this post was submitted on 04 Jan 2026
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Deutschland

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founded 2 years ago
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Wir alle hören ja gerade die ganzen Aussagen aus der Politik, dass wir alle "mehr arbeiten" sollen und "mehr Leistung" bringen sollen oder wie der Bundeskanzler das formuliert hat "Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten". Es tönt gerade aus allen Medien.

Ich schau mir gerne dann Statistiken zu diesen Themen an, denn nur eine statistisch greifbare Wirklichkeit ist irgendwie tragfähig. Gefühlte Wirklichkeiten in Politikeraussagen sind mir immer höchst suspekt - wer keine Zahlen hat, um seine Aussagen zu belegen, erregt bei mir direkt Misstrauen.

Ich war dann selbst etwas überrascht als ich die Zahlen vom Statistischen Bundesamt gesehen habe: Eine Rekordzahl von Arbeitnehmern hat in 2024 eine Rekordzahl von Arbeitsstunden hingekloppt. Nimmt man 1995, also den Wert eines wiedervereinigten Deutschlands ohne die direkten Verwerfungen 1991, als Vergleich, dann waren 2024 über 8 Millionen Menschen mehr erwerbstätig. Und diese haben eine Rekordzahl an Arbeitsstunden hingekloppt und über 3 Milliarden Stunden mehr gearbeitet als 30 Jahre zuvor. Die Stunden je Erwerbstätigem sind leicht gesunken, was sich durchaus durch die Teilzeitkräfte erklären lässt. Es arbeiten ja mehr Frauen, trotz Kindern.

Von daher: Es hat mich doch überrascht, wie sehr die aktuelle Rhetorik aus der Politik sich von den offiziellen Zahlen unterscheidet. Auch Aussagen wie "keiner will mehr arbeiten" oder "alle chillen in der 4 Tage-Woche" sind statistisch gesehen totaler Quatsch. Was übrigens noch dazu gekommen ist, sind natürlich diese Produktivitätsgewinne durch Computer, Automatisierung & Co. Noch in den 90ern wurden in vielen Firmen ja die Briefe per Schreibmaschine getippt.

Quelle: Zahlen vom Statistischen Bundesamt, Tabelle von hier: https://www.sozialpolitik-aktuell.de/files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/tabIV46.pdf

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[–] zwiebeltee@feddit.org 7 points 6 days ago* (last edited 6 days ago) (2 children)

Interessant, nur zu meinem Verständnis: Ich lese es also richtig, dass die Zahl der Erwerbstätigen Personen über die Jahre mit einem mininamlen Ausreißer in 2005 zugenommen hat, damit die Zahl der geleisteten Arbeitssunden insgesamt überwiegend zum jeweiligen vorherigen Betrachtungszeitraum ebenfalls zugenommen hat? Andererseits die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden je erwerbstätiger Person jeweils zum vorherigen Betrachtungszeitraum überwiegend abgenommen hat, im Vergleichszeitraum 2020/2024erstmals wieder zugenommen hat?

Edit: Tippfehler

[–] Ephera@lemmy.ml 3 points 5 days ago (1 children)

Ja, hängt höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass in Beziehungen immer öfter beide Partner arbeiten gehen. Dadurch logischerweise immer mehr Arbeitnehmer, aber die müssen sich dann zuhause auch um den Haushalt und die Kindern kümmern, wodurch sie nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen.

[–] DrunkenPirate@feddit.org 3 points 5 days ago

So ist es wahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass die mengenstärkste Bevölkerungsgruppe - die Boomer - kurz vor der Rente vermutlich die Stundenzahl reduziert.

[–] JensSpahnpasta@feddit.org 5 points 6 days ago

Genau. Wenn du Vollzeit 40h, 30 Urlaubstage arbeitest, landest du bei ca. 1700 Arbeitsstunden im Jahr, je nach Feiertagslage und Bundesländern. Keine Ahnung, ob die Zahlen auch Krankheitstage abziehen und Überstunden beinhalten.