Ich war Zeit meines Lebens furchtbar in Kunst. Ich habe es wirklich aus tiefstem Herzen gehasst, weil ich weder zeichnen, noch mit Wasserfarben (ich habe diese ollen Dinger aus tiefstem Herzen gehasst, jedes einzige Bild sah streifig aus, weil ich keine Gleichmäßige Deckung hinbekommen habe) umgehen konnte. Das ganze hat dann dazu geführt, dass ich halt verinnerlicht hatte, dass ich halt einfach nicht malen kann und das am besten einfach sein lasse. Irgendwann bin ich dann mit Warhammer Figuren angefangem und siehe da, ich kann doch malen. Wir haben in der Schule im Kunstunterricht nie gelernt wie man wirklich malt. Uns wurde ein Blatt und ein Wassermalkssten vor die Füße gesetzt mit der Anweisung "male ein Bild". So absolute Grundlagen wie dass Gegenstände die näher dran sind heller sind als weiter entfernte Gegenstände haben wir nie gelernt. Der Farbkreis wurde erst in der 8ten Klasse behandelt (also viel zu spät, als dass ich damit was anfangen könnte, weil "ich kann ja schließlich nicht malen").
Der Kunstunterricht hat die Gefördert, denen von ihren Eltern gezeigt bekommen haben wie man mit Wassermalfarben malt und den Rest einfach auf der Strecke liegen gelassen und zusätzlich noch dsrauf eingetreten, weil ich mich ja nur etwas mehr anstrengen muss.
Selbes hier - im Kunstunterricht wurde auch immer nur nach dem Aussehen bewertet. Dass es Kunststile gibt, in denen eben nicht jedes noch so kleine Detail naturgetreu abgebildet ist, oder eben Linienführung usw nicht perfekt sind... Egal. Auch laaaange nichts zur Technik. Super einfach "schwach" mit einem Bleistift mit vielen kleinen Linien etwas zu skizzieren, sodass "der Mittelwert" der Linien optisch dann das Bild ergibt das du willst um es dann damit "sauber" nach zu zeichnen oder mit Tusche o.ä. dann 'sauber' zu Malen... Keine Info zu Bildkomposition, Farbenlehre, ...
Dann plötzlich in der 10. Klasse, neuer Kunstlehrer. Erste Aufgabe: Schraffur, Bleistift, Schwarz-Weiß, Licht und Schatten, Perspektive. Thema "Am Ende eines langen Ganges". Er zeigt uns "zum auffrischen" ein paar Techniken, dann sagt er "alles ist erlaubt, solange ihr mir erklären könnt, wie euer Werk zum Titel passt wenn nötig". Ich hatte Kunst längst aufgegeben und wollte einfach nur faul und schnell zur Abgabe. Also außen am Rand eine Reihe quadratische Fliesen/Steine, dann genau eine Fliese/Stein perspektivisch nach hinten und dann direkt die Rückwand des "Ganges" (eher... Nische?) mit den selben Steinen. Einmal Licht, das von links fällt und einen Schatten über die Kante links wirft und in der "Nische" eine Kerze, die den Bereich oben rechts erhellt, aber selber auch nen schatten wirft. Max. 2h Arbeit, ich geb als einer der ersten ab.
Am Ende bei der Bewertung war mein Bild unter den Top 3 der Klasse und wurde allen vorgestellt. Ich hab das nur aus Faulheit gemacht, Kunst längst aufgegeben. Lehrer so: "Und hier ein Beispiel, was Kunst ausmacht - das Bild regt zum Nachdenken an Am Ende eines langen Ganges. Jeder von eicht gibt einen Korridor ab, dann dieses eine Bild dazwischen. Eine düstere Ecke auf einem Friedhof, eine Kerze zum Gedenken, das Ende des langen Ganges des Lebens. Kreativ umgesetzt statt nur das offensichtliche..." Ich stand einfach nur da und konnte es nicht glauben "aus Faulheit" quasi die Bestnote zu bekommen...
Hatte die Interpretation des Lehrers denn dabei irgendwas mit deiner Idee zu tun?
Oder hattest du einfach nur Glück, dass er es so gesehen hat?
Wenn letzteres, wäre das ein Beispiel für die Dinge, die mich am Kunstunterricht (und teilweise Deutsch etc.) gestört haben.
Mir ging es nämlich auch so, dass wir so gut wie keine Techniken oder Wissen vermittelt bekommen haben, sondern einfach nur die aktuelle Aufgabe malen sollten. Die die eh gut waren (oder erfolgreich verbergen konnten, dass Mama zuhause das Bild gemalt hat), bekamen ihre gute Note, und die die halt Glück hatten, weil der Lehrer (waren bei uns ausschließlich Männer) irgendwas darin gesehen haben. Der Rest blieb auf der Strecke.
(Dazu kam noch, dass es oft ne Materialschlacht war und die Lehrer entweder erwartet haben, dass man Geld für Materialien ausgibt oder man das "eh zuhause hat")
Der einzige Kunstlehrer der wirklich mal was erklären wollte hat dann Wissen und Können aus früheren Jahrgangsstufen vorausgesetzt und wenn man das Pech hatte da andere Lehrer gehabt zu haben, konnte man nicht mithalten.
Ich war eigentlich ein Kind, das immer gerne gemalt und gezeichnet hat. Hatte als Sechstklässler nen ganzen Ordner voll abgezeichneter und colorierter Pokemon, inkl einer ganzseitigen Eigenkreation. Ich hab gerne Daumenkinos und Comics gemacht, die zunehmend satirischer wurden.
Durch den Kunstunterricht hab ich immer mehr den Spaß daran verloren und das Vertrauen, dass ich was gestalten kann. Wenn ich heute nen Stift in die Hand nehme um auch nur eine Skizze zu machen bin ich automatisch nach spätestens 15 min unzufrieden und schlecht gelaunt.
Dabei hab ich sogar mal ein Architekturstudium angefangen (inkl Aufnahmeprüfung) und dann bald wieder abgebrochen, weil mich die gestalterischen Fächer so hart daran erinnert haben.
/rant