this post was submitted on 31 Aug 2026
27 points (96.6% liked)
Verkehrswende
795 readers
41 users here now
In dieser deutschsprachigen Community dreht sich alles um das Thema Verkehrswende. Welche Entwicklungen gibt es in diesem Bereich? Wo hängt es?
In this German-speaking community, everything revolves around the topic Mobility transition. What developments are there in this area? Where are the problems?
founded 2 years ago
MODERATORS
you are viewing a single comment's thread
view the rest of the comments
view the rest of the comments
Also Individualverkehr zu reduzieren, so sinnvoll und wichtig es aus Umwelt- und Infrastrukturgründen auch wäre, geht nicht, weil Leute sich gerne ausmalen wollen, wie sie sich im Fall der Apokalypse auf eigene Faust mit ihren alten Verbrennerkarren durchschlagen.
Das ist mindestens mal ein sehr neurotisches Framing.
Was spricht gegen Evakuierung durch Öffis?
Busse fahren selten und in zu kleiner Stückzahl. (Es wäre ja alles in 15 min zu Fuß erreichbar.) Man könnte eine Bereitschsftsflotte bereithalten, aber wer will das bezahlen?
Die Bahn funktioniert nicht. Bestimmt wollen die meisten, die die 15-Minuten-Stadt wollen, auch eine funktionierende Bahn. Nur konkurriert die Bahn mit dem Städtebau, was die Flächen für den Gleisbau angeht. Zur Illustration: Bei uns stehen auf dem ehemaligen Güterbahnhof jetzt eine Naherholung und 2 Schulen. Die will ganz sicher keiner wieder hergeben.
Egal mit welchem Öffi: Das Evakuierungsziel müsste zentral vorgegeben werden, d.h. man kommt im Ernstfall schlecht zur Community der eigenen Wahl (Familie, Bekannte).
Es muss nicht mal ein Ernstfall her, es reichen ja schon die Ferien.
Edit: Die Klassifikation als "sehr neurotisch" übergehe ich mal. Gerade über Neurotiker muss gut regiert werden.
Dokumentation Reaktorkatastrophe Tschernobyl - wo man sieht, dass da eben nicht jeder mit dem eigenen PKW gefahren ist, sondern eben ein paar HUNDERT BUSSE gekommen sind, um die Leute dann zentral in Sicherheit zu fahren.
Währenddessen, so ziemlich jedes Katastrophenszenario aus dem "Land of the Free" aka USA, wo man sieht, wo Millionen und Abermillionen Privat-PKW, alle mit 1-2 Personen besetzt, im Endlosstau auf der Straße stehen und dann von der Detonationswelle weggeweht werden (ein Szenario, das btw. ebenfalls äußerst realistisch ist. Sieht man auch bei JEDER Großveranstaltung in irgendeiner Großstadt. Minus die Detonationswelle, idealerweise).
Wenn du dir schon einen Strohmann baust, dann versuch doch zumindest, ihn ansatzweise realitäts- und faktennah zu bauen
Ich will mir hier keinen Strohmann bauen sondern eine Argumentationshilfe. Erfahrungen mit einer ausgebauten Infrastruktur und vielen PKW-Besitzern hätte es in Tschernobyl nicht geben können, selber Strohmann.
Danke, das mit den Staus wegen Sturmwarnung kenne ich schon. Andererseits, there's no glory in prevention: wo auf Fluchtwegkapazitäten geachtet wird, fällt es weniger auf. Es kommt halt auf das Szenario an.
Du wirst halt keine Fluchtwege für zig Millionen Autos bauen können. Da müsstest du dann halt zwölfspurige Autobahnen durch das Land bauen. Und ein Problem ist dann auch, dass so ein massiver Autoverkehr unter Stresssituationen zwangsläufig zu Unfällen führen wird, welche dann die Straßen blockieren. Das taugt nichts, so schick diese Idee mit dem eigenen Auto und der Familie vor der Katastrophe per Auto zu flüchten auch klingt
Wenn du wissen willst, wie das funktioniert, schau einfach mal in die Ukraine. Wenn du im Katastrophen- oder Kriegsfall eine Stadt evakuieren willst, dann fährt der Bus nämlich nicht nach Takt, sondern es werden Busse aus diversen umliegenden Gegenden herbeigefahren, die wirklich für die Evakuierung zuständig sind. Das gilt auch für die Bahnen. Wenn du wirklich etwas evakuieren willst, sehen die Takte und Fahrpläne plötzlich anders aus als im Standard.
Ich kann dir auch nur empfehlen, einmal in die Ukraine und Russland zu gucken und deine Theorie von der Resilienz durch motorisierten Individualverkehr zu hinterfragen. Gerade da zeigt es sich ja jetzt zum Beispiel in Russland extrem, wie abhängig eine Gesellschaft von Benzinlieferungen sein kann. Ohne Benzin macht dein Auto nix. Gleichzeitig zeigt es sich auch, wie angreifbar z.B. große zentralisierte Einkaufszentren sind. Es sind ja nicht nur die Wildberries-Warenhäuser, sondern auch all diese gigantischen Nahrungslogistiklager, die Russland gerade in der Ukraine angreift. Eine 15 Minuten Stadt hat auch nicht den einen riesigen Kaufland am Stadtrand, der von einer Drohne zerstört werden kann, sondern viele lokalere Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, was definitiv resilienter ist. Ist auch irgendwie logisch: wenn du den Supermarkt im Dorf hast, dann ist der im Katastrophenfall normalerweise noch da, beziehungsweise hat Dinge, die du plündern kannst. Vielleicht nicht, wenn Hochwasser ihn komplett weg geschwemmt hat, aber selbst nach einem heftigen Sturm, wenn das Dach eingestürzt ist und keiner in deine Stadt kommt, bist du in der Lage, irgendwie an die dort gelagerten Maggi Dosenravioli zu kommen. Fährst du immer zehn Kilometer mit dem Auto zum nächsten Kaufland, sieht die Lage plötzlich anders aus.
Zunächst, es ist nur eine Theorie, die ich auf die Altrechten projiziert habe und in Teilen nachvollziehen kann. Wahrscheinlich muss man das Szenario weiter konkretisieren und gleichzeitig beachten, dass die Transition mit den aktuellen Öffis und dem angelaufenen Wechsel auf solarautarke PKW schwerer gelingen dürfte.
Die meisten Haushalte in der Ukraine hätten gar kein Auto (UA 0,197; DE >0,5 PKW pro Person). Da müssen also zwangsweise Busse die Passagiere zu Bahnknotenpunkten bringen. Problem dabei: FPV-Drohnen fliegen bevorzugt große Ziele an wie LKW, Bahnwaggons und Busse. Dem entgeht man mit unregelmäßig fahrenden Kleinfahrzeugen.
Wenn man auf Öffis statt Autos setzt, werden in vielen Städten ganz plötzlich riesige Flächen frei, die vorher für vierspurige Straßen verwendet wurden.
Frag mal den Städteplaner, was er mit mehr Platz machen würde. Die Bahntrasse müsste schon das Land vorschreiben, das verlässt also den Raum der Stadtplanung.
ÖPNV lässt sich auch unterirdisch bauen und kann dann auch als Bunker dienen, mir sind da ein paar S-Bahn-Stationen bekannt die genau dafür mal ausgelegt wurden.
Jeder einzelne, wenns nach dir geht? Das ist doch im Grunde die Idee. Auch wenn autofreie Städte möglich wären, sollen wir sie nicht bauen, damit im Notfall jeder im eigenen Auto fliehen kann.
Touché.