Bis zum 10. Juni muss der Rostocker Club „Bunker“ 30.000 Euro an Corona-Hilfen zurückzahlen – sonst ist Schluss. So will Betreiber Mark Jenderny die Partylocation jetzt noch retten.
Mark Jenderny wirkt betrübt. Der Clubbetreiber des „Bunkers“ in Rostock schließt die Tür zur Tanzfläche hinter sich ab. Der Flur wirkt wie eine Dunkelkammer. Nur ein paar gedimmte Lampen beleuchten den Weg zum Ausgang. Schon bald könnte das Licht jedoch komplett ausgehen – denn dem „Bunker“ droht das Aus.
Bis zum 10. Juni muss Jenderny mit dem „Kulturkombinat Bunker“ rund 30.000 Euro an Corona-Hilfen an das Land zurückzahlen. Sollte der Club das Geld nicht auftreiben können, sind die Verantwortlichen gezwungen, einen Insolvenzantrag zu stellen. „Die Not war noch nie so groß“, erklärt Jenderny den Ernst der Lage.
Rostocker „Bunker“ hatte noch nie Schulden
Seit 2007 betreibt der Unternehmer das Kunst- und Kulturzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Neptun Werft. Der „Bunker“ gehört seitdem für viele Partygäste zu den beliebtesten Adressen in der Hansestadt. Bis zu 200 Leute feiern hier regelmäßig zu Techno, Rock, Indie und 80er-Jahre-Hits. „Wir haben den Hochbunker als Ruine übernommen und nach und nach immer weiter mit eigenen Mitteln ausgebaut – ohne staatliche Förderungen, Kredite und Schulden“, so der Geschäftsführer.
Während der Corona-Krise musste der Club, wie andere Einrichtungen auch, schließen oder durfte nur Gäste in begrenzter Anzahl begrüßen. Um Festkosten wie Miete und Strom trotz ausbleibender Veranstaltungen zu bezahlen, hat der „Bunker“ in diesem Zeitraum Überbrückungshilfen vom Landesförderinstitut MV (LFI) erhalten.
Gleichzeitig griff das Lokal auf eine Förderung der Initiative Musik unter dem Label „Neustart Kultur“ zurück. Der „Bunker“ bekam dabei zweckgebundene Gelder, um DJs, Musiker und Künstler, die im Club aufgetreten sind, zu bezahlen. „Wir durften nur die Hälfte der Gäste reinlassen, deswegen konnten wir aber nicht nur die Hälfte an Gage zahlen“, so Jenderny.
Zum Unverständnis des Betreibers hat das LFI diese Gelder nun als Einnahmen des „Bunkers“ bewertet – „obwohl diese zu 100 Prozent weitergereicht wurden“. Diese Entscheidung war für den 53-Jährigen „wie ein Schlag vor den Kopf“.
Für Witzan Schmidt, Ansprechpartner für Clubs und Diskotheken im Präsidium des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands MV (Dehoga), wäre das Aus des „Bunkers“ ein Rückschlag für die Partyszene. „Es gibt immer weniger Clubs. Die Entwicklung ist dramatisch“, meint er.
Der Experte, der in Rostock den beliebten LT-Club betreibt, habe persönlich schon lange mit den Corona-Rückzahlungen abgeschlossen. Er verweist darauf, dass Kultureinrichtungen Rückzahlbestimmungen im Zuge der Überbrückungshilfen oft „im Kleingedruckten“ überlesen hätten.
„Was den ‚Bunker‘ betrifft, habe ich jedoch keinen Einblick“, so Schmidt. Er wisse aber, dass die Bundesländer unterschiedlich mit den Rückzahlungen umgehen. „MV hat da eine rigorose Einstellung.“
Solidaritätspartys am Wochenende in Rostock
Das merkt jetzt Mark Jenderny. Der „Bunker“-Chef sei bereits im März darum bemüht gewesen, in Kontakt mit dem LFI zu treten, um Möglichkeiten einer Stundung beziehungsweise Ratenzahlung zu besprechen – ohne Antwort. „Die Leute machen sicherlich einen guten Job, wirken aber völlig überfordert. Die Kommunikation ist sehr kompliziert“, ärgert sich der Betreiber.
Viel Zeit bleibt nicht mehr: Um die Disco am Leben zu halten, hat das Kulturkombinat die Aktion „Rettet den Bunker“ ausgerufen. Am Freitag (22. Mai) und Sonnabend (23. Mai) finden zwei große Solidaritätspartys statt. Besucher können sich auf zahlreiche DJs und Livemusik-Acts freuen. Außerdem stehen Highlights, wie Karaoke, ein Pubquiz und ein Glücksrad sowie eine Fotobox, auf dem Programm.
„Es ist eine komische Situation“, meint Jenderny. „Wir sind alle ängstlich wegen der aktuellen Situation und gleichzeitig überwältigt von der großen Resonanz.“ Die Künstler werden an den beiden Abenden ohne Gage auftreten. Zudem wurde online eine Spendenaktion initiiert, bei der bereits mehr als 8500 Euro zusammengekommen sind.