Hinter mir:
Nikolai Gogol / Der Revisor:
Zuerst habe ich Gogols berühmtestes Theaterstück gelesen, „Der Revisor“. Das war ganz okay, eine archetypische Geschichte über Verwechslungen. Besonders gut hat mir gefallen, dass es eigentlich keine moralischen Charaktere gab. Alle sind verdammt korrupt, wissen das auch und rechtfertigen ihre eigene Korruption pausenlos. Aber insgesamt hatte ich von einem der berühmtesten Autoren Russlands etwas mehr erwartet.
Nikolai Gogol / Petersburger Erzählungen:
Dann habe ich mich an seine Petersburger Erzählungen (Der Nevski-Prospekt, Das Porträt, Die Nase, Der Mantel und Tagebuch eines Verrückten) gemacht. Es sind fünf, und ich fand sie alle großartig, einige sogar brillant. Am besten haben mir „Der Mantel“ und „Tagebuch eines Verrückten“ gefallen. Es handelt sich um in vielerlei Hinsicht ähnliche Geschichten über Bürokraten, die von der Gesellschaft ignoriert und vergessen werden, aber sie entwickeln sich zu ganz unterschiedlichen Lösungen. Die anderen waren ebenfalls großartig bis zumindest ziemlich gut.
Soweit ich weiß, geht viel von Gogols charakteristischem Stil, dem sogenannten Skaz, in der Übersetzung verloren, aber was übrig bleibt, ist dennoch eine sehr schöne Schrift. Es ist hilfreich, etwas über die russische Bürokratie, Namen, Statussymbole der damaligen Zeit und ein Konzept namens „poshlost“ (Nabokov definiert es unter anderem als kitschigen Schund, vulgäre Klischees und falsche Tiefgründigkeit) sowie über Skaz selbst zu wissen, um das Lesevergnügen zu steigern, aber ich bin mir sicher, dass es auch Spaß macht, einfach zu lesen und zu sehen, was man ohne all das daraus mitnimmt.
Ivan Turgenev / Tagebuch eines Überflüssigen:
Das ist die Synthese aus Gogol und Lermontov. Turgenev übernimmt von Gogol den Skaz und den überflüssigen Menschen von Lermontov. Das Ergebnis ist ein Tagebuch, das der Protagonist zwei Wochen vor dem Tod beginnt, und in dem er noch einmal Schlüsselerlebnisse seines Lebens aufarbeitet. Turgenev hat hier einiges an eigener Erfahrung und Frustration reingepackt, weshalb vieles hier sehr psychologisch akkurat beschrieben ist. Allerdings ist der Protagonist so von seinen eigenen Unsicherheiten gelähmt, dass es sich manchmal etwas frustrierend Anfühlt. Das ist aber auch gewollt, die Unsicherheit macht die gefühlte Überflüssigkeit zur selbsterfüllenden Prophezeiung.