Psychologie

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Hier soll es um Themen der wissenschaftlichen Psychologie gehen. Nicht gehen soll es hier um persönliche Beratung, Therapie, Küchenpsychologie oder Ähnliches (solange es nicht z.B. um Forschung darüber geht).

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Mit Charme, aber ohne Gewissen (www.deutschlandfunkkultur.de)
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17 Stunden pro Tag Handy-Zeit, Dating-Apps für tausende Euro, Netflix leergeguckt - wie süchtig sind viele? SWR Reporterin Jule Kaden geht sieben Tage in eine Rehaklinik und trifft junge Erwachsene mit Depressionen, Süchten und ungesundem Handy-, Social Media- und Gaming-Verhalten. Eine gefühlvolle, authentische Reportage über Kontrollverlust und mentale Gesundheit. Kann man noch abschalten?

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Artikel
Soziale Ängste haben zwei Gesichter
Christiane Gelitz

Schüchtern, leise, zurückhaltend: So stellt man sich sozial ängstliche Jugendliche vor. Auf viele trifft diese Beschreibung auch zu – auf andere jedoch nicht. In der Fachzeitschrift »Personality and Individual Differences« beschreibt ein Forschungsteam von der McMaster University in Hamilton (Kanada) eine atypische Variante, die mit narzisstischem, impulsivem und aggressivem Verhalten verbunden ist. Die Studie basiert auf Selbstauskünften von rund 300 kanadischen Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren.
Mittels einer Profilanalyse identifizierten Mollie Eriksson und Louis Schmidt drei typische Antwortmuster. Knapp die Hälfte der Jugendlichen zählte zur größten, psychisch stabilen Gruppe. Sie neigten weder zu sozialen Ängsten noch zu Narzissmus oder Aggressionen. Knapp jeder dritte gehörte zur zweiten Gruppe, den typischen Sozialphobikern. Diese attestierten sich Merkmale für »verletzlichen« Narzissmus wie Empfindsamkeit und Angst vor Ablehnung, nicht aber für »grandiosen« Narzissmus wie ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung. Sie beschrieben sich außerdem nicht als sonderlich impulsiv oder aggressiv. Rund jeder Vierte wies dagegen ein anderes Muster auf: moderate soziale Ängste verbunden mit ausgeprägtem grandiosen und verletzlichen Narzissmus sowie impulsiven und aggressiven Zügen – ein Profil, das deutlich vom typischen Erscheinungsbild sozialer Phobien abweicht.

Wesentliche Unterschiede im Durchschnittsalter der drei Gruppen fanden Eriksson und Schmidt nicht. In der atypischen Gruppe waren männliche Jugendliche allerdings deutlich überrepräsentiert. Das passt den Forschenden zufolge zu einem vielfach bestätigten Geschlechterunterschied: Jungen reagieren auf Bedrohung eher mit einem nach außen gerichteten, »externalisierenden« Verhalten wie Aggression, Mädchen eher mit »internalisierendem« Verhalten wie sozialem Rückzug. Das Team führt das auf eine geschlechtsstereotype Sozialisation zurück, die Jungen zu Dominanzverhalten ermutigt und Mädchen sensible Reaktionen zugesteht.

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Artikel
Intravenös verabreichtes Dimethyltryptamin (DMT) kann die Symptome einer Depression stark reduzieren. Der Effekt des Psychedelikums, das oft Teil schamanischer Rituale ist, setzt rasch ein und hält bei vielen Erkrankten über mehrere Monate an. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Nature Medicine« erschienen ist.

Ein Team um den Psychiater und Neurowissenschaftler David Erritzoe vom Imperial College London untersuchte in einer doppelblinden, randomisierten Studie 34 Erwachsene mit mittelgradigen bis schweren Depressionen. 17 erhielten ein Placebo, 17 eine Infusion mit 21,5 Milligramm DMT über zehn Minuten. Zwei Wochen später bekamen alle DMT angeboten. Einige der Probanden erhielten somit insgesamt zwei Dosen.

DMT ist der Hauptwirkstoff von Ayahuasca, einem in Südamerika seit Jahrtausenden zu Heilzwecken genutzten Gebräu. Der Besitz und Handel von DMT ist hierzulande wie in vielen Ländern verboten. Die Gabe war in der Studie eingebettet in ein psychotherapeutisches Rahmenprogramm. Vor der Infusion fanden vorbereitende Gespräche statt. Die Verabreichung selbst erfolgte in einem geschützten Setting mit Augenmaske, Musik und professioneller Begleitung. Im kurzen, aber intensiven DMT-Rausch hatten die Erkrankten starke Emotionen und teils mystische Erfahrungen. In den Tagen danach sollten weitere Sitzungen helfen, das Erlebte einzuordnen. Altes Wissen als neue Blitztherapie

Das Ergebnis: Nach zwei Wochen war der Depressivitätswert in der DMT-Gruppe signifikant mehr gesunken als unter Placebo. Statistisch handelt es sich um einen starken Effekt – in der Größenordnung der Wirkung von Konfrontationstherapie bei Phobien. 44 Prozent sprachen nach einer Woche nach gängigen Kriterien auf die Therapie mit DMT an gegenüber 6 Prozent in der Placebogruppe. Auch nach einem halben Jahr hatten bei rund 40 Prozent der Behandelten die Symptome immer noch nachgelassen.

Unerwünschte Effekte waren mild bis moderat, etwa Schmerzen an der Infusionsstelle, Übelkeit oder vorübergehende Angst. Allerdings war die Stichprobe klein, und das Einsetzen oder Ausbleiben des Rausches ließ schnell erkennen, wer das Placebo und wer das DMT erhalten hatte.

Andere Psychedelika wie LSD oder Psilocybin haben in Untersuchungen bereits einen Nutzen bei Depressionen gezeigt. Größere und längerfristige Studien müssen nun klären, wie belastbar die Ergebnisse sind, für wen sich eine DMT-Behandlung eignet – und wie sie sich im direkten Vergleich zu etablierten Therapien schlägt.

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Ach komm, ein Stück Schokolade geht doch noch! Weil es einfach so gut schmeckt. Ein zweites Glas Wein? Na gut, auf einem Bein kann man ja nicht stehen. Solche inneren Gespräche kennt wohl jeder: Wir nehmen uns etwas vor – und dann kommt die Versuchung.
In der Psychologie heißt dieses innere Nachgeben »Selbstlizenzierung«: Wir erlauben uns, vom Vorsatz abzuweichen, um einen Konflikt aufzulösen oder uns etwas zu gönnen. Ob wir der Versuchung folgen, hängt unter anderem von der »Selbstkontrolle« ab. Gemeint seien damit unter anderem sogenannte exekutive Funktionen – Fähigkeiten wie das Unterdrücken von Impulsen oder die Regulation von Gefühlen

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