In der Nacht auf vergangenen Donnerstag soll der AfD-Landtagsabgeordnete Michael Meister Opfer eines Anschlags geworden sein. Die AfD verbreitete das Bild eines blutverschmierten T-Shirts. Nun kommt raus: Das hatte Meister zu der Zeit gar nicht an.
Das Bild eines blutverschmierten T-Shirts, das AfD-Spitzenkandidat Enrico Schult (47) in sozialen Medien gepostet hatte, sorgt für Rätselraten – auch bei den Ermittlern der Rostocker Kripo und der Staatsanwaltschaft. Nach dem mutmaßlichen Mordanschlag auf den Landtagsabgeordneten Michael Meister (48) in der vergangenen Woche hatte die AfD das Foto des blutigen T-Shirts verbreitet und die Attacke der Antifa zugeschrieben.
Nun aber kommt raus: Meister hatte das T-Shirt zur Tatzeit überhaupt nicht an. Auch die AfD rückt von ihrer bisherigen Darstellung ab. Die Fraktion im Landtag wehrt sich aber zugleich gegen Vorwürfe, das Bild des T-Shirts sei ein „Fake“.
Ermittlungen wegen versuchten Mordes
Hintergrund: Meister hatte am Mittwochabend gegen 23.45 Uhr den Notruf gewählt, weil zwei Unbekannte versucht haben sollen, ihn vor seinem Zuhause niederzustechen. Sein Notebook im Rucksack auf dem Rücken habe ihn vor Schlimmerem bewahrt. Der Abgeordnete wurde mit einer Verletzung am Arm ins Krankenhaus gebracht.
Die Staatsanwaltschaft stuft die mutmaßliche Attacke als „versuchten Mord“ ein, bestätigte Oberstaatsanwalt Harald Nowack auf OZ-Anfrage.
Bereits am Tag danach liefen umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen an: Beamte der Kripo baten Anwohner darum, Bilder ihrer Überwachungskameras auszuhändigen. Zudem wurde – erfolglos – nach einem spitzen Gegenstand gesucht, mit dem Meister angegriffen worden sein soll.
Auch bei der Staatsanwaltschaft löste das Bild des blutverschmierten T-Shirts Verwunderung aus: „Die Kripo hatte den Rucksack, das Notebook und alle Kleidungsstücke, die der Geschädigte an besagtem Abend getragen hat, zur Spurensicherung an sich genommen. Das weiße T-Shirt war nicht dabei“, so Nowack.
Die Ermittler hätten Meister nunmehr darum gebeten, ihnen auch dieses Kleidungsstück auszuhändigen. Das habe er zugesagt. „Der Geschädigte hat auf Nachfrage angegeben, dass er sich mit dem T-Shirt seine Wunde verbunden habe.“
Bereits im Dezember 2021 hatte Meister eine Attacke gegen sich angezeigt. „Die Ermittlungen wurden eingestellt, weil kein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte“, so Oberstaatsanwalt Nowack.
AfD: „Das Blut ist echt“
Auch seiner Fraktion verschwieg Meister offenbar, dass er das T-Shirt als Wundverband genutzt hatte. „Diese Information hatten wir nicht, als wir das Bild des T-Shirts verbreitet und den Eindruck erzeugt haben, Michael Meister habe es während der Attacke getragen“, so ein Sprecher der AfD-Fraktion.
Meister habe das T-Shirt aber der Fraktion auf deren Bitte hin vorgelegt: „Wir konnten uns überzeugen, dass es echt ist.“ Denn am Wochenende war in sozialen Medien heftig über die Echtheit des blutigen Shirts diskutiert worden: Mehrere Nutzer wollen das Shirt mit exakt denselben Blutspuren in Billig-Onlineshops entdeckt haben. „Das ist kein Fake. Michael Meister hat sich einen Anwalt genommen und wird gegen die Behauptung, er habe ein gefälschtes Bild verbreitet, vorgehen“, kündigt der Fraktionssprecher an.