
Wir alle hören ja gerade die ganzen Aussagen aus der Politik, dass wir alle "mehr arbeiten" sollen und "mehr Leistung" bringen sollen oder wie der Bundeskanzler das formuliert hat "Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten". Es tönt gerade aus allen Medien.
Ich schau mir gerne dann Statistiken zu diesen Themen an, denn nur eine statistisch greifbare Wirklichkeit ist irgendwie tragfähig. Gefühlte Wirklichkeiten in Politikeraussagen sind mir immer höchst suspekt - wer keine Zahlen hat, um seine Aussagen zu belegen, erregt bei mir direkt Misstrauen.
Ich war dann selbst etwas überrascht als ich die Zahlen vom Statistischen Bundesamt gesehen habe: Eine Rekordzahl von Arbeitnehmern hat in 2024 eine Rekordzahl von Arbeitsstunden hingekloppt. Nimmt man 1995, also den Wert eines wiedervereinigten Deutschlands ohne die direkten Verwerfungen 1991, als Vergleich, dann waren 2024 über 8 Millionen Menschen mehr erwerbstätig. Und diese haben eine Rekordzahl an Arbeitsstunden hingekloppt und über 3 Milliarden Stunden mehr gearbeitet als 30 Jahre zuvor. Die Stunden je Erwerbstätigem sind leicht gesunken, was sich durchaus durch die Teilzeitkräfte erklären lässt. Es arbeiten ja mehr Frauen, trotz Kindern.
Von daher: Es hat mich doch überrascht, wie sehr die aktuelle Rhetorik aus der Politik sich von den offiziellen Zahlen unterscheidet. Auch Aussagen wie "keiner will mehr arbeiten" oder "alle chillen in der 4 Tage-Woche" sind statistisch gesehen totaler Quatsch. Was übrigens noch dazu gekommen ist, sind natürlich diese Produktivitätsgewinne durch Computer, Automatisierung & Co. Noch in den 90ern wurden in vielen Firmen ja die Briefe per Schreibmaschine getippt.
Quelle: Zahlen vom Statistischen Bundesamt, Tabelle von hier: https://www.sozialpolitik-aktuell.de/files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/tabIV46.pdf
Es wird gelogen und abgelenkt, Rentnern nach dem Mund geredet. Natürlich ist das so. Zeit und Kosten sind nicht ursächlich, sondern die Folge aus anderen Prozessen und Abläufen. Warum hat Arbeitszeit überhaupt irgendeine Aussagekraft in den Augen der Idioten Merz und Söder? Man sollte meinen, die beiden haben keine Ahnung!
Nö, auch das ist nur Ablenkung.
In Wahrheit sind es Renten- und Sozialverbände, die seit vielen Jahren darauf hinweisen, dass die stagnierenden Reallöhne (an denen Steuern und Abgaben hängen) bei gleichzeitigem Aussetzen der Besteuerung von Vermögen (denn genau dahin fließt ein großer Teil des Wirtschaftsproduktes inzwischen ab) der wahre Grund sind, warum Renten- und Sozialsysteme langfristig nicht mehr funktionieren werden.
(Wenn wir noch einen Schritt weitergehen, auch der ganze Staatshaushalt aus Steuern - wie man schon ansatzweise erkennt, wenn wegen einstellingen Milliardensummen (oder gar nur Millionen) ewiglang diskutiert wird, während eine fast 3-stellige Millardensumme jedes Jahr einfach nicht eingefordert wird).
Und gerade deshalb wurde das Narrativ von den gierigen Rentnern, die das Sagen haben und für die du dich jetzt krumm arbeiten sollst, etabliert.
(Und ebenfalls das Narrativ vom verschwenderischen Staat -"Wir haben keine Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem" 😂-, der sich heute nicht mal mehr die Erhaltung von ehemal mit Steuergeldern gebauter Infrastruktur leisten kann.)